Reise : Lotosblüten statt Loreley Flusskreuzfahrten werden immer exotischer:

Mekong, Jangtse oder Ganges – alles ist möglich

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Und wenn sie ihre langen, blonden Haare noch so verlockend wehen lässt: Aus Sicht der Flusskreuzfahrt ist die romantische Loreley auf ihrem Felsen im Mittelrheintal ein alter Zopf. Neben bekannten Nahzielen an Rhein, Main und Donau reizen die Passagiere inzwischen auch Russland, Frankreich und sogar Fernreisen, bei denen ihr Blick über Reisfelder statt Weinberge schweift. Die neuen Ziele sind der Jangtsekiang in China, der Ganges in Indien und – als jüngstes Kultziel – der Mekong in Vietnam und Kambodscha.

Die Anbieter wollen aber nicht nur neue Ziele erschließen, sondern auch eine neue Klientel ansprechen: „Wir hoffen auf abenteuerlustige Best-Ager“, sagt Katharina Afflerbach von Viking Flusskreuzfahrten in Köln. Angesprochen werden sollen aber auch diejenigen Flussreisenden, „die die klassischen Destinationen durch haben und sich nun an exotischere Ziele herantrauen“. Ein weiterer Grund für die Suche nach neuen Zielen: Wenn ein Markt wegbricht, ist es gut, mehrere zu haben.

Fast schon ein klassisches Fernziel für Flusskreuzfahrten ist der Jangtsekiang, mit 6380 Kilometern der längste Fluss Asiens. Seit Jahren werden dort drei- und viertägige Kurztrips zwischen den Millionenstädten Yichang und Chongqing angeboten – mit der Besichtigung des „Drei-Schluchten-Staudamms“ als Höhepunkt. Gebucht werden können auch Touren zwischen Chongqing und Schanghai. Sie dauern dann sieben Tage, stromaufwärts sind es neun.

Marktführer für Kreuzfahrten auf dem Jangtse ist Victoria Cruises. Die Reederei aus New York setzt sieben Fünf-Sterne- Schiffe auf dem Fluss ein. Die Jungfernfahrt der neuen „Victoria Jenna“, die als achter Kreuzer der Flotte mit 209 Kabinen für bis zu 418 Passagiere das größte Schiff auf dem Fluss werden soll, verzögert sich seit Mai bis heute. Über die Gründe teilt die Reederei nichts mit. Mit der „Jenna“ soll es dann auf der Strecke durch die drei großen Schluchten des Jangtse tägliche Abfahrten geben.

Auch Nicko Tours aus Stuttgart setzt auf China: Der Anbieter hat bis zu 18-tägige Flug- und Schiffsreisen auf dem Jangtse im Programm. Die Gäste reisen auf der „Century Diamond“, einem Neubau mit sechs Decks. Auch Phoenix Reisen in Bonn befährt den Jangtse, die Touren auf der „Yangtze Victoria“ werden oft kombiniert mit Zielen abseits des Flusses: zum Beispiel Hongkong, die große Mauer und die Terrakotta-Armee in Xian. Viking Cruises verbindet Jangtse-Fahrten auf der „Century Sun“ mit Peking-Aufenthalten und dem Schwerpunkt „Die Kaiserschätze Chinas“.

In Indien locken drei Ziele die Flussreisenden an: der Brahmaputra und der Ganges, Indiens heiliger Strom, sowie die Kerala Backwaters im Süden des Landes. Kombiniert werden die Reisen mit Ausflügen in Nationalparks, durch die noch Tiger streifen, oder zum Tadj Mahal. Zwar seien die Anschläge in Bombay Ende 2008 noch im Gedächtnis der Reisenden, sagt Michael Schulze, Direktor Schiffsreisen bei Phoenix. „Aber die Nachfrage ist dennoch ungebrochen groß.“ Phoenix befährt mit der „Charaidew“ mit Platz für 24 Passagiere den Brahmaputra unter dem Motto „Magie Indiens“. „Wir haben auch immer wieder über den Ganges nachgedacht“, sagt Schulze. „Aber er ist einfach zu stark verschmutzt.“ Die Reisenden schrecke das allerdings meist nicht. „Gerade in Indien sind sie aufgeschlossen genug, auch unschöne Dinge zu sehen.“

Das exotischste Ziel derzeit ist der Mekong, der mächtigste Fluss Südostasiens. Er entspringt im Tibetanischen Hochland und fließt auch durch Birma, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam, bevor er ins Südchinesische Meer mündet. Entlang der Strecke locken interessante Regionen, Städte und Kulturstätten. Die Touren führen in der Regel nach Siem Reap, zu den Tempelanlagen von Angkor Wat und vorbei an Phnom Penh durch das Mekong-Delta ins ehemalige Saigon, heute Ho-Chi-Minh-Stadt. Oder sie verlaufen in umgekehrter Richtung.

Eine solche länderübergreifende Tour bietet etwa Lernidee Reisen aus Berlin an. Gefahren wird mit Schiffen von Pandaw River Cruises, Nachbauten von Kolonialschiffen. Es geht vorbei an Dörfern, Dschungellandschaften und Reisfeldern. Die 16-tägige Reise „Lotosblüte“ von Saigon nach Angkor Wat ist ab 3340 Euro (inklusive Flug) im Januar / Februar sowie Oktober / November buchbar.

Viking Flusskreuzfahrten plant erst für 2011 einen Einstieg ins Mekong-Geschäft. „Noch ist die Infrastruktur am Fluss für uns unbefriedigend“, sagt Afflerbach. So fehle es an Anlegestellen und Zubringerstraßen. Doch die Reisen auf dem Mekong ließen sich perfekt mit einer Jangtse-Kreuzfahrt verbinden. Das interessiert vor allem die Klientel aus den USA, die im Gegensatz zu deutschen Passagieren gern eine Kreuzfahrt in der Ferne gleich mit einer zweiten verbindet.

Und ganz im Trend zum Mehrwert bieten die Veranstalter von Flussreisen in der Ferne Zusätzliches an: Manche haben „Chinesisch für Anfänger“ im Bordprogramm oder Feng Shui, andere bieten eine Einführung in das Spiel Mahjong an oder chinesische Malerei. Themen sind auch alternative Medizin – und Ernährung. Hobbyköche können sich etwa im Zubereiten von Dim Sum üben – und nach dem Gemüseschnitzen ihrer Liebsten eine Rose aus Möhrchen verehren. Reisen auf exotischen Flüssen können also mindestens genau so romantisch sein wie zu Füßen der Loreley.

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