RECHT & REISE : RECHT & REISE

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Balkon fehlt

Um feststellen zu können, ob eine Pauschalreise „erheblich beeinträchtigt“ ist, so dass sie abgebrochen werden kann, ist nicht auf starre Prozentsätze abzuheben. Vielmehr sei „eine Gesamtwürdigung aller Umstände vorzunehmen“, konstatiert das Landgericht Frankfurt am Main. Es kam dabei zu dem Ergebnis, dass eine – aufgrund mehrerer Beanstandungen zusammengekommene – Minderungsquote von 20 Prozent kein Indiz für eine erhebliche Beeinträchtigung sei. Mindestens 35 Prozent müssten es schon sein. Letztlich sei jedoch maßgebend, ob dem oder den Kunden die Fortsetzung der Reise angesichts der Mängel – „unter umfassender Gesamtwürdigung der Umstände“ – zumutbar sei. Im verhandelten Fall ging es um einen „fehlenden Balkon“, der nach Ansicht der Richter „nicht gerade die zentrale Reiseleistung“ gewesen sei, „bei deren Fehlen der Zweck der Reise nicht erreicht werden konnte“. Vielmehr sei davon auszugehen, dass es bei der Reise eher um das „Erleben der Natur durch Ausflüge und um das Genießen der guten Küche“ gegangen sei. Für den nicht vorhandenen Balkon sprach das Gericht eine Minderungsquote der Reisepreise von 20 Prozent zu – und erteilte einer darüber hinausgehenden Entschädigung eine Absage. (Urteil am Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/24 S 140/09)

Fluguntauglich Erkrankt ein Mann knapp sieben Wochen vor dem Urlaub an einer Mittelohr- und Nasenschleimhautentzündung, muss das noch kein Anlass sein, die geplante Reise abzusagen. Erst wenn der Arzt Fluguntauglichkeit bescheinigt (was hier drei Wochen vor Reisebeginn geschah), ist die Stornierung angesagt. Die Reiserücktrittskostenversicherung darf sich dann nicht auf den Standpunkt stellen, bei den Stornogebühren komme es auf den Beginn der Krankheit an. Das Gericht war der Ansicht, dass die Versicherung zu dem früheren Zeitpunkt gar nicht verpflichtet gewesen wäre, die Stornokosten zu tragen. (Amtsgericht Hidburghausen, Aktenzeichen: 21 C 5611/08)

Frist einhalten Zwar stellt es grundsätzlich einen Reisemangel dar, wenn eine Urlauberin nicht beziehungsweise falsch über die Unwetterlage an ihrem Zielort informiert wird. Hier bekam eine Kuba- Urlauberin vom Veranstalter die Nachricht, ihr Ort werde nicht von einem Hurrikan betroffen sein, dabei hatte ein Sturm bereits Kurs auf Kuba genommen. Am Urlaubsort musste sie dann feststellen, dass das Hotel und die Umgebung stark in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Da sie sich jedoch nach der Rückkehr mehr als einen Monat Zeit ließ, Schadenersatzanspruch anzumelden, verfiel dieser. (Amtsgericht Duisburg, Aktenzeichen: 53 C 2499/09) Wolfgang Büser

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