NACHSCHLAG : Die Schlacht war gestern Morgens mal mexikanisch

Heute spielt das Kulinarische an Bord weiter eine große Rolle – oft auf höchstem Niveau.

Franz Neumeier
Show-Kochen an Deck. Auch am Buffet geht’s (meist) gesittet zu. Foto: dpa/tmn
Show-Kochen an Deck. Auch am Buffet geht’s (meist) gesittet zu. Foto: dpa/tmnFoto: picture alliance / dpa-tmn

Eine Kreuzfahrt ohne gutes Essen und mondäne Dinnerevents ist für Viele nahezu unvorstellbar – von den ersten Anfängen der Kreuzfahrt bis heute. Deshalb ist es doch etwas überraschend, wenn sich ausgerechnet das Thema „Restaurants an Bord“ gerade zu einem wichtigen Trend in der Kreuzfahrt entwickelt. Starköche und Kochkurse an Bord hier, neue und immer mehr Spezialitätenrestaurants dort – eine Schlacht am Büfett ganz anderer Art. Die Kreuzfahrtreedereien brezeln sich kulinarisch immer stärker auf.

Sieht man genauer hin, ist dieser kulinarische Trend gar nicht so sehr überraschend. Studien zeigen, wie wichtig den Passagieren gutes Essen an Bord nach wie vor ist, und Reedereien stellen fest, dass sie mit immer besseren und ausgefalleneren kulinarischen Ideen die Kunden an sich binden und mit dem Etablieren gefragter Restaurants sogar die Kreuzfahrtpreise der so ausgestatteten Schiffe erhöhen können.

Nach einer aktuellen Studie, die das Fachblatt „Touristik Aktuell“ gemeinsam mit der Fachhochschule Worms erstellt hat, stellt das „Gastronomieangebot für mehr als zwei Drittel aller potenziellen Kunden ein entscheidendes Buchungskriterium dar“. Die Empfehlung der Studie für die Reisebüros und Reedereien lautet daher: „Die Darstellung des kulinarischen Angebotes sollte im Marketing einen hohen Stellenwert einnehmen.“ Konkret: 73,7 Prozent der befragten Kreuzfahrtexperten in Reisebüros deutschlandweit beantworteten die Frage „Beeinflusst das Gastronomieangebot an Bord die Buchungsentscheidung?“ mit einem Ja.

Eine repräsentative Studie unter potenziellen und tatsächlichen Kreuzfahrturlaubern von Management Consult im Auftrag des Deutschen Reiseverbands (DRV) untersuchte unter anderem die Bedeutung der Kriterien bei der Auswahl einer Seereise. Von 21 Merkmalen liegen „qualitativ hochwertige Mahlzeiten“ auf Rang 5, lediglich übertroffen von „interessante Reiseroute“, „freundliche und hilfsbereite Mitarbeiter“, „großzügige Kabinen“ und „vielfältige Landausflüge“. Die Bedeutung des Reisepreises folgt – wenn auch knapp – dahinter auf Platz 6. Auf Platz 9 wird dann noch das Kriterium „große Restaurantauswahl“ angegeben.

Dieselbe Studie zeigt übrigens auch, dass die Erwartungen der Reisenden in Sachen „Qualität der Mahlzeiten/Essen“ und bei der „Restaurantauswahl“ auf Kreuzfahrtschiffen deutlich besser erfüllt werden als bei vergleichbaren Urlauben an Land.

Freilich setzen die Reedereien den Trend zu mehr und ausgefalleneren kulinarischen Erlebnissen an Bord ihrer Schiffe ganz unterschiedlich um. Während auf Schiffen, die den Massenmarkt bedienen, in den zuzahlungsfreien Hauptrestaurants schon seit längerem kräftig gespart wird – Scampi ersetzen den Hummer, Filetsteaks werden nur noch gegen Aufpreis serviert –, gibt es gleichzeitig immer mehr zuzahlungspflichtige Spezialitätenrestaurants an Bord. Das Prinzip: Den Grundpreis für die Kreuzfahrt möglichst niedrig halten und den so entstehenden Umsatzverlust mit kostenpflichtigen Extras an Bord ausgleichen.

Zwar sprechen die Reedereien oft davon, dass die Zuzahlung gerade einmal die Kosten für die teureren Lebensmittel in den Spezialrestaurants decke, doch angesichts der immer größeren Flächen an Bord, der immer breiteren Vielfalt an Restaurants von italienisch und französisch über Sushi und Teppanyaki bis zum Steakhaus spielt der zusätzliche Umsatz an Bord offenbar doch eine nicht ganz unerhebliche Rolle dabei.

