Reise : Pinseln wie Wilhelm Busch

Schöne Aussichten: auf dem Malerweg am Hintersee.

Karin Willen
Perspektive der Künstler. Auf dem Malerweg kann sie jeder erleben. Foto: p-a/dpa
Perspektive der Künstler. Auf dem Malerweg kann sie jeder erleben. Foto: p-a/dpa

Diese Ruhe! Warum rennt nur alle Welt an den Königssee und hat vor lauter Souvenirständen keinen Blick mehr für die wirklichen Schätzen im Berchtesgadener Land? Den Hintersee zum Beispiel. Hier herrscht einfach nur Ruhe. Der kleine, malerische See, dessen Temperatur auch im Sommer kaum einmal über 16 Grad steigt und der im Winter meist zufriert, ist im Nationalpark Berchtesgaden das Ziel für Individualisten geblieben.

Die wohl schönste Wanderstrecke führt von der Neuhausenbrücke in Ramsau auf dem Malerweg entlang der Ache mit zum Teil schneeweißen Bergsturztrümmern, die rechts und links des Wegs und im Wasser liegen. Dem Ensemble aus Wald und hingekullerten Felsen, durch das sich das flaschengrüne Wasser plätschernd seinen Weg in den Hintersee bahnt, sind zwischen 1920 und 1930 viele erlegen. Heimatwerber nannten es Zauberwald.

Sie waren nicht die einzigen, bei denen die Naturmystik einen seelischen Überschwang auslösten. Carl Rottmann (1797–1850), Maler im Umfeld von Bayerns König Ludwig I., zog es im 19. Jahrhundert öfter an das stille Gewässer zwischen den hoch aufragenden Felsen. Der damals berühmte Landschaftsmaler quartierte sich in einem Gasthof ein, der am historischen Salzhandelsweg zwischen Berchtesgaden und dem österreichischen Pinzgau lag. Bald wurde der Gasthof Auzinger eine Künstlerherberge, in der sich Europas romantische Landschaftsmaler trafen: Ferdinand Georg Waldmüller, Wilhelm Busch, Hubert von Herkomer, Carl Spitzweg.

Heute ist das traditionsreiche Ausflugsziel vor allem bekannt für aromatisch-saftigen Schweinsbraten und hausgebackenen Käsekuchen. Die Wirtsleute sind stolz darauf, dass Monsignore Georg Gänswein hier weilte. Fotos im Flur zeigen den als Freund guten Essens bekannten Privatsekretär des heutigen Papstes im Gasthof.

Am Nordufer des Sees hat der Malerweg seinen Höhepunkt. In der Ferne bilden der Hochkalter, der Watzmann und der Hohe Göll den schroffen Hintergrund und spiegeln sich im See. Davor grasen Kühe. Zäune gibt es nicht. Staffeleien mit Reproduktionen stehen an jenen Stellen, an denen die Künstler einst in der freien Natur gemalt haben und laden dazu ein, Perspektive, malerischen Realismus und individuelle künstlerische Freiheit am lebenden Modell zu studieren. Karin Willen

Auskunft: Berchtesgadener Land Tourismus, Telefon: 086 52 / 65 65 00, Internet: berchtesgadener-land.com

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