USA : Keine Schnuller auf dem Highway

Ein USA-Roadtrip mit zwei kleinen Kindern – geht das gut? 15 Gebote für eine Fahrt durch die Südstaaten.

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Eine Bleibe für die Nacht. Zahlreich sind die Motels und Lodges an den meist schnurgeraden Straßen. Die richtige Herberge zu finden, bleibt eine kleine Kunst.
Eine Bleibe für die Nacht. Zahlreich sind die Motels und Lodges an den meist schnurgeraden Straßen. Die richtige Herberge zu...Foto: John Moore/AFP

1. Think big

Schon ohne Kinder gilt der Programmpunkt „Auto abholen“ bei einer Reise wie dieser als Tiefpunkt. Nach dem langen Flug, der quälenden Einreiseprozedur und dem Ausharren am Gepäckband tritt man erstmals in voller Montur in die Hitze. Jetzt gilt es: Getränke ausschenken, Fruchtgummi verteilen, Nerven behalten – und groß, wenn nicht riesig denken.

Selbst wenn man nur für eine Woche packt, das Zeug muss irgendwohin. In einem Ford Focus findet man in Berlin gut Parkplätze, macht sich hingegen auf der Interstate zum Gespött. Spielernaturen spekulieren auf ein Upgrade. Wir glitten am Ende mit einem panzerartigen Chevrolet Tahoe aus dem Parkhaus.

2. Landkarten zu Hause lassen

Ein Navi ist für Doofe? Nicht, wenn zwei Kinder auf der Rückbank quengeln. Niemals beim Autovermieter ein teures GPS leihen, sondern auf das eigene Handy nur die Navigationssoftware laden, die man wirklich braucht. Banal, aber praktisch: In einen Handyhalter mit Saugnapf für die Windschutzscheibe investieren.

3. Gutes Motel für die ersten Tage

Nicht sparen. Wir hatten wegen seiner zentralen Lage das „Motel 6“ in Atlanta Downtown gebucht. Ein Fehler! Im Schwimmbad war kein Wasser, sondern Erde – wo sich früher Gäste abgekühlt haben, wuchs jetzt Gemüse. Zu essen gab es trotzdem nur graue Schokoriegel. Und neben unserer Zimmertür befand sich ein gigantischer Automat („das Monster“), der alle paar Minuten mit geisterbahnartigen Geräuschen Eiswürfel ausspuckte.

4. Basisausrüstung sichern

Im Supermarkt eine kleine Kühltasche mit Anschluss für den Zigarettenanzünder, eine Rolle starkes Klebeband, Honey Pops, eine Tüte Milch und Geschirr besorgen. Bio-Gläschenkost in interessanten Geschmacksrichtungen (Avocado-Himbeer) gibt’s bei „Whole Foods“. Achtung: Es droht das Familienfrühstück um 2 Uhr Ortszeit. Für die Kinder ist um diese Zeit noch einige Tage Morgen, für die Eltern gezwungenermaßen auch. Nicht sofort den Rückflug vorverlegen, es wird ja besser.

5. Realistische Etappen wählen

Je nach Toleranzgrenze der Kinder nicht mehr als drei Stunden am Tag fahren. Bei Geschrei und Unmut Pläne sofort ändern und die nächste Ausfahrt nehmen. Wir haben auf diese Weise viele Orte entdeckt, die wir sonst nie angesteuert hätten: einen BBQ-Laden der Extraklasse (Southern Soul, St. Simons Island, Georgia) und einen wunderbaren Botanischen Garten mit Alligatorentümpel (Riverbanks Zoo&Garden, Columbus, South Carolina) .

Schön da: Sanddünen auf der Saint Simons Insel in Georgia.
Schön da: Sanddünen auf der Saint Simons Insel in Georgia.Foto: imago/Bluegreen Pictures

Für Pausen empfehlen sich auch die „Welcome Center“ an den Staatsgrenzen. Hier werden Kinder mit Geschenken bombardiert. Doch Vorsicht vor dem „Alabama Bear“! Nicht jedes Kind freut sich, wenn ein 2,20 Meter großes Maskottchen es in die haarigen Arme schließen will. Hier lieber nicht auf gemeinsame Fotos bestehen.

Dass On-Board-Entertainment wichtig ist, versteht sich von selbst. Wem beim Vorlesen übel wird, muss Geschichten erzählen. Wir haben die Strecke von Montgomery, Alabama, nach Birmingham, Alabama, mit den Antworten auf die Frage „Warum ist Rosa Parks im Bus nicht aufgestanden?“ überbrückt. Eingeschlafen sind die Kinder Minuten vor Ankunft.

6. Kindern englisch beibringen.

Viele Südstaatler verstehen offenbar nicht, dass ein dreijähriger Tourist kein Englisch spricht. Also findet man sich schnell in der Rolle des Vermittlers. „Hello little dude! Do you like the Incline Railway?“ – „I’m sorry. He doesn’t speak English. Der Mann will wissen, ob es dir in der Zahnradbahn gefällt. Sag einfach yes.“– „…“ – „This boy is too shy!“ – „He only speaks German.“ – „Oh, poor dude.“ Nach wenigen Wochen war der Dreijährige so weit dressiert, dass er Annäherungsversuche mit „I’m fine“ parierte. Babysprache ist zum Glück international.

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