RECHT & REISE : RECHT & REISE

Überzogene Stornokosten

Bei Ermittlung der Höhe der Stornokosten, die ein Urlauber zu zahlen hat, weil er die gebuchte Reise nicht antritt, ist nicht die tatsächliche anderweitige Verwendung des dann frei gewordenen Platzes durch den Reiseveranstalter ausschlaggebend, sondern „die objektiv noch mögliche“. (Weil dieser Betrag im Regelfall höher sein wird, sinkt dadurch der zu zahlende Teil für den verhinderten Urlauber.) Insbesondere dann, wenn der Kunde zeitlich weit vor Reiseantritt gekündigt hat, müsse der Reiseveranstalter belegen, weshalb „eine anderweitige Verwendung der Reiseleistung“ nicht möglich gewesen ist. Der Schaden muss dann korrekt berechnet werden. (Hier ging es um einen Kunden, der einen online bestellten Flug wenige Stunden später storniert hatte. Von den für den Flug zu zahlenden 280 Euro sollte er 255 Euro an Stornogebühren bezahlen. Da der Flug erst sechs Wochen später stattfinden sollte, hielt das Amtsgericht Bonn die Forderung für maßlos überzogen – und gestand dem dadurch unzumutbar belasteten Kunden die Rückzahlung des vollen Reisepreises zu.) (AmG Bonn, 101 C 385/09)

Geänderte Abflugzeit Das Amtsgericht Hamburg-Altona hat entschieden, dass ein Reisevermittler seinen Kunden zwar Änderungen von Flugzeiten mitteilen müsse – vorausgesetzt, ihm sind die Änderungen bekannt. Aber auch der Passagier müsse sich darum kümmern, dass er rechtzeitig am Flughafen ist. Im konkreten Fall buchte ein Mann eine Flugreise mehrere Monate vor Urlaubsantritt und hätte sich „selbst über Flugzeitänderungen informieren“ müssen. Er verpasste den Flug, weil er vorverlegt wurde, und verlangte Schadenersatz. Den bekam er aber nur zu 70 Prozent, eine Teilschuld liege bei ihm, so das Gericht. (AmG Hamburg-Altona, 316 C 151/09)

Haftung für Fluggepäck Fluggesellschaften haften für verloren gegangenes oder zerstörtes Gepäck ihrer Passagiere maximal bis zu 1134 Euro. Höhere Ersatzansprüche können aber geltend gemacht werden, wenn dafür mit der Airline eine Versicherung unter Angabe des Wertes der Gepäckstücke abgeschlossen wurde. Ersatzansprüche für immaterielle Schäden, die aus dem Verlust/der Zerstörung von Koffern entstanden sind, können nicht separat geltend gemacht werden. (EuGH, C 63/09)

Vollmacht Hat ein Ehemann für sich und seine Frau eine Reise gebucht, die aber vom Veranstalter abgesagt wird, so darf der Mann auch dann im Namen seiner Frau Schadenersatzansprüche geltend machen, wenn sie ihm dafür (noch) keine schriftliche Vollmacht erteilt hat. Der Bundesgerichtshof sah dafür keine Notwendigkeit, wenn die Vollmacht später (quasi als „Genehmigung“ für das Tun des Mannes) nachgereicht werde. Denn es sei ganz natürlich, dass derjenige, der die Reise für beide gebucht habe, zunächst auch unkonventionell für beide Ansprüche geltend machen könne. Alles andere sei Förmelei. Hier ging es um eine Donau-Kreuzfahrt zum Preis von insgesamt 4550 Euro, die wegen der Absage zu erstatten waren. Ferner verlangte das Ehepaar 50 Prozent des Reisepreises als „Entschädigung für entgangene Urlaubsfreuden“. (Bundesgerichtshof, Aktenzeichen: Xa ZR 124/09) büs

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