RECHT & REISE : RECHT & REISE

Ausstellungsrechte

Die Träger der „documenta“ in Kassel müssen es nicht erlauben, dass Reiseveranstalter, die Gruppen zu der Ausstellung bringen, auch einen eigenen Reiseleiter einsetzen. Zwar nehmen die Träger der Ausstellung eine „marktbeherrschende Stellung“ ein. Dennoch verstoßen sie damit nicht gegen Kartellrecht. Denn in dem speziellen Fall dürfe der Veranstalter der „documenta“ seine Kosten (unter anderem) durch den Verkauf von Führungen decken, so das Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Außerdem dürfe er frei entscheiden, wie er seine Ausstellung vermarkte. Das Argument des Reiseveranstalters, seinen Kunden eine einheitliche fachliche Begleitung bieten zu wollen, sei dagegen zweitrangig. (OLG Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 11 U 70/09)

Bitte nicht stören! Hat eine alleinreisende Ehefrau an ihrer Hotelzimmertür das Schild „Do not disturb!“ angebracht, so braucht der Hotelier diese Aufforderung ohne besonderen Anlass nicht zu ignorieren, um zu kontrollieren, ob ihr etwas zugestoßen sein könnte. Dies auch dann nicht, wenn ihr Ehemann mehrfach anruft und dazu auffordert, die Tür zu öffnen, weil sich seine Frau bei ihm an diesem Tag noch nicht „gemeldet“ habe. Denn es könnte sein, so das Oberlandgericht Frankfurt am Main in Übereinstimmung mit dem Hotelmanager, dass die Frau im wahren Sinne des Wortes „nicht gestört“ werden wollte ... Hier war allerdings kein amouröses Abenteuer zu vertuschen; die Ehefrau war vielmehr nach einem akuten Nierenversagen ins Koma gefallen und litt, bis das Zimmer am nächsten Tag geöffnet wurde. Der Reiseveranstalter brauchte dennoch keine Reisepreisminderung plus Schadenersatz zu leisten. Der „massive Eingriff in die Privatsphäre der Hotelgäste“ sei vorher objektiv nicht zu rechtfertigen gewesen. (OLG Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 16 U 23/09)

Online alles klar Auch Reisevermittler müssen bei Online-Buchungen von Anfang an den Endpreis der angebotenen Flüge nennen – einschließlich Steuern und Gebühren. Das haben die Landgerichte Leipzig und Düsseldorf auf Klage der Verbraucherzentrale Bundesverband entschieden. Für Vermittler dürften keine anderen Regeln gelten als für die Fluggesellschaften. (Landgericht Leipzig, Aktenzeichen: 5 O 2485/09; Landgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 12 O 173/09)

Roulettereise Bucht ein Pärchen eine sogenannte Roulettereise nach Kalabrien, ohne den Ort zu kennen, geschweige denn das Hotel, so kann es nur dann eine Reisepreisminderung wegen aufgetretener Mängel verlangen, wenn es sich dabei um „zugesicherte Bedingungen“ gehandelt hat, die vor Ort nicht vorgefunden wurden. Dass in einem Katalog bei der Hotelbeschreibung Tauchkurse angeboten worden waren, jedoch eine Tauchbasis fehlte, sei ein Grund, den Reisepreis zu mindern. Allerdings sei es kein Mangel, dass es täglich nur eine Sorte Wurst, Eier und Käse zum Frühstück gab. Auch Anstehen am Büfett sei allenfalls eine „Unannehmlichkeit“. (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 222 C 13094/09) büs

§

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben