Reise : Metropolen zum Verlieben

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Dieses Buch schlägt man auf, blättert es kurz durch – und empfindet helle Freude. So sorgfältig und liebevoll ist es gestaltet, mit so vielen ausdrucksstarken Fotos, oft in Schwarz-Weiß, versehen. Rom ist Thema. Und wer glaubt, dass man über diese Metropole nichts mehr schreiben kann, sollte einfach anfangen zu lesen. Pier Paolo Pasolini hielt es so: „Ich trete aufs Gaspedal und verschwinde.“ Das war in einem Winter in den fünfziger Jahren, und damals sah er noch „viel Elend in Rom“, das man im Sommer, „mit der Sonne, den Blue Jeans“, nicht so leicht wahrnahm. Navid Kermani streift durch Roms Kirchen und wundert sich darüber, warum man Gott dort kaum zu fassen bekommt. Johannes Saltzwedel begibt sich auf die Spuren von Wilhelm von Humboldt in der Stadt und Brigitte Schönau erzählt von den Märkten und Speisen der Römer. Anspruchsvollere Köche gibt es nirgends. Einem hört sie zu beim Einkaufen: „Gib mir ein wenig cicoria, aber die echte, wilde, nicht das gezüchtete Zeug. Eier dazu, aber heute morgen frisch gelegt, bitte schön ...“ Und in einem literarischen Kaleidoskop wird klar: All die großen Geister waren doch da. „Ich war auch ein so toller Heiliger, lief durch alle Kirchen und Kluften, glaubte alles, was daselbst erlogen und erstunken war“, haderte Luther. „Alles ist beseelt in deinen heiligen Mauern“, schwärmte Goethe. Und Max Frisch notierte 1960: „Rom ist angenehm, der Papst läßt mich in Ruh.“

So wie Rom werden in der neuen Reihe Corsofolio künftig auch andere Städte wie Paris, Barcelona, Kopenhagen oder Istanbul facettenreich beleuchtet. „Willkommen woanders“ heißt das Motto der Reihe. Wer so ein Buch verschenken will, sollte es schnell einpacken. Sonst gibt er es womöglich nicht mehr her. Liebhaber können sich die Anregungen zum Flanieren gleich im Abonnement bestellen. Acht Ausgaben von Corsofolio kosten 199,60 Euro. Hella Kaiser

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