Im Luxussegment übertrumpfen sich die Reedereien dagegen mit immer noch exklusiveren und vielfältigeren Restaurants, die in der Regel im Reisepreis inbegriffen sind. Hier geht es vor allem darum, die anspruchsvolle und einen saftigen Preis zahlende Klientel zufriedenzustellen und bei ihnen erst gar nicht den Gedanken aufkommen zu lassen, das nächste Mal vielleicht auf einem Schiff der Konkurrenz mitzufahren, die mit noch mehr Sterneköchen, noch exklusiveren Restaurants, noch feineren Dinneretablissements an Bord wirbt.

Interessant: Selbst auf Kreuzfahrtschiffen trifft man auf moderne Ernährungs- und Küchentrends wie regionale, landestypische Gerichte, gesunde und leichte Küche und sogar Nachhaltigkeit immer häufiger. Trotzdem: Der Spaß am sündigen Schlemmen und Genießen ohne schlechtes Gewissen ist für die meisten Passagiere nach wie vor einer der wichtigsten Aspekte einer Kreuzfahrt. Allenfalls werden die Fitnesseinrichtungen an Bord genutzt, oft wird jedoch die Zeit des Darbens der Figur wegen in die Wochen nach der Kreuzfahrt verschoben.

Wir haben die Neuerungen der Reedereien einmal genauer angeschaut und zusammengestellt, was sich im Bereich Spezialitätenrestaurants und beim kulinarischen Angebot in jüngster Zeit getan hat. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt die Liste allerdings nicht.

Aida: Interaktive Speisekarten per iPad in den Spezialitätenrestaurants Rossini und Buffalo Steakhouse, Pizza-Lieferservice auf die Kabine (gegen Gebühr, auch Wein wird geliefert).

Carnival Cruise Line: Neu im Rahmen der „Fun Ship 2.0“-Schiffsrenovierungen: Blue Iguana Cantina (mexikanisch, morgens und mittags), Guy Fierys „Burger Joint“ (Burger) – beide zuzahlungsfrei.

Celebrity Cruises: Qsine (experimentelle, asiatisch angehauchte Küche), Lawn Club Grill (Grillrestaurant, bei dem sich die Passagiere auch selbst etwas braten können) – beide zuzahlungspflichtig.

Cunard Line: Golden Lion Club (englischer Pub, mittags) der „Queen Mary 2“ wurde renoviert und erweitert – zuzahlungsfrei.

Disney Cruise Line: Remy (französisch, Menü von Zwei-Sterne-Koch Arnaud Lallement) – zuzahlungspflichtig.

Hapag-Lloyd Kreuzfahrten: Restaurant Dieter Müller („Europa“) – zuzahlungsfrei; Kochschule („Europa 2“).

Holland America Line: Neue Menüs des neu ins Leben gerufenen Culinary Council mit bekannten Köchen wie Rudi Sodamin, Charlie Trotter, Jacques Torres, Marcus Samuelsson, David Burke und Jonnie Boer; auf zahlreichen Kreuzfahrten bieten Spitzenköche kulinarisches Zusatzprogramm an Bord.

MSC Kreuzfahrten: Gourmetkreuzfahrten mit Sternekoch Kolja Kleeberg, Weinkreuzfahrt mit der Associazione Italiana Sommeliers, eine Kreuzfahrt mit Kochkursen mit Palma D’Onofrio von La Prova del Cuoco – Die Kochschule.

Norwegian Cruise Line: Pizza-Lieferservice (5 Dollar Liefergebühr), Dinnerevent „Chef’s Table“, Dinnershow „Spiegel Tent“ – beide zuzahlungspflichtig; angekündigt für die „Breakaway“ und die „Getaway“: Ocean Blu (Seafood), mehrere Restaurants mit Tischen innen und außen an der neuen „Waterfront“.

Oceania Cruises: Kulinarische Landausflüge mit den Bordköchen zu lokalen Märkten; Bon Appétit Culinary Center Kochschule zum Mitmachen, unter anderem marokkanischer, peruanischer und asiatischer Gerichte.

Princess Cruises: Erweiterung der Alfredo’s Pizzeria um individuell zusammengestellte Pies.

Deilmann: Gourmetreisen mit den Sterneköchen Kevin Fehling, Michael Kammermeier und Christian F. Grainer, Kochkursen und kulinarischen Landausflügen.

Regent Seven Seas: Restaurant Sette Mari (italienische Küche, teils open air – zuzahlungsfrei).

Royal Caribbean: Saisonale Menüs von Miamis Spitzenkoch Michael Schwartz im 150 Central Park mit regional von kleinen Farmen rund um Miami bezogenen Zutaten – zuzahlungspflichtig; familienfreundliches Programm „My Family Time Dining Option“.

Silversea Cruises: Kochkurse in Kooperation mit der Kochschule Relais & Chateaux L’Ecoles des Chefs.

Tui Cruises: Regelmäßig wechselnde, deutsche Spitzenköche kreieren die Menüs für das Gourmetrestaurant Richards – Feines Essen.

Windstar Cruises: Neuer Fokus auf regionaler Küche und dazu passende Landausflüge in der Karibik.

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