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Reise : Promenaden zum Dichter

In Frankfurt an der Oder wurde Heinrich von Kleist geboren. Die Stadt feiert ihn – und ruht sich auf seinen Lorbeeren aus

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Erstes Frankfurter Kleist-Denkmal, errichtet 1910 im Gertraudenpark. Foto: Kaiser
Erstes Frankfurter Kleist-Denkmal, errichtet 1910 im Gertraudenpark. Foto: Kaiser

Jetzt, in frühlingsmilder Luft, sitzen die Gäste vom „Frankfurter Kartoffelhaus“ draußen auf der Terrasse. Von dort schauen sie auf die Oder – und staunen. Das ist nicht irgendein Fluss, sondern ein breiter, eilig fließender Strom. Auch Radler machen gern Pause am Ufer, der Oder-Neiße-Radweg führt ja direkt vorbei. Sie blicken hinüber zum polnischen Slubice, bewundern die saftigen Oderauen, über die gerade zwei Störche fliegen. Frankfurt, in ihrem Rücken, hat das Nachsehen. Mal wieder. Selten ist jemand neugierig auf diese Stadt, die im Krieg zu gut 90 Prozent zerstört wurde.

Dabei befindet sich, wenige Schritte vom Gasthaus entfernt, eins „der schönsten Literaturmuseen Europas“, wie „Die Zeit“ urteilte. Drinnen dreht sich alles um Heinrich von Kleist. 1777 wurde er hier geboren, der sein Leben lang ruhelos nach dem wahren Glück streben sollte. „Ein frei denkender Mensch bleibt da nicht stehen, wo der Zufall ihn hinstößt“, sagte er 1799. In diesem Jahr war er an der Frankfurter Universität immatrikuliert, nur wenige Monate hielt er es aus. Er unternimmt einige Reisen, sucht sich mit 25 Jahren eine Wohnung in der Schweiz. „Jetzt leb’ ich (...) recht eingeschlossen von den Alpen, 1/4 Meile von der Stadt“, schrieb er aus Thun. Begeistert klang das nicht, aber zurück? Niemals. „Nach Frankfurt mögte ich jetzt nicht gern kommen“, ließ er wissen.

Um diese Zeit, so heißt es in einem Konversationslexikon von 1780, war Frankfurt „eine ziemlich grosse, wohl gebaute und etwas befestigte“ Universitäts-, Handels- und Garnisonsstadt. Aber, gibt es heute noch Spuren von Kleist und seiner Zeit in dieser Stadt? „Oh ja“, sagt Hans-Jürgen Rehfeld, Bibliothekar im Kleist-Museum, und kann eine Menge davon zeigen.

Schon das Museumsgebäude selbst gleicht einem Geschichtsbuch. 1778 wurde hier eine Garnisonsschule eröffnet. Heinrich besuchte sie nicht, er wurde – standesgemäß – durch einen Hauslehrer unterrichtet. Der spätbarocke Bau überstand die Jahrhunderte und wurde Ende der 1960er Jahre zum Museum umgebaut. Prächtig restauriert, ist er zum Schmuckstück geworden.

Familie Kleist wohnte ganz in der Nähe. Heinrichs respektables Geburtshaus in der Oderstraße 27 wurde im Krieg zerstört und zu DDR-Zeiten durch einen schlichten Zweckbau ersetzt. Zur Erinnerung wurde an der Wand eine Tafel eingelassen. Das Geburtshaus von Heinrich von Kleist, „zerstört im faschistischen Krieg 1945“ steht darauf.

