Marksburg : Perfekt für die Briefmarke

Die Marksburg am Rhein wurde in Asien nachgebaut.

Martin Seger
Marksburg
MarksburgFoto: imago

Michaela Vary steht mit einem großen Schlüssel am Fuchstor der Marksburg. „Wir haben hier eine ganz besondere Wehranlage“, schwärmt sie. „Denn die Marksburg ist die einzige Höhenburg am Mittelrhein, die niemals zerstört worden ist.“ Jeden Tag spaziert die Fremdenführerin mit Gästen durch die mittelalterliche „Festung“ von Braubach am Rhein, um ihnen die schiefergedeckte Gebäudegruppe mit den cremefarben verputzten Wehrmauern, Toren und Ecktürmen, aber auch kleinen Bastionen, Zwingern und einem rund 40 Meter hohen Bergfried zu zeigen.

Vier Tore schützten die Marksburg

„Es gibt allein drei Toiletten-Erker in dieser Burg – das war im Mittelalter schon fast luxuriös“, erzählt Vary. Stolz thront die Marksburg auf einem bewaldeten Bergkegel über der Wein- und Rosenstadt Braubach. Eine vollständige Burgküche ist vorhanden, die Schmiede und die ofenbeheizte Kemenate in der 1231 erstmals erwähnten Bergbefestigung kann besichtigt werden. Die Holzfässer des Weinkellers wirken, als sei der letzte Ritter gerade erst fortgegangen.

„Feinde hatten vier Tore zu überwinden, um in die Burg zu gelangen“, betont Vary. Die wehrhafte Anlage habe im Mittelalter nicht nur als Zollburg am Rhein gedient. Die Burg beschützte auch den ab 1301 urkundlich bezeugten Silberbergbau rund um Braubach. Eine große Verhüttungsanlage vor dem östlichen Stadttor erinnert noch an die Abbauzeit.

Viele zieht es eher zum Inneren Zwinger der Marksburg. „1969 wurde hier der erste botanische Garten mittelalterlicher Nutz- und Zierpflanzen angelegt – mit mehr als 150 Gewächsen vom Liebstöckel bis zum Pestwurz“, erklärt die Gästeführerin an der Zwingmauer. Die Aussicht ist überwältigend: Bis nach Spay und Lahnstein reicht der Blick über das Rheintal. Im Norden sind die blassgelben Türme von Schloss Stolzenfels zu sehen – einem Prachtbau der preußischen Rheinromantik. Und zu Füßen der Marksburg lassen sich die blumengeschmückten Fachwerkhäuser des Braubacher Marktplatzes erkennen.

Die rheinseitige Silhouette der Burg war viele Jahre lang auf einer 60-Pfennig-Briefmarke der Deutschen Post zu sehen. „Das könnte Begehrlichkeiten in Asien geweckt haben“, scherzt Vary. Denn in den 1990er Jahren ist die Marksburg originalgetreu nachgebaut worden – in einem Freizeitpark auf der japanischen Insel Miyako-Jima.“

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