Reise : Ohne Angst am Strand

Mexiko ist sicher, sagt die Tourismusministerin. Und verweist auf steigende Besucherzahlen

Ortrun Egelkraut
Souvenirverkäufer in Mexiko hatten in der jüngsten Vergangenheit etwas schleppende Geschäfte zu verzeichnen. Touristen blieben aus. Das soll nun anders werden. Foto: Egelkraut
Souvenirverkäufer in Mexiko hatten in der jüngsten Vergangenheit etwas schleppende Geschäfte zu verzeichnen. Touristen blieben...

Die statistischen Zahlen widerlegen scheinbar das aktuelle Image des Landes: Während Mexiko in den Medien vorwiegend in Zusammenhang mit dem Drogenkrieg vorkommt, der in vier Jahren 35 000 Opfer gefordert hat, lassen sich Touristen aus aller Welt kaum davon abhalten, die traumhaften Strände, die reizvollen Städte, die reiche Kultur, die vielfältige Landschaft und die herzliche Gastfreundschaft der Menschen zu genießen.

„Mexiko ist ein sicheres Reiseland“, betonte die Tourismusministerin Gloria Guevara Manzo kürzlich in einem Gespräch am Rande der ITB und legte eindrucksvolle Zahlen von Wachstumsraten vor: 22,4 Millionen Besucher verzeichnete Mexiko im Jahr 2010, 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Da der Tourismus 2009, im Jahr der „Schweinegrippe“ (H1N1-Virus) und der Weltwirtschaftskrise, in Mexiko massiv eingebrochen war, lenkt sie den Blick auf 2008. Die Einreise an den internationalen Flughäfen stieg 2010 um 5,5 Prozent im Vergleich zu 2008. Im Vergleich zu 2009 gar um 14,3 Prozent. Hinzu kamen 2010 sechs Millionen Kreuzfahrtgäste und 51 Millionen Tagesbesucher im Grenzverkehr mit den USA – „und kein einziger Vorfall“, bei dem Touristen in Konflikt geraten wären mit den Gewalttaten im Drogenkrieg, versichert die Ministerin. Stattdessen zeigten sich die ausländischen Besucher mit ihrem Urlaub in Mexiko hoch zufrieden und verteilten in einer Umfrage Bestnoten für die Gastfreundschaft (9,2 von 10 Punkten). Die meisten von ihnen – 97 Prozent – wollen wiederkommen.

Der Kampf der Drogenkartelle untereinander um die Vorherrschaft über die Transportrouten in die USA, so die Ministerin, beschränke sich auf die 3000 Kilometer lange Grenze im Norden. Von Mexikos 2500 Gemeinden gäbe es 80, in denen es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen käme. Als absolute „No-go-Area“ nennt Gloria Guevara Manzo nur Ciudad Juárez, die Grenzstadt gegenüber von El Paso in Texas.

Dem widersprechen allerdings die alltäglichen Nachrichten, in denen von Anschlägen und Morden auch in anderen Städten, darunter auch im Badeort Acapulco, berichtet wird. Doch die Tourismusministerin verweist auf die Größe des Landes: „Man muss sich die Entfernungen innerhalb Mexikos vorstellen. Ciudad Juárez liegt von Cancún ähnlich weit entfernt wie Moskau von Madrid. Auf europäische Verhältnisse übertragen, heißt das: Wenn in Madrid etwas passiert, reisen Sie deshalb nicht nach Moskau?“

Ähnliche Vergleiche zieht auch ein Tourismussprecher aus Mexiko-Stadt, der die 20-Millionen-Metropole, die 2000 Kilometer von der Grenze zu den USA entfernt liegt, „frei von Drogenkriminalität“ sieht. Auch sei die Mordrate in Mexiko-Stadt lediglich „halb so hoch“ wie in Washington.

Ein weiterer Mexiko-Kenner, Johannes Rommel, deutscher Honorarkonsul in Mérida, der Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán, rät nicht von Reisen ins Land ab: „Nach außen erscheint im Moment nur ein Gesicht, das der Gewalt. Tatsächlich hat Mexiko aber viele Gesichter.“ Regional sind es nach seiner Einschätzung vier. Der Norden habe ein Gewaltproblem, im Zentrum komme es zu einzelnen Übergriffen, im Süden treffe man gelegentlich auf ethnische Konflikte, und der Südosten mit den Touristenzentren Cancún und Riviera Maya auf der Yucatán-Halbinsel, sei friedlich und ruhig, „eine andere Welt, auch in den Lebensgewohnheiten“. Dorthin zieht es vor allem viele deutsche Urlauber. Auch deren Zahl ist weiter gewachsen, von 159 000 im Jahr 2008 auf 163 000 im Jahr 2010 (2009: 141 000).

Bei Wachstumsraten um fünf Prozent will es Tourismusministerin Gloria Guevara Manzo, die seit einem Jahr im Amt ist, nicht bewenden lassen. 15 Prozent jährlich hält sie für realistisch. In sieben Jahren, so das ambitionierte Ziel, will Mexiko die Zahl der Touristen auf rund 45 Millionen verdoppeln. „Wir wollen Platz fünf auf der Weltrangliste der meistbesuchten Touristenziele erreichen.“ Um dies zu unterstützen hat Präsident Felipe Calderón 2011 zum „Jahr des Tourismus“ ausgerufen. Ein Zehn-Punkte-Strategieplan sieht unter anderem Investitionen in die Infrastruktur („an mehr Flugsitzen müssen wir noch arbeiten“), Schaffung von Arbeitsplätzen, Förderung einer nachhaltigen Entwicklung und Verbesserung im Service vor. Gezielte Werbekampagnen sollen neue Märkte, vor allem in Europa, erschließen und thematische Routen durch alle Regionen die Vielfalt Mexikos, von der „Kunst des Tequila“ bis zu den „Geheimnissen der Maya“ erleben lassen.

Das Potenzial dazu hat Mexiko. Auch dafür hält Gloria Guevara Zahlen parat: 3000 Jahre Geschichte, 30 000 archäologische Zonen, von denen 175 zugänglich sind, 174 Naturreservate, 37 Unesco- Welterbestätten, 38 „Magische Dörfer“, Platz 2 auf der Liste der Länder mit den meisten Luxus-(Hotel-)Angeboten und das erste Land der Welt, dessen Gastronomie in die Unesco-Liste des immateriellen Welterbes aufgenommen wurde.

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