Pauschalreisen : Urlaubsgeld von Neckermann

Feuerwerk der Rabatte: Wie der Reiseveranstalter den Kampf um die Pauschalkunden gewinnen will.

Horst Schwartz
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Luxus geht immer. Nur bei den "Brot-und-Butter-Reisen" tun sich die Veranstalter schwer. -Foto: dpa

Die Deutschen wollen weiterhin (Pauschal-)Urlaub machen. Aber nicht um jeden Preis. Während das relativ schmale Luxussegment der Veranstalter gut verkauft wird, stellt sich heraus, dass „Otto Normalverbraucher“ angesichts der Preise und seiner Einkommensverhältnisse eher dreimal überlegt, ob er sich selbst eine „Billigreise“ mit der Familie überhaupt leisten kann. Doch bei Umsatzrenditen von oft nur zwei Prozent muss bei den großen Reiseveranstaltern die Masse das Geld bringen. Was Wunder, dass sich eine Preisschlacht für den kommenden Winter abzeichnet, dass das Buhlen um den Kunden immer groteskere Formen annimmt.

Urlauber, die zur kommenden Wintersaison etwa bei Neckermann-Reisen ihre Ferien buchen, tun gut daran, hartnäckig zu bleiben und Reisebüroexpedienten immer wieder zur Ausschöpfung aller Sparmöglichkeiten zu drängen. Diese sind vor allem für Frühbucher so groß wie selten zuvor. Neckermann-Reisen brennt ein wahres Rabattfeuerwerk ab: „Gratis-Extras“ sowie „Schlemmer- und Shopping Cards“, dazu „Urlaubsgeld“ und „Turboabschläge“, wie die Preisvorteile genannt werden, die bis Ende August beziehungsweise Ende September ihre Reise buchen. Alleine wird der Verbraucher nicht mehr durchblicken, er ist auf ein tüchtiges Reisebüro angewiesen.

Von einer „Preisschlacht“ will Michael Tenzer, Direktor von Neckermann-Flugreisen, allerdings nichts hören. Dass viele Reisen im kommenden Winter preiswerter angeboten werden als im Vorjahr, führt er auf „Vorteile durch internationale Wechselkursveränderungen“ und harte Verhandlungen mit Hoteliers zurück.

Die halbe Wahrheit, wie Experten meinen. Gewiss, zum einen ist gerade Neckermann dafür bekannt, bei den Hoteliers die Preisschraube nach unten zu drehen, „bis das Blut spritzt“. Doch gerade bei den Mittelmeerländern, den stärksten Zielen von Neckermann, verfängt das Argument der Wechselkursvorteile kaum. Auch der harte Sparkurs („Optimierung der Prozesskosten“) im Unternehmen selbst wird zunächst nicht viel dazu beitragen, im Wettbewerb zu bestehen. Der Kampf um den Kunden ist derzeit wohl nur über den Preis zu gewinnen. Da gilt es vor allem, die Konkurrenz aus dem Feld zu schlagen. Koste es, was es wolle.

Bei der diesjährigen Winterprogramm-Vorstellung von Neckermann-Flugreisen war dann auch wenig von neuen Zielgebieten wie dem maledivischen Addu-Atoll oder Marrakesch, dafür umso mehr von den erwähnten Rabatten die Rede – und von „zielgruppenspezifischen Angeboten, die mehr denn je gefragt sind“ (Tenzer). So wurde für Alleinreisende und Paare zwischen 25 und 50 Jahren ein neuer Club mit dem Namen „Xperience“ geschaffen, der Sport, All-inclusive-Service und „ungewöhnliche Urlaubserlebnisse“ verbinden will. Gemeinsam Sterne beobachten heißt dann als Programmpunkt „Starwatching“ und eine Freilichtkino-Vorführung „Movie Night on the Beach“. Ein offenbar nun notwendiger Englischkurs wird nicht angeboten ...

Aber auch die reiferen Jahrgänge unter den Urlaubern wurden nicht vergessen: Nicht wie bisher sieben, sondern dreizehn Anlagen präsentieren sich jetzt als „Club Vital“ für Gäste älter als 55. Der im Sommer erstmals aufgelegte „Young & Fun“-Katalog sowie der Katalog Neckermann „Sports“ werden zum ersten Male auch im Winter auf den Markt gebracht.

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