Palästina : Westbank auf friedlichen Pfaden

Stefan Szepesi war Diplomat in Palästina. Privat ist er dort gewandert. Die Touren gibt es nun als Buch.

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Mar Saba, ein griechisch-orthodoxes Kloster in der Nähe von Bethlehem. Es wurde 439 gegründet. Derzeit wohnen nur noch zehn Mönche dort.
Mar Saba, ein griechisch-orthodoxes Kloster in der Nähe von Bethlehem. Es wurde 439 gegründet. Derzeit wohnen nur noch zehn Mönche...Foto: Stefan Szepesi

Wie verbringen Diplomaten ihre Freizeit, wenn sie in Ost-Jerusalem stationiert sind? „Am Anfang schauen sie sich die Altstadt von Jerusalem an. Wenn sie die Stadt aber ein wenig besser kennen, wollen sie nur noch weg. Die Symbole des Konflikts sind allgegenwärtig, und der Verkehr ist fürchterlich. Dann fahren viele am Wochenende nach Tel Aviv oder in die jordanischen Resorts am Roten Meer. Dazu hatte ich aber keine Lust“, erzählt Stefan Szepesi. Als niederländischer Diplomat hat er von 2006 bis 2010 für die Europäische Union in Jerusalem gearbeitet. Die letzten beiden Jahre war er zudem für Tony Blair, den Beauftragten des Nahostquartetts, tätig. „Schon vom Auto aus habe ich während meiner Dienstfahrten durch die Westbank die Schönheit der Natur und den kulturellen Reichtum Palästinas bewundert. So bin ich 2008 an einem Sonnabend mit meiner Frau und Freunden in die Westbank zum Wandern gefahren. Ich hatte keine Karte, nichts vorbereitet, wir sind einfach losmarschiert. Ich wollte weit weg von der Stadt die Landschaft erleben.“ Man merkt ihm die Begeisterung noch immer an.

„Wir sind schmale Pfade gegangen, haben dieses und jenes ausprobiert, haben Beduinen getroffen und mit ihnen Kaffee getrunken und uns unterhalten. So vergingen viele Wochenenden, wir haben etwa 30 bis 40 Touren unternommen. Jede Wanderung war neu für uns.“

Wandern in Palästina? Eine ziemlich verwegene Idee angesichts der Bilder, die über die Fernsehschirme der Welt flimmern. Nach einem Jahr reifte die Idee, diese Touren, die immer zum Ausgangspunkt zurückführen, in einem Buch zusammenzufassen. Szepesi bemerkt, dass auch viele Palästinenser noch nie in Jennin waren, dass sie auf den Wanderungen beginnen, ihr eigenes Land zu entdecken. Szepesi registrierte ein gesteigertes Interesse, die Gruppe wurde größer und auch einige Israelis mit doppelter Staatsangehörigkeit gingen mit. Auch andere hatten Interesse, aber sie durften nicht einreisen. „Die Westbank ist in die Zonen A, B und C eingeteilt – und die Zone A ist von der Armee für die Israelis gesperrt.“

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