Mecklenburg-Vorpommern : Kultur-Open-Air am Strand

Über 100 verschiedene Theaterstücke, dazu andere bunte Spektakel mit viel Getöse und Feuerwerk. Wo die Urlauber in Mecklenburg-Vorpommern alles gut unterhalten werden.

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Fest im Sattel. Störtebeker auf Rügen ist längst ein Markenzeichen.
Fest im Sattel. Störtebeker auf Rügen ist längst ein Markenzeichen.Foto:promo

In den Ferien hat der Mensch Zeit für Kultur. Theater haben das längst erkannt, und reisen dorthin, wo ihr Publikum schon ist. So macht es auch die Vorpommersche Landesbühne – und zieht vom Stammsitz in Anklam auf die Insel Usedom. Seit 1993, immer zwischen Anfang Juni und Ende August, steht ein Theaterzelt in Heringsdorf. Über 100 verschiedene Stücke werden dort in diesem Jahr geboten, darunter „Obszöne Fabeln“ von Dario Fo, „Was ihr wollt“ nach Shakespeare oder die Komödie „Eine gute Partie“ von Stefan Vögel. Vormittags dürfen die Kleinen Platz nehmen – und staunen über „Schneewittchen“ oder „Pluft, das Geisterlein“.

Passend für die ganze Familie ist das Spektakel um die versunkene Stadt Vineta, das auf der Freilichtbühne in Zinnowitz stattfindet. (23. Juni bis 27. August). Eine Never-ending Story, für die sich die Autoren Jahr für Jahr neue Varianten einfallen lassen. In diesem Sommer geht es um die „Rückkehr der Träumer“ – und den Sieg der Liebe. Die Story wird mit viel Musik, akrobatischen Tanzeinlagen sowie Pyro- und Lichteffekten inszeniert.

Damit auch das Hinterland auf der Insel kulturell etwas herzeigen kann, wurde 2008 die „Hafenbühne“ in der Stadt Usedom eröffnet. In diesem Jahr (ab 8. Juli) wird dort eine „ostalgische“ Geschichte rund um die Verflechtungen eines Parteisekretärs der LPG, einer Genossin der Bezirksleitung und einem Monsignore vom Vatikan präsentiert. Ganz Usedom, so scheint’s, ist im Sommer dabei, sich zur Theaterinsel zu mausern. Denn in Zinnowitz gibt es ja auch noch die fast schon legendäre „Blechbüchse“. Lange Zeit eine Aufbewahrungshalle für Strandkörbe, wurde sie 1997 zur Spielstätte. Vor allem Klassiker werden gezeigt: „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ von Bertolt Brecht zum Beispiel, Goldonis Trilogie einer schönen Ferienzeit oder Carl Sternheims „Die Hose“.

Auf Rügen setzen sie – mit viel Erfolg – auf den Piraten Klaus Störtebeker. Bereits zu DDR-Zeiten, 1959, wurde der Freibeuter bei den „Rügenfestspielen“ publikumswirksam vorgestellt. Fünf Sommer lang wurde das Stück aufgeführt, rund tausend Mitwirkende waren pro Saison in Aktion. Kurz nach der Wende, 1993, wurde die Bühne am Ufer des Großen Jasmunder Boddens wieder- belebt. Die Störtebeker-Festspiele wurden ins Leben gerufen. Vom 18. Juni an können Besucher in dieser Saison das neue Stück „Schatz der Templer“ sehen. Es beendet die Trilogie über das Gold des legendären Freibeuters –und wird bombastisch inszeniert: Vier Schiffe werden eingesetzt, 30 Pferde sind dabei und 150 Schauspieler und Statisten wirken mit.

Aufwärmen fürs Publikum. Was sie sonst noch können, zeigen die beiden Mimen mit ihren Kollegen bis zum 3. September im „Chapeau Rouge“ in Heringsdorf.
Aufwärmen fürs Publikum. Was sie sonst noch können, zeigen die beiden Mimen mit ihren Kollegen bis zum 3. September im „Chapeau...Foto: imago stock & people

Bunte Spektakel mit viel Getöse und Feuerwerk finden immer ihr Sommerpublikum. Und wenn es anspruchsvoller wird? „Wir probieren vorsichtig aus, wie wir das Niveau erhöhen können, ohne den geneigten Zuschauer zu überfordern“, sagt Holger Schulze. Der Schauspieler, Autor und Regisseur bringt gemeinsam mit 20 Schauspielern im Sommer Theaterkultur auf den Darß. Vor neun Jahren hatte man angefangen mit den eher anspruchslosen „Darsser Schmugglern“.

In diesem Jahr wird in Born das „Weiße Rössl“ gespielt (8. Juli bis 26. August). Die Komödie mit vielen bekannten Melodien wird kurzerhand vom Wolfgangsee an die Ostseeküste verlegt. Dabei werden Lieder wie „Was kann der Siegesmund dafür, dass er so schön ist“ auch mal auf Plattdeutsch gesungen. Der Clou: Der Zuschauerraum der Freilichtbühne wird zum Biergarten des „Rössl“, während der Aufführung wird auch serviert.

Regengüssen nimmt Schulze gelassen: Bühne und Zuschauerraum können komplett überdacht werden. Das Publikum soll sich gut unterhalten, doch auch die Schauspieler wollen Spaß haben. In Born gelingt das leicht. Die Mitwirkenden kommen aus allen Teilen der Republik, sogar eine Wienerin ist dabei – und übernachten in Wohnwagen am Ort. „Da haben wir alle einen traumhaften Boddenblick“, freut sich Schulze. Wie die Urlauber eben

Informationen: Störtebeker-Festspiele, Telefon: 03838/31 100, http://stoertebeker.de; Darß-Festspiele, Born, Telefon: 03 82 34/ 504 21, Internet: www.darss-festspiele; Sommertheater auf Usedom (Vineta-Festspiele, Chapeau Rouge etc.), zentrale Telefonnummer: 039 71/20 89 25; Internet: www.usedom.de

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