Qasr al Sarab Resort : Palast der Fata Morgana

Auch das Qasr al Sarab Resort ist nur ein Hotel. Doch es liegt inmitten der größten Sandwüste der Welt. Die Lage mitten im Nirgendwo macht es zu etwas Besonderem.

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Ohne ein Falaj, ein Bewässerungssystem, gespeist aus einer Quelle, wäre in der Wüste das schickste Hotel nicht zu unterhalten. Foto: promo
Ohne ein Falaj, ein Bewässerungssystem, gespeist aus einer Quelle, wäre in der Wüste das schickste Hotel nicht zu unterhalten....

In diesem Text werden fortan die Begriffe „Oase“, „Fata Morgana“ und „Taudendundeine Nacht“ so gut wie nicht mehr auftauchen, und das ist verdammt schwer. Denn wie lässt sich ohne diese millionenfach totgeschriebenen Klischees beschreiben, was dort drunten in der Wüste, 150 Kilometer südlich von Abu Dhabi City, im vergangenen September eröffnet wurde?

Auch das Qasr al Sarab Resort ist nur ein Hotel. Doch schon die Lage mitten im Nirgendwo macht es zu etwas Besonderem. „Empty Quarter“ heißt die Region im Grenzgebiet zwischen Abu Dhabi, Oman und Saudi-Arabien, dort erstreckt sich die Rub al Chali, die größte Sandwüste der Welt; mittendrin liegen weit verstreut die Liwa-Oasen, aus denen die Herrscherfamilien von Abu Dhabi und Dubai stammen. Das Geld für den Bau des Hotels kommt überwiegend von ihnen, zweifellos eine Reverenz an die Heimat, in der sie einst als Beduinen lebten.

Sand also. Nichts als Sand. Kaum ist die Autobahn verlassen, öffnet sich die Weite. Ein paar Orte, ein viel besuchtes Luftfahrtmuseum; eine getrennte Lastwagenpiste sichert die Versorgung der Emirate mit Bausand. Dann nur noch Dünen und Kamelherden. Nach knapp zwei Stunden auf einer rekordverdächtig geraden und monotonen Asphaltpiste erscheint Hameem, ein Kaff mit ein paar Häusern, Geschäften und der vielleicht entlegensten Tankstelle der Welt. Und die Straße hinter dieser Tankstelle führt links in die Dünen. Nach weiteren zwölf, diesmal sehr geschwungenen Kilometern ist das Hotel erreicht, liegt da wie eine Wüstenfestung.

Hinter dem burgartigen Hauptgebäude mit großzügiger Halle und Bibliothek zieht sich das weitläufige Gelände einen sanften Hang hinunter, dort liegen vor allem die privaten, mit kleinen Pools ausgestatteten Villen und, weit draußen, ein separierter Bereich mit zentralem Gebetsraum, der muslimischen Gästen, vor allem der Herrscherfamilie, vorbehalten ist. Die Regierung hat schon hier getagt.

Das Management liegt in den Händen der thailändischen Anantara-Gruppe, die für ausgefeilte Wellness- und Spa-Kultur steht. Das Wasser dafür muss von weit her gepumpt werden – Mangel ist nicht einmal andeutungsweise erkennbar. Die gerundete, großflächige Badelandschaft entspricht den Erwartungen an luxuriöse Urlaubshotels weitweit. Überall auf dem Gelände sprudeln kleine Brunnen, und zu den Villas, die es in verschiedenen Versionen mit ein, zwei oder drei Schlafzimmern gibt, gehören ohnehin eigene kleine Pools, dazu Butlerservice rund um die Uhr und andere dem Preisniveau entsprechende Schmankerln.

