NACHRICHTEN : Rabatt für die Revolution

Der „Arabische Frühling“ zwingt die Reiseveranstalter zu neuen Angeboten

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Foto: promo
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Der Freude über die positiven Aspekte des „Arabischen Frühlings“ stehen auch Skepsis und Zurückhaltung gegenüber. Zumindest bei den deutschen Reiseveranstaltern. Die Zahl der Reisenden in die klassischen Urlaubsländer wie Ägypten und Tunesien ist dramatisch eingebrochen, Ziele wie Marokko, Jordanien und Syrien waren im laufenden Jahr bei Interessenten von Studienreisen wenig bis gar nicht mehr gefragt. Und im kommenden Jahr? Peter-Mario Kubsch, Geschäftsführer von Studiosus Reisen in München, äußert sich, wie andere Veranstalter auch, sehr zurückhaltend: „Bei Tunesien sieht es derzeit noch relativ einfach aus. Bei Ägypten und Libyen weiß man über die Zukunft nichts Genaues. Und Syrien ist schlicht eine Katastrophe.“

Diese Unsicherheit kommt allen Veranstaltern gerade jetzt sehr ungelegen: In diesen Wochen werden schließlich die neuen Sommer- beziehungsweise Ganzjahreskataloge 2012 gedruckt und an die Reisebüros ausgeliefert. Da kommt den großen Anbietern von Badeurlaub entgegen, dass die meisten Regionen der arabischen Welt vornehmlich als „Winterziele“ gelten, sie sich mit der abschließenden Planung für die Saison 2012/13 noch etwas Zeit lassen können. Das laufende Wintergeschäft ist ohnehin weitgehend abgeschrieben. Kleine Spezialanbieter und Veranstalter von Studienreisen trifft es da schon härter.

„Uns als Tui Deutschland treffen zwar die Vorgänge in der arabischen Welt, besonders der Geschäftsverlust in Ägypten ist schmerzhaft. Allerdings können wir solche Ausfälle meist durch das Ausweichen auf andere Märkte kompensieren. Doch unser Tochterunternehmen Gebeco als Studienreiseveranstalter hat den Wegfall einer ganzen Reiseregion schon sehr gespürt“, sagt Mario Köpers, Kommunikationschef beim Branchenprimus in Hannover.

Um in relativ unsicheren Zeiten überhaupt Urlauber in einst stark frequentierte Badeziele wie Ägypten und Tunesien zu locken, bleibt nur das Drehen an der Preisschraube. So geht Alltours mit erneuten Preisabschlägen für Tunesien und Ägypten in den kommenden Sommer. Gleichzeitig erweitert der Veranstalter aus Duisburg das Angebot in der Türkei, Griechenland und auf den Kanarischen Inseln. Trotz allem: Auch ein neues ägyptisches Ziel taucht auf: das Wassersportresort Dahab im Süden der Sinai-Halbinsel.

Trotz der Einbrüche auf dem arabischen Markt ist etwa Studiosus wirtschaftlich gesehen mit einem blauen Auge davongekommen. „Unsere Gäste haben beispielsweise verstärkt teurere Rundreisen in Lateinamerika gebucht“, sagt Peter-Mario Kubsch. Angesichts der noch unsicheren Entwicklung im arabischen Raum habe sein Unternehmen für das kommende Jahr die entsprechenden Länder zwar in den Katalogen behalten, allerdings mit dem Vermerk, dass die Abwicklung der Reise nicht garantiert werden könne. „Sollte die Nachfrage spürbar werden, können wir schnell reagieren.“

Auf die Situation im „neuen“ Tunesien haben sich die Münchener bereits eingestellt. Auf Reisen durch das nordafrikanische Land treffen die Gäste zum Beispiel auch auf Menschen, die am Umbruch unmittelbar beteiligt waren, etwa auf Frauen, mit denen sie über die Chancen und Risiken politischer Arbeit im Land sprechen können. Gerd W. Seidemann

