Reise : Namibia: Das Geschäft mit der Jagd

Die riesigen Hörner der Säbelantilope tauchen plötzlich aus dem dichten namibischen Busch auf. Der Mann mit dem Gewehr zielt, das Tier sinkt zu Boden, ein einziger Schuss hat es getötet. Nach altem Brauch rupft der Jagdführer einen kleinen Zweig aus dem Gebüsch, tunkt ihn in das Blut des Tieres und gibt ihn dem deutschen Touristen. „Waidmanns- heil!“, sagt der Jagdführer, „Waidmanns- dank!“, antwortet Dieter Weiler und steckt den Zweig an seinen Hut. „Ich komme gerne nach Namibia zum Jagen, weil hier die Ethik der Jagd hochgehalten wird und ich auch Deutsch sprechende Berufsjäger buchen kann“, sagt der Hobby-Jäger aus der Nähe von Berlin.

In vielen anderen Ländern ist es undenkbar, Tiere nur zum Vergnügen zu töten. Namibia aber vertritt eine pragmatische Haltung: Wenn einige wenige Tiere für viel Geld sterben, kann dieses Geld für den Schutz der übrigen eingesetzt werden. Die Trophäenjagd bringt dem südafrikanischen Land jährlich zwei Milliarden Namibia-Dollar (rund 200 Millionen Euro) ein – ein wichtiger Bestandteil der namibischen Tourismusbranche.

Doch die Jagd in Namibia ist streng reguliert. Die 400 Mitglieder des Jagdverbandes Napha sind einem strikten Kodex verpflichtet. Die meisten „Jagdkunden“, wie sie in Namibia genannt werden, kommen aus Deutschland und aus den USA, in jüngster Zeit nimmt die Zahl der Hobby-Jäger aus Osteuropa zu.

Manche Farmer züchten eigens Wildtiere, um sie dann jagen zu lassen. „Viele Viehbauern kombinieren die Wildtierzucht mit der Trophäenjagd“, sagt Ben Vermeulen, der eine Farm 120 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Windhuk besitzt. „Ich selbst habe keine Jagdlizenz, aber ich erlaube den Führern mit ihren Jagdtouristen bei mir sorgfältig ausgewählte Tiere zu schießen. So verdiene ich noch extra was dazu.“ Der Farmer Peter Clausen hat sich auf seiner Okosongoro Safari Ranch 280 Kilometer nordwestlich von Windhuk ganz auf Wildtiere spezialisiert. Vor kurzem hat er für fast zwei Millionen Namibia-Dollar ein neues Gehege angelegt, in dem er sogar Giraffen halten kann. Die Tiere verkauft er auf Auktionen, von denen es nur zwei oder drei pro Jahr im ganzen Land gibt. „Von den 270 Tieren, die angeboten wurden, haben wir über 90 Prozent verkauft“, berichtet Clausen vom Erfolg seiner jüngsten Auktion. Clive Gardener ist eigens aus Südafrika nach Namibia geflogen, um hier Wildtiere zu kaufen. „Die Qualität des Wildes ist hervorragend.“

Auch Gemeinden haben das Geschäft mit den ausländischen Jägern für sich entdeckt. „In vielen Fällen ist die Trophäenjagd die Haupteinkommensquelle für diese entlegenen Gemeinden“, sagt Leon Jooste, der stellvertretende Minister für Umwelt und Tourismus. 200 000 der knapp zwei Millionen Namibier profitierten davon. Und deutsche Jäger wie Dieter Weiler.

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