Den Architekten ist es nicht nur gelungen, die Anlage als friedliches Fort ohne nennenswerte Stilbrüche in den Wüstensand zu setzen; auch drinnen überzeugt die Stilistik, ein Amalgam aus arabischen und internationalen Elementen, ganz und gar auf Komfort ausgerichtet. Große Flachbildfernseher, Wlan, ausgefeilte Lichttechnik, großzügige Sanitäranlagen sind selbstverständlich. Sollte ein Gast Urlaub in der Wüste mit dem Wohnen im Zelt gleichsetzen, wird ihm auch das ermöglicht, aber es wäre der denkbar größte Gegensatz zur offensiv luxuriösen Aura des gesamten Komplexes. Nichts stört, selbst die Hotellogistik einschließlich der Wohnungen für die Beschäftigten wurde diskret hinter die nächste große Düne gezaubert, fast eine eigene Kleinstadt.

General Manager des Hotels ist der weit herumgekommene Franzose Didier Tourneboeuf. Auch Küchendirektor Eric Martinet und Nicolas Herbault, der Chef des Dachgartenrestaurants „Suhail“, stammen aus Frankreich – dennoch ist es verblüffend, mit welchen Produkten sie hier jonglieren dürfen. Langustinen und Jacobsmuscheln kommen direkt aus Guilvinec in der Bretagne, und sie schmecken, als läge das um die Ecke. Es werden Wagyu-Rind und geangelte Seebarsche verarbeitet, sogar die Desserts verblüffen – allenfalls könnte man einen deutlicheren arabischer Einfluss vermissen, der aber in den anderen, einfacheren Restaurants des Hauses geboten wird. Die prätentiösen, mit großen Namen protzenden Hotelküchen von Abu Dhabi und Dubai können jedenfalls nicht mithalten.

Blick in den Innenhof des Wüsten-Resorts Qasar al Sarab. Foto: promo
Blick in den Innenhof des Wüsten-Resorts Qasar al Sarab. Foto: promo

Wer hier die Wüstenstille genießen will, der hat jedoch ein Problem: Das auf dem Gelände allgegenwärtige Wassergeplätscher übertönt sie. Ausweg könnte ein Ausflug in die Umgebung sein. Dort ist: nichts. Und das macht ihren Reiz aus. Das Hotel hält eine Flotte von vierradgetriebenen Fahrzeugen bereit, in denen die jungen Fahrer jeden Stil zwischen Familienausflug und Wüstenrallye anbieten. „Toyota hat die Entwickler aktueller Allrad-Modelle hergeschickt“, berichtet der coole Wassim, „und wir haben ihnen ein paar Tricks gezeigt.“ Das klingt glaubhaft, denn so souverän wie er können nur Profis die steilen Dünenhänge hinunterdriften. Wer aussteigt, der merkt: Ob er in einem Haufen versinkt oder nach wenigen Millimetern von hartem Boden gebremst wird, ist praktisch nicht zu erkennen, das macht das Fahren nicht einfacher.

Am Ziel irgendwo im Nichts angekommen, verwandelt sich Wassim in einen höflichen Oberkellner und packt einen üppig beladenen Picknickkorb aus, in dem nichts fehlt. Wein? Champagner? Auch das ist kein Problem, nur muss der Gast, wir sind in Arabien, selbst Hand anlegen, um die gut gekühlte Flasche zu öffnen und einzuschenken. Pünktlich gegen sechs plumpst die Wüstensonne in den Sand, das magische Licht verlischt und die Stille wirkt noch etwas stiller – sieht man davon ab, dass Wassim nicht der einzige Fahrer ist, der hier draußen den Hotelgästen die Wüste zeigt.

Nach einer solchen Tour wirkt das Hotelareal im Dunkel umso einladender. Die Sicherheitsleute bleiben diskret im Schatten, Golfkarren huschen mit Gästen und Gepäck zwischen Villas und Empfang hin und her. Man ist der Gnade des Hotels und seiner Preislisten ausgeliefert ... Qasr al Sarab heißt übrigens angeblich so viel wie „Palast der Fata Morgana“. Da ist der Begriff dann doch noch einmal. Wäre schade gewesen, ganz auf ihn zu verzichten.

Mehr dazu im Internet unter: http://qasralsarab.anantara.com

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