Niedersachsen : Lust auf Streiche

Wilhelm Busch und sein Freund – Vorbilder für „Max und Moritz“. In Ebergötzen wird an sie erinnert.

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Der Mühlenbach plätschert noch immer, auch das Mühlrad dreht sich genauso wie zu der Zeit, als Wilhelm Busch im nahe gelegenen Pfarrhaus von Ebergötzen wohnte. Die Mühle, die der „Ur-Vater des Comics“ in seiner Bildergeschichte „Max und Moritz“ verewigt hat, gehörte damals dem Vater seines besten Freundes Erich Bachmann. Gespielt haben Erich und Wilhelm darin oft – wenn sie nicht gerade die Nachbarschaft aufgemischt haben. Die beiden waren nicht eben sozial angepasste Musterschüler. Für Wilhelm Busch waren es jedoch die schönsten Jahre seines Lebens. Heute ist die Mühle in Ebergötzen im südlichen Niedersachsen ein Museum und erinnert dabei an den vor 100 Jahren gestorbenen Künstler mit den vielen Talenten.

Der Mühlenbach entspringt nur wenige Kilometer entfernt im Göttinger Wald. Wilhelm Busch stammte eigentlich nicht aus der Gegend: Geboren wurde er 1832 in Wiedensahl, einem Dorf nicht weit von Hannover, wo seine Eltern einen Kramladen hatten, mit dem sich keine Reichtümer verdienen ließen. „Als ich neun Jahre alt geworden – 1841 – beschloss man, mich dem Bruder meiner Mutter in Ebergötzen zu übergeben“, notierte der Zeichner, Maler und Autor später. Sein Onkel war Pastor und bereit, sich um den aufgeweckten Jungen zu kümmern, der in der Schule bis dahin wenig Spaß und viel Ärger hatte.

In Ebergötzen gab es endlich keine Prügel mit dem Rohrstock mehr. Dafür lernte Wilhelm Busch dort seinen besten Freund kennen: Erich Bachmann. Der war genauso alt wie er, genauso aufgeweckt und hatte die gleich Lust auf das, was man damals Streiche nannte. „Max und Moritz“, die Bildergeschichte über die zwei bösen Buben, die am Schluss in der Mühle ein schlimmes Ende nehmen, ist durch die gemeinsamen Erlebnisse inspiriert worden. In Ebergötzen hat der Teenager Wilhelm Busch – gefördert von seinem Onkel – auch mit dem Zeichnen begonnen.

Porträts von Busch und Bachmann legen nahe, dass sie Vorbilder für Max und Moritz waren, auch was den Gesichtsschnitt und die Frisur angeht. Wilhelm Busch hat allerdings immer wieder betont, dass die Geschichten um die Hühner der Witwe Bolte oder die explodierende Pfeife von Lehrer Lämpel nicht autobiografisch seien. Zumindest den Schneider gab es wirklich und auch den schmalen Steg, über den er in sein Haus gehen musste – der Rest der Geschichte ist frei erfunden.

Bachmann war später Bürgermeister in Ebergötzen, Wilhelm Busch kam auch als Erwachsener noch oft zu Besuch. Dann plauderten die beiden bei Pfälzer Rotwein bis tief in die Nacht. Das Zimmer, in dem sie zusammensaßen, ist wieder eingerichtet wie damals. Sogar zwei Weingläser stehen auf dem Tisch, daneben liegt eine Pfeife. Wilhelm Busch, selbst Kettenraucher, bevorzugte allerdings Zigarren.

Bei Führungen durch die Mühle wird das 19. Jahrhundert wieder lebendig: Die Sackklopfmaschine ist da zu bestaunen, die die Müllergesellen brauchten, um an den letzten Rest Mehl zu kommen. Und auch eine beachtliche Sammlung an Mausefallen gibt es – schließlich lockt Korn die Mäuse an, was die Müller nicht freut.

Gestorben ist das Multitalent Busch vor 100 Jahren, am 9. Januar 1908, in Mechtshausen, einem weiteren Ort in der niedersächsischen Provinz. An den Lebensabschnitt zwischen Pfarrhaus und Wassermühle hat er sich immer besonders intensiv erinnert: „Kein Dorf ist mir vertrauter als Ebergötzen“, hat er einmal geschrieben – ein großes Kompliment für das kleine Nest, in dem er nur wenige Jahre lang gewohnt hat.

Auskunft: Wilhelm-Busch-Mühle, 37136 Ebergötzen; Telefon: 055 07 / 71 81; Winterpause bis zum 14. Februar

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