Nach Fukushima : Ein Land unter Kontrolle

28.08.2011 02:00 UhrVon Rolf Brockschmidt
  • Hoffen auf ausländische Besucher. Junge Japanerinnen im traditionellen Kimono am berühmten Kiyomizu-Dera-Tempel während des Totenfestes in Kioto. - Foto: Rolf Brockschmidt
  • Europäer sieht man zurzeit wenig in Japans quirliger Hauptstadt Tokio – wie hier in der Nähe des Omotesando-Boulevards in Tokio. - Foto: Rolf Brockschmidt
  • Sehr beliebt bei Japans Teenagern ist die Takeshita Dori nahe der Bahnstation Harajuku. - Foto: Rolf Brockschmidt

Nach der Katastrophe in Fukushima meiden Urlauber ganz Japan. Doch Angst ist unbegründet, erfuhren Besucher in Tokio.

Wer dieser Tage nach Japan reist, muss sich viele Fragen gefallen lassen. Ist das nicht zu gefährlich? Die Strahlung? Ist Tokio sicher? Was ist mit dem Essen und dem Trinkwasser? – Die dreifache Katastrophe von Fukushima am 11. März hat vieles verändert, auch das Reiseverhalten der Menschen, vor allem in Europa. Alle Reiseveranstalter hatten volle Auftragsbücher für dieses Jahr, dann kamen die Katastrophe und die Stornowelle. Aber es wurden nicht nur Japan-Reisen abgesagt, auch Reisen nach Korea, Thailand, China. Dass im 25. Jahr des Tschernobyl- Unglücks die Reaktorkatastrophe von Fukushima gerade in Deutschland auf sensible Reaktionen stößt, ist verständlich.

Aber nun sind fünf Monate vergangen, Zeit, Bilanz zu ziehen.

Johannes Frangenberg von JF Tours in Solingen hat es besonders getroffen. Er rechnet in diesem Jahr mit Umsatzeinbußen von 18 Millionen Euro, sein Team aus etwa 40 Japanologen erarbeitet Japan-Reisen für große und kleine Veranstalter auf dem deutschen Markt. Es liegt natürlich in seinem Interesse, dass der Japan-Tourismus wieder angekurbelt wird, aber Frangenberg und andere Veranstalter sind nicht lebensmüde. Nur wegen des Geschäftes würde sich keiner in Gefahr begeben. Frangenberg hat Anfang des Monats mithilfe der Lufthansa und der japanischen Fluggesellschaft Ana sowie der Hotels Hyatt und Westin für seine Kunden eine Solidaritätsreise nach Tokio und Kioto organisiert, um zu zeigen, dass Japan sicher ist und die Japaner nicht vergessen sind.

„Es ist wichtig, dass wir dort Flagge gezeigt haben“, sagt Werner Sülberg, Bereichsleiter Unternehmensentwicklung Marktforschung Touristik der Rewe Group, zu der auch das Deutsche Reisebüro DER gehört. „Japan ist zwar ein kleines Zielgebiet im Vergleich zu Krisengebieten wie Tunesien und Ägypten, und wir haben auch schon Katastrophen in kleineren Zielgebieten gemeistert, etwa in Thailand oder auf den Malediven. Doch für Japan hat die Branche bisher wenig Solidarität gezeigt. Das ist unfair. Japan leidet mit den Hinterbliebenen der 20 000 Toten und Vermissten, das gerät gegenüber der Reaktorkatastrophe oft in Vergessenheit. Ich hoffe, dass es trotz dieser auf den Kopf gestellten Berichterstattung gelingt, dass auch die Reisebranche ihren Beitrag zum Wiederaufbau des Tourismus leistet. Man darf nicht vergessen – das Gebiet im Norden ist touristisch nicht bedeutend.“

Die öffentliche Wahrnehmung weit entfernt von Japan ist das eine, die gemessene Realität das andere. Täglich veröffentlicht die „Japan Times“ eine Strahlungskarte. Demnach hatte am 17. August die Präfektur Fukushima eine Strahlung von 2,56 Mikrosievert pro Stunde, Tokio hingegen eine Strahlung von 0,058 Mikrosievert. Ein Grund, nicht mehr nach Tokio zu reisen? Zum Vergleich: In Berlin wurde am 25. August eine Strahlung von 0,070–0,079 Mikrosievert gemessen – ohne jeden Einfluss auf das Sicherheitsgefühl der Berliner.

Also kann man doch ohne Bedenken nach Japan reisen? „Ich habe mir die Frage gar nicht gestellt“, gesteht Yvonne Gros, Produktmanagerin Asien/China von Dertour, als sie die Einladung zu Frangenbergs Reise bekam. „Die Lufthansa fliegt wieder im vollen Umfang nach Japan, und auch die deutschen Botschaftsangehörigen sind nach Tokio zurückgekehrt. Das waren wichtige vertrauensbildende Maßnahmen.“ Ein Problem sei die Kommunikation. „Dertour bietet nun den Reisebüros neutrale Informationen über die Lage in Japan an, um die vorhandenen Bedenken zu zerstreuen“, sagt Yvonne Gros. Dertour und Meier’s Weltreisen hatten ebenfalls ihr komplettes Sommergeschäft verloren. Das Interesse an Japan sei jedoch nach wie vor in den Reisebüros vorhanden. „Ich finde es wichtig, dass wir sagen können, man kann wieder reisen.“

Lesen Sie mehr über den Beistand für Japan auf Seite 2.

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