USA : Mit Sicherheit Schnee

Jenseits der Nobelorte Aspen und Vail kann man in Colorado auch günstiger abfahren. Freiwillige weisen die Wege im Weiß.

Bernhard Krieger
"Tree Skiing" nennen sie in Steamboat das Skifahren zwischen den verschneiten Bäumen - und der trockene Pulverschnee heißt "Champagne Powder".
"Tree Skiing" nennen sie in Steamboat das Skifahren zwischen den verschneiten Bäumen - und der trockene Pulverschnee heißt...Foto: Larry Pierce/Steamboat/dpa

Raus aus dem Flughafen Denver, rein in den Mietwagen und ab auf den Highway 70 Richtung Westen. Europäische Skiurlauber kennen in Colorado meist nur zwei Ziele: Aspen und Vail. Auf dem Weg in die berühmtesten Skiorte der Rocky Mountains nehmen sie sich kaum Zeit für einen Abstecher. Dabei liegen rechts und links des Weges einige schöne Alternativen: das legendäre Arapahoe Basin, der unterschätzte Copper Mountain, das Pulverschneeparadies Steamboat und Denvers Hausberg Winter Park.

Von Downtown Denver bis zu Winter Parks Talstation sind es gerade einmal gut 100 Kilometer. Für amerikanische Verhältnisse ist das praktisch um die Ecke. „Da kommen einige auch mal nur für ein paar Abfahrten am Nachmittag“, erzählt Skilehrerin Jutta Oberle.

Wie in amerikanischen Ski-Resorts üblich, wurde rund um die Talstation der Bergbahnen ein kleines Dorf gebaut. Hier gibt es alles, was man für ein paar Urlaubstage braucht: Hotels, Appartements, Restaurants, Kneipen und Geschäfte. In Winter Park kann man das Auto getrost stehen lassen und zu Fuß zu den Liften laufen. Die erschließen 143 schneesichere Pisten zwischen 2743 und 3676 Metern in einem Areal mit mehr als zwölf Quadratkilometern befahrbarer Fläche.

In Colorado steigt man in Lifte ohne Schnickschnack.
In Colorado steigt man in Lifte ohne Schnickschnack.Foto: Arapahoe Basin Ski Area/Dave Camara/dpa

Anders als in den Alpen darf man in Nordamerika die Pisten innerhalb des Skigebiets verlassen und überall ins unpräparierte Gelände fahren. Die „Ski Patrol“, die Pistenwache, kontrolliert das gesamte Areal der drei Gipfel Winter Park, Mary Jane und Vasquez Ridge. Herrscht irgendwo Lawinengefahr, sperrt sie entsprechende Gebiete. An Neuschneetagen verwandelt sich Winter Park so in ein Tiefschneeparadies, in dem man auf weiten, unpräparierten Hängen seine Spur durch den Schnee ziehen kann. Der fällt mit im Schnitt mehr als neun Metern pro Saison üppig und in einzigartiger Qualität.

Der Berg ist eine Wucht, vor allem für gute Skifahrer

In den Rockies nennen sie den trockenen Pulverschnee „Champagne Powder“. Erfunden wurde der Begriff 1950 in Steamboat. Das Skiresort liegt rund 250 Kilometer nordwestlich von Denver. Weil Colorados Skigebiete im Landesinneren und außerdem sehr hoch liegen, ist die Luft dort sehr trocken. Der Schnee hat wenig Feuchtigkeit. Fährt man nach starken Schneefällen durch den Tiefschnee, wird er wie Staub aufgewirbelt. Vor allem in den Wäldern mit ihren weit auseinanderstehenden Tannen und Espen ist das traumhaft.

„Tree Skiing nennen wir das“, erklärt John Willson. Der Rentner gehört zu einer Gruppe von Freiwilligen, die den ganzen Tag in dem Skigebiet mit seinen 165 Abfahrten unterwegs ist, um Tipps zu geben und Fragen zu beantworten. Auch in den weniger bekannten Resorts in den USA wird Service großgeschrieben. Leute wie Willson nennen sich „Ambassador“ ihres Skigebiets – Botschafter.

Die drehen auch am Copper Mountain ihre Runden. Copper ist das von Europäern vielleicht meist unterschätzte Skigebiet Colorados. Die Lage des Resorts direkt am Highway wirkt nicht sehr attraktiv, wenn man idyllische Bergdörfer wie in den Alpen erwartet. Aber das Copper Village wurde so geschickt angelegt, dass man vom Highway kaum noch etwas mitbekommt, wenn man erst im Ort ist. Der ist nett mit vielen Restaurants und Bars rund um die Talstation angelegt.

Copper hat ein Village, ein kleines Skidorf rund um die Talstation der Bergbahn.
Copper hat ein Village, ein kleines Skidorf rund um die Talstation der Bergbahn.Foto: Copper Mountain/Tripp Fay/dpa

Und der Berg ist eine Wucht, vor allem für gute Skifahrer. Tempobolzer finden unter den 140 Abfahrten breite und steile Pisten, auf denen oft die Nationalteams trainieren. Wen es ins unpräparierte Gelände zieht, der genießt am Copper Peak und in der Copper Bowl eine riesige Spielwiese. Der ultimative Geheimtipp für Experten aber ist Arapahoe Basin. „A-Basin“, wie die Einheimischen ihren Lieblingsberg nennen, ist in der Skifahrer- und Snowboarder-Szene eine Legende. Das nur eineinhalb Stunden westlich von Denver gelegene Skigebiet ist so ganz anders als die feinen Skiresorts mit ihrem Top-Service.

"Wir sind klein aber oho"

A-Basin ist rau und ursprünglich. „It’s for real skiers“, sagt Paul Schmidt von der Ski Patrol. Echte Skifahrer stört nicht, dass A-Basin nur aus einem großen Parkplatz, ein paar Hütten an der Talstation und einigen Liften besteht. Denn A-Basin bietet sehr steile und anspruchsvolle Hänge. 60 Prozent der gut 100 Abfahrten sind als schwierig eingestuft. „Und schwierig heißt bei uns wirklich schwierig“, verspricht Schmidt.

In A-Basin, das in der Nähe der bekannten Ski-Resorts Keystone und Breckenridge liegt, gibt es im unteren Bereich unzählige Abfahrtsmöglichkeiten in lichten Wäldern und in den Gipfelbereichen sehr viele offene Hänge. Die ziehen Könner an Neuschneetagen magisch an – vor allem die breiten Flanken der Montezuma Bowl. Das Areal auf der Rückseite des Berges wurde 2008 erschlossen und vergrößerte das zuvor recht kleine Gebiet auf einen Schlag um 80 Prozent.

Mit rund vier Kilometern befahrbarer Fläche ist A-Basin verglichen mit den großen Resorts immer noch ein Zwerg. „Wir sind klein, aber oho“, meint Schmidt, der deutsche Wurzeln hat. Denn die Lifte von A-Basin reichen bis hinauf auf 3977 Meter. Das ist Rekord für Nordamerika und garantiert eine lange Saison. Länger als die in den berühmten Nachbarresorts Aspen und Vail. dpa

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