Umweltzuschlag im Preis enthalten

Studiosus macht mal wieder den Vorreiter in Sachen Umwelt und schlägt vom kommenden Jahr an auf alle Reisepreise einen Zusatzbetrag zur CO2-Kompensation auf. Der Studienreisen-Spezialist rechnet die Kosten des CO2-Ausstoßes aller Bus-, Bahn- und Schiffsfahrten auf einer Reise aus und schlägt sie auf den eigentlichen Reisepreis auf. Das teilte Peter-Mario Kubsch, Geschäftsführer der Studiosus- Gruppe, zu der auch die Reisemarke Marco Polo gehört, bei der Präsentation der neuen Kataloge für 2012 in Berlin mit. Für eine 23-tägige Fernreise nach China beispielsweise fallen 5,91 Euro an, bei einer Kreuzfahrt-Studienreise entlang der norwegischen Küste summiert sich der Zuschlag auf 44,62 Euro. Das Geld soll in Biogasanlagen in Südindien investiert werden. Zum Thema Kompensation bei Flugreisen gab sich Kubsch reserviert. Der Tourismus komme am Flugzeug nicht vorbei und die Kompensationszuschläge bei weiten Reisen seien so hoch, dass man sich bei einem im Preis integrierten Zuschlag selbst aus dem Markt katapultieren würde. gws

Reisewelt im Berliner Postbahnhof

Mehr als 120 Aussteller der Freizeit- und Urlaubsbranche geben vom 4. bis 6. November im Postbahnhof interessierten Besuchern Urlaubsideen, Tipps für besseres Reisen und locken mit Sonderangeboten – von Wellnessurlaub über Bus-, Individual- und Flugreisen bis hin zu Hotelaufenthalten. Wer sein Bett lieber auf Rädern selbst mitnimmt, findet eine Ausstellung mit Caravans und Wohnmobilen. Kreuzfahrer haben auf der Messe die Gelegenheit, Präsentationen der führenden Reedereien und Veranstalter zu besuchen und sich aus erster Hand kompetent beraten zu lassen. Geöffnet ist die Messe an allen Tagen von 10 bis 18 Uhr, Eintritt fünf Euro, Familien zahlen elf Euro. Mehr im Internet: www.expotecgmbh.de Tsp

Müde Piloten

Deutschlands Piloten stellen sich selbst ein schlechtes Zeugnis aus: Neun von zehn sagen, aufgrund von Übermüdung „schon einmal einen Fehler gemacht zu haben“. Und 14 sind deswegen „bereits beinahe oder sogar tatsächlich in einen Zwischenfall verwickelt gewesen“. Zudem schliefen 36 Prozent der Flugzeugführer im Dienst unterwegs „schon einmal vor Erschöpfung unbeabsichtigt ein.“ Die Pilotenorganisation Vereinigung Cockpit (VC) erneuert mit diesen Zahlen – nun ermittelt bei einer Umfrage unter 6500 aktiven Piloten – ihre erstmals im Februar vorgetragene Sorge, dass die von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) vorgeschlagene neue Flugdienstzeitregelung eine „Gefahr für die Flugsicherheit“ darstellt. Diese Meinung teilen mehr als 90 Prozent der jetzt befragten Piloten. Wird die Regelung – sie sieht Flugdienstzeiten tagsüber von bis zu 14 Stunden und nachts von bis zu zwölf Stunden vor – durchgesetzt, komme es zum „größten Sicherheitsrückschritt in der Geschichte der europäischen Luftfahrt“. tdt

Tiefkühlschock für Wirte

Frankreichs Gastronomen schlägt ein neues Gesetz schwer auf den Magen. Es schreibt vor, dass auf Speisekarten künftig zu stehen hat, wenn in der Küche auch Fertigprodukte und Tiefkühlkost verwendet werden. Die Wirte fürchten nun, dass sie damit ihre Kundschaft irritieren – und argumentieren, Tiefgefrorenes sei oft besser als frische Ware. Auch verweisen sie auf ihre günstigen Preise: Nur durch den Einsatz industriell gefertigter Produkte blieben Menüs erschwinglich. Nun hofft die Branche, deren „Repas gastronomiques des Francais“ – „Gastronomisches Mahl der Franzosen“ – zum immateriellen Weltkulturerbe der Unesco gehört, auf den Senat: Frankreichs Oberhaus muss das Gesetz noch bewilligen. tdt

Weniger Bordtoiletten

Ryanair hält an ihren Plänen zur Reduzierung der Bordtoiletten fest. Für die Benutzung der stillen Örtchen werde man zwar nicht wie geplant kassieren, doch zugunsten sechs weiterer Sitze auf zwei der drei Bordtoiletten in den Boeing 737-800 verzichten. Die Flugtarife auf den im Schnitt nur eine Stunde dauernden Flügen könnten dann um fünf Prozent sinken. tdt

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