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Luftverkehrssteuer : Lieb und teurer

31.10.2010 02:00 UhrVon Florian Sanktjohanser, Helge Thoben
Auf dem Markt von Port Louis, der Hauptstadt von Mauritius, wird dieser ambulante Händler nicht vergeblich nach Kunden Ausschau halten. Luxusreisen verkaufen sich gut. Foto: gwsBild vergrößern
Auf dem Markt von Port Louis, der Hauptstadt von Mauritius, wird dieser ambulante Händler nicht vergeblich nach Kunden Ausschau halten. Luxusreisen verkaufen sich gut. Foto: gws

Für ihren Sommerurlaub 2011 werden viele Deutsche mehr bezahlen müssen als in diesem Jahr. Mit Hinweis auf die neue Luftverkehrssteuer erhöhen die Reiseveranstalter ihre Preise. Doch viele Ziele gibt’s auch günstiger.

Nachdem Alltours Mitte Oktober vorgelegt hatte, ziehen auch die Marken Neckermann und Thomas Cook Reisen nach: Beide werden bei Fernreisen um fünf Prozent teurer. Auch Rewe Touristik mit den Marken ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg erhöht die Preise um durchschnittlich 2,5 Prozent. Experten gehen davon aus, dass Marktführer Tui, FTI und andere bei ihren Programmvorstellungen nachziehen werden.

Die Preiserhöhung bei den Fernreisen begründete Peter Fankhauser, Vorstandschef des Thomas-Cook-Konzerns, vor allem mit der Luftverkehrssteuer. Sie allein mache bei Neckermann 2,5 Prozentpunkte dieser Preissteigerung aus. Aber auch der US-Dollarkurs und höhere Kerosinkosten spielten nach Aussagen Fankhausers eine Rolle.

Für Urlaub an Nah- und Mittelstreckenzielen müssten Urlauber bei Thomas Cook Reisen und Neckermann 2011 im Schnitt dagegen ungefähr so viel wie in diesem Sommer zahlen – ermöglicht werde dies durch günstigere Einkaufsbedingungen bei Hotels und Fluggesellschaften.

Auf Mallorca sinken die Preise von Thomas Cook Reisen gar um durchschnittlich 2,5 Prozent. Die Preise entwickeln sich ohnehin sehr verschieden. Thailand-Reisen kosten bei Thomas Cook Reisen zum Beispiel zwölf Prozent mehr als 2010. Die Malediven werden um acht Prozent teurer, die USA und Kenia um jeweils sieben Prozent. Kuba dagegen wird um ein Prozent billiger – weil die Verträge dort nicht in Dollar ausgehandelt werden, wie Geschäftsführer Michael Tenzer erklärt.

Alltours hatte jüngst eine Preiserhöhung von durchschnittlich 2,9 Prozent angekündigt. Hier mache die neue Luftverkehrssteuer rund 1,2 Prozentpunkte der Steigerung aus. Auch hier gibt es aber Unterschiede je nach Zielgebiet: Während die beliebten Reiseregionen Ägypten und Kanarische Inseln um drei Prozent und die Türkei um 3,5 Prozent teurer werden, müssen Urlauber für Reisen nach Asien zwei Prozent und nach Mallorca drei Prozent weniger bezahlen. In Griechenland bleiben die Preise auf gleichem Niveau.

   Dass Tui und die Rewe-Pauschaltouristik (ITS, Jahn Reisen, Tjaereborg) ebenfalls die Luftverkehrssteuer an ihre Gäste weitergeben werden, sei absehbar, meint der Tourismusexperte Karl Born von der Hochschule Harz in Wernigerode. „Zunächst werden alle draufschlagen“, sagt Born, „seine Marge will jetzt keiner opfern.“ Ob sich die Erhöhungen langfristig am Markt halten können, sei aber eine ganz andere Frage: „Der Preisdruck kommt ja immer, wenn die Kunden im Saisonverlauf nach Schnäppchen schauen.“

Die von der Bundesregierung beschlossene Luftverkehrssteuer wird bereits erhoben, und zwar für alle Ticketkäufe und Buchungen mit Abflugterminen ab dem 1. Januar 2011. Für Inlandsflüge und kurze Strecken in Europa werden dabei acht Euro je Passagier fällig. Bei Mittelstrecken sind es 25 Euro, bei Langstreckenflügen 45 Euro. Kinder unter zwei Jahren ohne eigenen Sitzplatz sind ausgenommen.

Die Entwicklung der verschiedenen Urlaubsregionen im aktuellen Sommer sieht die Türkei mit steigenden Gästezahlen als deutlichen Gewinner. Das wichtigste Zielgebiet ist aber nach wie vor Spanien, gefolgt von Deutschland, Tunesien, Italien und Griechenland. Auf der Fernstrecke liegt mit der Dominikanischen Republik, Kuba und Mexiko nach wie vor die Karibik vorne. Diese Trends des Sommers 2010 setzen sich in der kommenden Wintersaison fort. Die Türkei legt weiter zu und bestätigt die strategische Ausrichtung von Thomas Cook. Auch Mallorca und die Kanaren verteidigen ihre Position als volumenstarke Winterdestinationen. Ägypten entwickelt sich sehr erfreulich, ebenso wie auf der Fernstrecke die Karibik.

Mit Jugendermäßigungen, Exklusivhotels und hohen Frühbucherrabatten will Deutschlands viertgrößter Reiseanbieter Alltours weiter wachsen. Für das kommende Geschäftsjahr 2010/11 (31.Oktober) rechnet Alltours-Chef Willi Verhuven für die beiden Touristik-Gesellschaften „alltours flugreisen“ und „byebye“ mit insgesamt zehn Prozent Umsatzplus. Die Zahl der Gäste soll um 7,5 Prozent steigen, wie er bei der Vorstellung der neuen Programme sagte. Zur Höhe des erwarteten Gewinns machte Verhuven keine Angaben.

In 70 Hotels bietet Alltours im kommenden Sommer erstmals eine Ermäßigung für Jugendliche bis 17 Jahre von 50 bis 70 Prozent auf den Hotelpreis an. Auch durch Frühbucherrabatte will das Unternehmen Kunden gewinnen. Die Preisvorteile lägen bei bis zu 45 Prozent, hieß es. Punkten will Verhuven auch mit Hotels, die Kunden in Deutschland nur bei ihm buchen können. „Ein Drittel der Alltours-Gäste machte im Sommer Urlaub in Hotelbetten, die Alltours exklusiv auf dem deutschen Markt anbietet“, hieß es. Die Nachfrage steige weiter.

Verhuven kündigte Investitionen in Hotels, Technik und Vertrieb an und verwies auf 110 Millionen Euro Rücklagen, die dies ermöglichten. 2011 will der Unternehmer unter dem Titel „alltours-x“ außerdem in das Geschäftsfeld „dynamische Reisen“ einsteigen. Dabei werden Pauschalreisen angeboten, die kurzfristig auf der Basis von tagesaktuellen Flugpreisen zusammengestellt werden.

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