RECHT & REISE : RECHT & REISE

Kabine zu laut

Reklamieren Reisende auf einer Kreuzfahrt ihre Kabine, weil sie „zu laut“ sei, und akzeptieren sie eine Ersatzkabine eine Kategorie niedriger, wobei sie den Differenzbetrag zwischen den beiden Kategorien sowie eine Entschädigung für die Beeinträchtigung gezahlt bekommen, so können sie später – wieder daheim – keine weitere Reisepreisminderung durchsetzen. Das Argument, sie hätten zehn Tage in einer schlechteren Kabine wohnen müssen, zog vor dem Amtsgericht Rostock nicht. Wer sich mit dem Veranstalter über eine Ersatzunterkunft einige, umziehe und das angebotene Geld annehme, der habe das „Angebot zur Abhilfe“ angenommen und könne später keine weitere Forderung mehr stellen, so das Gericht. (Amtsgericht Rostock, Aktenzeichen: 48 C 303/09)

Schiffstypisch Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes können keine Reisepreisminderung geltend machen, wenn sie eine Kabine neben der Landgangbrücke bewohnen und sich jeweils gestört fühlen, wenn die Brücke „krachend und knirschend“ heruntergelassen und wieder aufgezogen wird. Das Amtsgericht Rostock stufte den Lärm als „schiffstypisch“ – und damit lediglich als „Unannehmlichkeit“ ein. (Amtsgericht Rostock, Aktenzeichen: 46 C 322/09)

Offene Buchung Lässt ein Reiseveranstalter eine Buchung zu, in der neben dem feststehenden Namen des Kunden eine noch nicht namentlich genannte weitere Reisende „offengelassen“ wurde, so darf er später, wenn der Name nachgereicht wird, nicht den an dem betreffenden Tag maßgebenden Preis plus Umbuchungsgebühr berechnen. Dies hätte im hier verhandelten Fall fast zu einer Verdoppelung des Reisepreises geführt. Das Amtsgericht Westerstede entschied: Wenn ein Veranstalter „offene Buchungen“ zulasse, so seien diese Buchungen zum damaligen tagesaktuellen Tarif der Buchung selbst Vertragsgegenstand geworden. Somit habe zu gegebener Zeit dann ein „richtiger“ Name ohne weitere Kosten eingebucht werden dürfen. (Amtsgericht Westerstede, Aktenzeichen: 22 C 984/08)

Zug zum Flug Hat ein Reiseveranstalter den Transfer zum Flug per Zug der Deutschen Bahn „in sein Gesamtleistungspaket aufgenommen“, so wird die Bahn „Erfüllungsgehilfe“ des Veranstalters. Das hat zur Folge, dass der Reiseveranstalter für die Kosten aufkommen muss, wenn Kunden wegen eines Versäumnisses der Deutschen Bahn nicht rechtzeitig am Flughafen erscheinen können und deshalb auf andere Weise (hier mit dem eigenen Pkw) noch rechtzeitig an Ort und Stelle angekommen sind. Das Unternehmen kann nicht dagegen argumentieren, auf die Fahrpläne und etwaige Ausfälle der Bahn „keinen Einfluss“ gehabt zu haben. (Amtsgericht Hannover, Aktenzeichen: 553 C 6845/09)

Anwaltskosten Das Amtsgericht Düsseldorf hat einem verärgerten Pauschalreisenden die Erstattung der für einen Rechtsanwalt aufgewandten Kosten verweigert, obwohl er zumindest teilweise eine Preisminderung erreicht hatte. Die Inanspruchnahme eines Anwalts „für die Abfassung eines Schreibens“ sei nicht erforderlich gewesen. Denn der Reisende hätte nur die Mängel aufzuzählen brauchen, ohne bereits eine rechtliche Bewertung vornehmen zu müssen. (Amtsgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 232 C 8790/08) büs

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