Abenteuer : Im Auge des Sturms

Einmal etwas Besonderes erleben. Etwas, das man nicht so schnell vergisst und wovon man noch lange erzählen kann. Wer den Urlaub als Mutprobe begreift, findet verrückte Ziele in aller Welt. Billig sind sie nicht

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Verwegene, ja verrückte Urlaubsideen gibt es viele – die einen sind unglaublich, andere sogar gefährlich. Und es gibt sogar Zeitgenossen, die solche Reisen unternehmen. Nicht nur das, diese waghalsigen Globetrotter erleben nicht nur etwas, sondern sie überleben sogar, um darüber zu berichten. Etwa auf Internetportalen wie HolidayCheck.de, wo sonst lediglich „normale“ Urlaubshotels beschrieben und von den Nutzern bewertet werden.

Eisbrecherfahrt (Finnland)

Wer in den Norden Europas aufbricht, gehört noch nicht zu den verwegenen Urlaubern. Auch die Exotik hält sich durchaus in engen Grenzen. Gleichwohl ist auch dort mit Aufregung zu rechnen – wenn man sich für eine Fahrt mit einem Eisbrecher entschließt. Dabei durchquert der Reisende zu gegebener Jahreszeit die zugefrorene Ostsee und hat zwischendurch die Möglichkeit, in den vereisten Gewässern schwimmen zu gehen. Am nördlichsten Punkt des Bottnischen Meeres liegt Kemi, eine der größeren Städte Finnlands. Von hier aus fährt jedes Jahr der Eisbrecher „Sampo“ in die gefrorene Ostsee. Durch meterdickes Eis schieben die 8800 PS das 75 Meter lange Schiff. Auf der 40 Jahre alten „Sambo“ stehen 150 Passagierplätze zur Verfügung. „Ein absolut einmaliges Erlebnis“, berichtet eine Besucherin des Urlaubsportals.

Tornado-Safari (USA)

Jahr für Jahr schlagen Wirbelstürme eine Schneise der Zerstörung durch den Mittleren Westen der USA und bringen Menschen um Haus und Hof. Trotz des Schreckens, den diese Stürme verbreiten, finden sie immer mehr Menschen so faszinierend, dass sie im Urlaub auf Tornadojagd gehen. Seit Jahren ist das Unternehmen Thunderbolt Tours im Geschäft und verspricht allen, die das verheerende Spektakel einmal aus der Nähe sehen wollen, die „Erfahrung ihres Lebens“. In den USA gibt es eine Reihe von Anbietern, die mit allerlei technischem Gerät versuchen, die Naturphänomene exakt vorherzusagen und entsprechend schon an Ort und Stelle zu sein, wenn das Inferno beginnt. Der zweifelhafte Spaß ist indes keineswegs billig: Zwischen 500 am Tag und 3000 Dollar pro Woche kostet der Blick in das Auge des Sturms. Das heißt: Eine Garantie wird nicht übernommen.

All-Expedition (USA)

Eine 200 000 Dollar teure und (wenn alles schiefgeht) vielleicht einmalige Erfahrung ist eine Reise in den Weltraum. Wer im kommenden Jahr vom Spaceport America (New Mexico) aus mit von der erlesenen Partie ist, jagt mit mehr als zweifacher Schallgeschwindigkeit in Richtung All. 100 Kilometer über der Erde, wo die Atmosphäre aufhört und der Weltraum beginnt, wartet die Schwerelosigkeit als großes Erlebnis. Virgin Galactic – die Raumfluglinie des britischen Abenteurers und Multiunternehmers Richard Branson – hat die ersten 350 Buchungen bereits vorliegen. Darunter sollen auch Deutsche sein.

Vulkan-Surfen (Nicaragua)

Der 160 Jahre alte aktive Vulkan Cerro Negro, der jüngste Nicaraguas, bietet Abenteuerlustigen ein Erlebnis der besonderen Art: Da Vulkanasche eine ähnliche Konsistenz hat wie Schnee, kann man mit einer Art Schlitten den glatten, steilen Vulkan hinunterrauschen. Dabei erreichen die Brettlrutscher Geschwindigkeiten von bis zu 90 Stundenkilometer. Also, wer’s braucht: Es ist ziemlich heiß, sehr staubig und etwas Furcht einflößend. Bis auf die Anreise allerdings völlig gratis.

Gratwanderung (China)

Der Hua Shan gilt als König der fünf heiligen Berge des Landes. Auf den Gipfel führt ein Wanderweg, den es zu bezwingen gilt. Das hat seine Tücken und in den zurückliegenden Jahren manchen das Leben gekostet. In die teils senkrecht in den Himmel ragenden Felswände wurden Stufen gehauen, dubiose Holzstege gebaut und Ketten befestigt. An diesen ziehen sich jedes Jahr Tausende von Besuchern herauf. Offenbar ist das größte Problem, dass häufig zu viele Menschen gleichzeitig auf den Berg hinaufwollen. Dabei kommt es oft zum Stau. Und wenn einer ins Straucheln gerät und rückwärts fällt – unschwer vorzustellen, was passiert.

„Teufels-Schwimmbad“ (Zentralafrika)

Die Victoriafälle im Grenzgebiet von Sambia und Simbabwe werden auch gern als „Rauch, der donnert“ bezeichnet. Auf einer Breite von fast 1700 Metern stürzen sich die Fluten des Sambesi bis zu 108 Meter tief in eine nur etwa 50 Meter breite Schlucht. Rund zehn Millionen Liter Wasser pro Sekunde rauschen über den Felsrand. Ein entsprechender Sprühnebel ist die Folge. Das Spektakel ist so gewaltig, dass es zum Weltnaturerbe erklärt wurde. Da die Fälle Heerscharen von Touristen anlocken, gibt es auch immer wieder einige, die es sich nicht nehmen lassen, knapp vor der Kante, über die das Wasser in die Tiefe rauscht, im „Devils-Swimmingpool“ ein entspannendes Bad zu nehmen. Angeblich ist dieses Schwimmbad sicher. Doch offensichtlich bleibt es ein Nervenkitzel.

Titanic-Tauchfahrt (Neufundland)

Ewig faszinierend: die „Titanic“. Endlich, endlich, in der Nacht zum 1. September 1985, wurde das „unsinkbare“ Luxusschiff in einer Meerestiefe von knapp 4000 Meter gefunden, nachdem es in der Nacht des 14. April 1912 einen Eisberg gerammt hatte und gesunken war. Eine Tauchexpedition zum Wrack startet seit einiger Zeit von St. Johns (Neufundland) aus. Wer bei guter Gesundheit ist, kann sich für die nächste Zwölf-Tage-Tour im August anmelden. Angekommen im Nordatlantik, werden Reiseteilnehmer zu zweit oder dritt in die U-Boote gesteckt, die auch bei den Filmarbeiten zu „Titanic“ gute Dienste leisteten. Durch 15 Zentimeter dicke Plexiglasbullaugen ist dann zu bestaunen, was vom Schiff übrig ist. Im Internet berichtet Melanie aus München: „Mein Mann hat mir diese Reise zum Geburtstag geschenkt. Ich war sprachlos.“ Bei Aussicht auf solche Mitreisende kratzt man doch gern den Reisepreis von schlappen 39 999 Euro zusammen.

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