Reise : Nach Schwarzwälder Art

Wie das Hotel Bareiss seinen Kultstatus pflegt

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Generationenbund. Hermann Bareiss und Sohn Hannes lieben ihr Metier. Foto: promo
Generationenbund. Hermann Bareiss und Sohn Hannes lieben ihr Metier. Foto: promo

Der Rosenteppich könnte natürlich so eine Art Krönung sein. Gleich 2500 Quadratmeter davon wurden im Zuge der jüngsten großen Renovierung im Hotel verlegt. Und Hermann Bareiss hat ihn selbst entworfen, rote Rosen auf grünem Grund, manche einzeln, manche als Dreierarrangement.

Der Teppich ist vielleicht nicht die Krönung eines Unternehmers, der immer das Maximale wollte, doch sicher ein Symbol für einen Mann, der vorbildhaft wirkt als Patron, der seine Gäste immer auf Rosen betten will. Er trinkt gern mal ein Bier und wirkt eigentlich ganz bodenständig. Die Chronik des Hauses zeigt ihn als rastlosen Unternehmer, der es geschafft hat, gegen die wachsende globale Konkurrenz von Spitzenhotels seinem Haus einen Kultstatus zu verschaffen. Wenn sonntags die treuen Gäste geehrt werden, sind manche darunter, die schon mehr als 50 Mal im Haus zu Gast waren.

Lange hat er gebangt, ob die Söhne das Werk wohl fortführen würden, wollte sie dazu nicht drängen. Seine Hoffnungen haben sich erfüllt. Der ältere Sohn Christian will die Dorfstube bundesweit vervielfältigen. Sie ist das beliebteste Restaurant des Hauses und besteht im Wesentlichen aus einer originalen, sorgfältig restaurierten Südtiroler Bauernküche, in der regionale Spezialitäten wie Linsen und Saitenwürstle serviert werden.

Der zweite Sohn, Hannes, war 29 Jahre alt, als er 2009 gleichberechtigt mit dem Vater an die Spitze des Hauses trat. 29 Jahre alt war auch Hermann Bareiss, als er 1973 die Leitung des Hauses von Mutter Hermine übernahm. Die Gefahr von Konflikten sieht Hermann Bareiss nicht. Mit gegenseitigem Respekt umschiffen er und der Sohn mögliche Klippen, Respekt vor der Erfahrung des Älteren auf der einen und Respekt vor der Kreativität und dem frischen Blick auf der anderen Seite. Hannes Bareiss hat unter anderem in Neuseeland und in der Schweiz gelernt. Heute führt er abwechselnd mit seinem Vater die Gäste zum Morlokhof und erzählt den Gästen von der Geschichte des Hauses. Die Initialen „HB“ sind in Mitteltal omnipräsent, HB für Hermann Bareiss, es könnte aber auch „Hotel Bareiss“ heißen oder eben „Hannes Bareiss“. Hier laufen die Fäden immer wieder zusammen.

Seinen eigenen Vater hat Hermann Bareiss nie bewusst gekannt. Er wurde 1944 geboren, Vater Jakob fiel in den letzten Kriegswochen. Zwei Jahre später übernahm die Mutter Hermine zunächst das Gasthaus Kranz und begann 1950 mit dem Bau des Kurhotels Mitteltal . Seitdem weist die Hauschronik alle paar Jahre neue Aufbauarbeiten aus. Mit der Eröffnung des Hallenschwimmbades, der Sauna und der medizinischen Bäderabteilung markiert das Jahr 1969 einen Meilenstein. Anfang der 80er Jahre kamen die Modeboutique und das Gourmetrestaurant Bareiss hinzu, das schon zum dritten Mal in Folge mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde. Zehn Jahre später wurde aus dem Kurhotel Mitteltal das Hotel Bareiss. Inzwischen waren luxuriöse Penthouse-Suiten hinzugekommen und eine Badelandschaft mit verschiedenen Whirlpools. Im Sommer 2001 kam der Ministerpräsident zum offiziellen Festakt aus Anlass des 50. Geburtstags des Hotels. Fünf Jahre später eröffnete ebenfalls der Ministerpräsident des Landes den Morlokhof, das legendäre Haus der Wunderheiler aus dem Jahr 1789, in dem sogar ein Schatz mit alten Dokumenten und Rezepten entdeckt wurde.

Immer wieder schließen sich Kreise in diesem Haus. Wo gibt es das schon, ein Luxushotel mit eigenem Museum? Wellnessabteilungen haben viele Hotels. Hier kann man eine Aroma-Therapie-Massage ergänzen mit einer einzigartigen Behandlung mit Kräuterstempeln vom Morlokhof, bestehend aus Extrakten von Rose, Rosenblütenblättern, Lavendel, Zitronenmelisse und Brennnessel. Die moderne Fortsetzung der Wunderheilmethoden hilft gestressten Städtern, sich zu entspannen. Moderne Wellness sieht anders aus, als die Kuren der frühen Jahre, weil der Grad an Beschleunigung, mit dem moderne Menschen konfrontiert sind, rasant zugenommen hat. Zur Wellness gehört auch das Vital- Menü mit 1000 Kalorien. Auch an diesem Menü spürt man, dass man in unmittelbarer Nachbarschaft zum Drei-Sterne-Restaurant genießt.

Vielleicht ist das die Krönung für Hermann Bareiss: Dass er mit seiner Heimatliebe Gästen aus vielen Ländern angesteckt hat, so dass sie den Schwarzwald unter modernen Vorzeichen genießen können. Elisabeth Binder

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