Reise : Mord mit Abendessen Wer der Polizei wenig zutraut, ermittelt selbst

Christian Schreiber
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Sherlock Holmes. Im Londoner Museum kann man in sein Outfit schlüpfen. Foto: dpa

Meist sind es düstere Orte, an denen Fernseh- und Roman-Kommissare ihre Verbrechen aufklären: in den schäbigen Vierteln von Edinburgh, im wintertrüben Island, in den dunkelsten Ecken Londons. Eigentlich will da keiner freiwillig hinfahren. Und doch gibt es mehr und mehr Trips genau dorthin, wo Massenmörder ihr Unwesen treiben, Auftragskiller unliebsame Konkurrenten aus dem Weg räumen oder Mafia-Clans sich bekriegen. Es liegt im Trend, auf den Spuren von Wallander und Co. zu reisen.

Agatha-Christie-Route: Die Krimi-Autorin kam in Torquay (GB) zur Welt. Ihr zu Ehren gibt es dort ein Museum und eine „Agatha Christie Mile“. Auf der Route können Touristen unter anderem das „Grand Hotel“ besichtigen, in dem sie ihre Hochzeitsnacht verbrachte (www.englishriviera.co.uk). Seit kurzem ist in der Grafschaft Devon auch das Sommerhaus der Autorin zu besichtigen (www.nationaltrust.org.uk).

Tatort-Wanderung: Krimifans können im Sauerland zu einer siebentägigen Wanderung von einem Tatort zum nächsten starten. Die Tagesetappen sind zwischen 15 und 19 Kilometer lang und drehen sich um Tatort-Filme, die Autorin Kathrin Heinrich für die TV-Sendereihe verfasst hat (www.eifelkrimi-wanderweg.de). In Daun (Eifel) gibt es in jedem September ein „Tatort-Krimifestival“, bei dem auch Jazzmusiker Klaus Doldinger auftritt, der die Erkennungs-Melodie komponiert hat (www.tatort-eifel.de).

Blutiges Rom: Ein Mörder zieht eine Blutspur durch Rom und bringt vier Kardinäle um. Was Dan Brown in seinem Thriller „Illuminati“ beschreibt, lässt sich live mitverfolgen. Freilich ohne Morde. In einer vierstündigen Tour erleben Urlauber die Originalschauplätze und erfahren alles über die mysteriösen Orte aus dem Buch (www.illuminatitour.com).

Mörderjagd in Paris: Paris, die Stadt der Liebe – und des Verbrechens. Zumindest hat Georges Simenon seinen Kommissar Maigret dort auf Mörderjagd geschickt. Für Touristen wird eine Führung auf dessen Spuren angeboten. Geleitet wird die Reise von Anna von Planta, Lektorin beim Diogenes-Verlag und ihres Zeichens Maigret-Expertin (www.cultimo.ch).

Selbst Kommissar sein: Ein Wochenende, ein Mord und zehn oder zwanzig (Hobby-)Kommissare. Die Angebote nach diesem Muster mehren sich. Meist sind es Hotels, Burgen oder Schlösser, die für Krimifans einen fiktiven Mord organisieren. Die Touristen rätseln und recherchieren dann selbst, um den Täter zu finden (Beispiel in der Schweiz: www.sauvage.ch; Beispiel in Deutschland: www.genueser-schiff.de; Beispiel in Österreich: www.schloss.wilhelminenberg@austria-trend.at).

Jack-the-Ripper-Tour: Mit Schauspielern stellen Agenturen in London die Verbrechen von „Jack the Ripper“ nach: Das Blut quillt aus dem Hals des Opfers, das verstümmelt am Boden liegt. Extrem hoher Gruselfaktor, besonders im späten Herbst, wenn bisweilen dichte Nebel durch die dunklen Straßen Londons wabern (www.jack-the-ripper-tours.com).

Wallander-Pauschale: Ystad, die Heimatstadt des Mankell-Kommissars, hat gleich ein Paket für Krimifans geschnürt. Für rund 75 Euro gibt es eine Hotelübernachtung, ein Abendessen in Wallanders Lieblingsrestaurant und eine Wanderkarte zu den Schau- und Mordplätzen (www.skane.com).

Bei Sherlock Holmes in London: Besucher des Sherlock-Holmes-Museums können sogar ins Outfit des britischen Detektivs schlüpfen. Lupe, Pfeife und Holmes- Mütze liegen im Arbeitszimmer in dem Haus in der Baker Street bereit. Die Besucher dürfen auch in dem berühmten Sessel vor dem Kamin oder am Schreibtisch Platz nehmen. Im dritten Stock steht der Meisterdetektiv persönlich – als Wachsfigur (www.sherlock-holmes.co.uk).

Kriminelles Island: Bei der Rundreise durch den Inselstaat erschließt sich vermutlich nicht, warum die Mordquote in dem kleinen Land so hoch ist, zumindest in der literarischen Welt. Aber dafür erläutert die Übersetzerin der Indridason-Romane zahlreiche Orte, Schauplätze und Häuser von Island-Krimis aus verschiedenen Federn (www.trolltours.de).

Krimi-Pub in Schottland Inspector Rebus ermittelt im schönen Edinburgh, und dort hat traditionell jeder Einwohner einen Lieblingspub. Der von Rebus heißt „The Royal Oak“ und steht im Zentrum einer Erkundungstour zum Leben des Kommissars aus der Feder von Ian Rankin (www.rebustours.com). Christian Schreiber

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