Schräg gegenüber wurde 1977, zum 200. Geburtstag des Dichters, ein ungewöhnliches, abstraktes Kleist-Denkmal errichtet. Der Künstler Wieland Förster erklärte es als „Darstellung oder Bild gegenwärtiger, nacherlebbarer Spannung und Qual, von Sehnsucht und Schmerz“. Das Innere Kleists hatte Förster zu interpretieren versucht. „Wir wissen im Grunde nicht, wie Kleist ausgesehen hat“, sagt Rehfeld. Es gibt nur ein einziges Bild von ihm aus dem Jahre 1801. Kleist ließ es für seine Verlobte Wilhelmine von Zenge anfertigen. „Möchtest du es ähnlicher finden, als ich, schrieb er ihr, Es liegt etwas Spöttisches darin, dass mir nicht gefällt, ich wollte er hätte mich ehrlicher gemalt – Dir zu gefallen habe ich fleißig während des Malens gelächelt ...“

Die schönste Überraschung auf Kleists Spuren ist die St. Marienkirche. Ein mächtiger Hallenbau, dessen Inneres gerade deshalb so beeindruckt, weil es vollkommen leer ist. Im Krieg nahezu zur Ruine geworden, wurde die Kirche nach und nach restauriert. Das besondere sind drei hohe, schmale Bleiglasfenster, bestehend aus insgesamt 117 farbigen Bildern. 1943 hatte man sie zum Schutz vor Zerstörung ausgebaut und im Neuen Palais in Potsdam eingelagert. Nach dem Krieg galten sie lange als verschollen. 1997 erst wurden sie wieder entdeckt, in der Eremitage von St. Petersburg – und kehrten nach zähen Verhandlungen an ihren ursprünglichen Platz zurück.

Einzigartig ist das sogenannte Antichrist-Fenster. Mit wechselndem Äußeren und seltsamen Wundern versucht der Teufel die Gläubigen zu täuschen. Hier, so glaubt Rehfeld, habe Heinrich von Kleist wohl eine Anregung für sein Drama „Das Käthchen von Heilbronn“ gefunden. „Denn, nicht ,zu Heilbronn, über dem Altar abgebildet‘, finden wir ,den Satan und die Scharen mit Hörnern, Schwänzen und Klauen‘, sondern in der sogenannten Bilderbibel der Frankfurter Marienkirche.“

Unweit davon, im Park der Gertraudenkirche, steht das erste Denkmal für Kleist. 1910 wurde es enthüllt. Und so, nein so, sah der Dichter sicher nicht aus. Der Bildhauer Georg Elster hat eine Allegorie geschaffen, einen hingelagerten, lorbeerbekränzten nackten Jüngling mit der Lyra. Gefallen hätte es Kleist vielleicht doch. Wilhelmine von Zenge schließlich schrieb er begeistert von seinen Besuchen in der Dresdner Gemäldegalerie. „Täglich habe ich die griechischen Ideale und die italienischen Meisterstücke besucht, und jedesmal, wenn ich in die Galerie trat, stundenlang vor dem einzigen Raffael dieser Sammlung, vor jener Mutter Gottes gestanden... Und hat sie auf dem Gemälde nicht eine Art Lyra in der Hand?

Die Frankfurter Universität aus Kleists Zeiten existiert nicht mehr. 1811 wurde sie geschlossen und zog nach Breslau um. Aber die neue Viadrina, kurz nach der Wende gegründet, knüpft an ihr traditionsreiches Vorbild an. 6500 Studenten sind immatrikuliert, und sie haben es ziemlich gut. Die Uni legt zentral – und in den Pausen können die Studenten auf der Insel Ziegenwerder spazierengehen, mitten auf der Oder.

Viele Viadrina-Studenten wohnen lieber in Berlin. Die Hauptstadt ist ja nur eine gute Zugstunde entfernt. „Abends ist nicht viel los in Frankfurt“, heißt es. Alles verwaist. Kinos gibt es, aber ausgerechnet das „Lichtspieltheater der Jugend“, ein phänomenaler 50er-Jahre-Bau mit Sgraffito-Schmuck steht leer und verfällt. 2004 wurde das Haus an der Heilbronner Straße an eine private Gesellschaft verkauft. Eine Großdisco sollte im Kino eröffnen, auch „das östlichste Spielcasino Deutschlands“. Nichts geschah, die Stadt ist rat- und machtlos. Und lässt auch zu, dass ein zentraler Platz im Zentrum nur genutzt wird, um dort Autos zu parken.

Fast hat es den Anschein, als ruhe sich die Kleiststadt Frankfurt auf des Dichters Lorbeeren aus.

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