Mark Brandenburg : Nach Großvaters Rezept

Die kleinste Brauerei Brandenburgs arbeitet in Lübbenau – und schenkt nur dort aus.

Lars Hartfelder[ddp]

Zwei Spaziergänger drücken ihre Nasen an das verschlossene Fenster und schauen Roberto Babben neugierig bei seiner Arbeit zu. Der 39-Jährige ist Bierbrauer und überprüft gerade an einem 500-Liter-Edelstahlfass die Temperatur. Der Lübbenauer (Oberspreewald-Lausitz) arbeitet in der kleinsten Brauerei Brandenburgs. Das Patentamt hat ihm diesen Status mit einer Urkunde bestätigt.

Der Brauer ist auf sich allein gestellt, kümmert sich in dem Ein-Mann-Betrieb um alles. Fast täglich wird er von Touristen beobachtet, die in der kleinen Gaststube oder im Sommer im Biergarten eine Rast einlegen. „Es wird immer wieder nach Führungen gefragt, doch dafür ist die Brauerei viel zu klein“, sagt der Lübbenauer bedauernd.

„Bier wird in Lübbenau immer gern getrunken, vor allem im Sommer“, erzählt Babben. Obwohl sich in Deutschland laut Statistischem Bundesamt der durchschnittliche Pro-Kopf-Bierverbrauch innerhalb der vergangenen zehn Jahre von rund 136 Liter auf 112 Liter reduziert hat, ist die kleine Brauerei in Lübbenau von dem allgemein rückläufigen Trend verschont geblieben. Babben denkt sogar über eine Vergrößerung der Herstellungskapazitäten nach. Doch viel Platz für neue Fässer hat er nicht. Acht Tanks stehen im Kühlraum bereits dicht nebeneinander.

Das Bierbrauen hat in Lübbenau eine lange Tradition. 1670 bekam die Stadt bereits das Braurecht erteilt. 1928 begann der Großvater von Roberto Babben, Erich Babben, auf dem eigenen Grundstück mit dem Bierbrauen. Mit der Verstaatlichung 1974 wurde die Produktion in dem Familienbetrieb eingestellt. Seit 1996 fließt in der Brauhausgasse der Gerstensaft wieder aus den Fässern.

Das Bier wird nicht filtriert und nicht pasteurisiert. Deshalb ist es ein wenig trüber als andere Sorten. „Dafür hat es noch alle gesunden Nährstoffe und einen angenehmen würzigen Geschmack“, sagt der Braumeister. Für die Herstellung verwendet der Lübbenauer die alten Rezepte des Großvaters, nach denen beispielsweise das dunkle „Spezial“ gebraut wird, das in der Region als Babben-Bier bekannt ist. In den Fässern reifen Pils und Weizenbier. Im April setzt Babben immer ein Fass Bockbier an, das in diesem Jahr vom 29. April an ausgeschenkt wird. Für Kinder und andere Freunde von Nichtalkoholischem stellt der Brauer auch regelmäßig Fassbrause her.

Die Arbeit macht Roberto Babben auch nach vielen Jahren noch großen Spaß. „Das Bierbrauen ist ein sehr abwechslungsreiches Handwerk. Bis zum fertigen Produkt sind viele verschiedene Arbeitsschritte nötig.“ Das wichtigste dabei sei die Sauberkeit, darauf achtet der Fachmann stets genau. „Manchmal fühle ich mich wie eine Putzfrau“, sagt der Fachmann und lächelt.

Die zehn größten Brauereigruppen haben in Deutschland einen Marktanteil von 68 Prozent. Mit dem starken Verdrängungswettbewerb, der derzeit auf dem Biermarkt herrscht, hat Babben aber wenig zu tun. Während viele Brauereien in den Export gehen, um überleben zu können, verkauft Babben sein Bier ausschließlich in Lübbenau. Restaurants, Kneipen und die eigene Gaststätte sind die Abnehmer.

Beim Preis kann Roberto Babben zwar nicht mit den Discounter-Bieren mithalten, doch das ist auch nicht sein Ziel. „Die Lübbenauer und die Gäste unserer Stadt schätzen den Erhalt der Tradition und zahlen gern ein paar Cent mehr“, sagt der Besitzer der Privatbrauerei. 1302 Brauereien hat es im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland gegeben. Rund die Hälfte (627) befand sich in Bayern. Brandenburg nimmt in dieser Rangliste mit 15 Brauereien einen der letzten Plätze ein.

Auskunft: Brauhaus und Pension Babben, Brauhausgasse 2, 03222 Lübbenau; Telefonnummer: 03542/2126, Telefax: 03542/872627, E-Mail: mail@babben-bier.de, Internet: www.babben-bier.de

In der Pension stehen vier modern eingerichtete Gästezimmer zur Verfügung, ausgestattet mit Dusche/WC und TV. Eine Übernachtung für zwei Personen im Doppelzimmer kostet inklusive Frühstück und Parkplatz ab 40 Euro. Außerdem gibt es zwei Ferienwohnungen (50 beziehungsweise 75 Quadratmeter groß), ab 55 Euro pro Tag.

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