RECHT & REISE : RECHT & REISE

Mittagessen

gehört zu All-Inclusive

Keine Frage: Das Mittagessen gehört zu einem Urlaub, der mit „all-inclusive“ beworben wird, dazu. Verweigert ein Reiseveranstalter die Mittagsmahlzeit ohne Preisaufschlag, können seine Kunden einen Teil des Reisepreises zurückfordern und Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude fordern. Das geht aus einem Urteil des Amtsgerichts Leipzig hervor, über das die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in Wiesbaden in ihrer Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“ berichtet (Aktenzeichen: 109 C 5850/09).

Der Kläger und seine Ehefrau hatten eine All-Inclusive-Reise gebucht, der Reiseveranstalter weigerte sich am Urlaubsort, ein Mittagessen ohne Zuzahlung zu servieren. Er begründete das damit, dass er unter all-inclusive eine Verpflegung ohne Mittagessen verstehe. Außerdem gebe es keine juristische Definition des Begriffs all-inclusive. Das sei zwar richtig, gestanden die Richter zu. Die wörtliche Übersetzung des Begriffs bedeute jedoch „alle Verpflegungen eingeschlossen“ – und dazu gehöre üblicherweise auch das Mittagessen.

Dass der Veranstalter den Kunden den Umfang des all-inclusive-Pakets nicht offengelegt hat, entspreche nicht geltendem Recht. Ein Reiseveranstalter müsse sorgfältig und transparent darlegen, welche Leistungen er unter all-inclusive versteht.

Das vorenthaltene Mittagessen wertete das Gericht als Reisemangel. Der Urlauber und seine Ehefrau bekommen deshalb 20 Prozent des Reisepreises zurück. Außerdem erhalten sie Schadenersatz in Höhe von insgesamt 250 Euro. Denn während der zehn Urlaubstage hätten die Kläger jeden Tag selbst außerhalb der Hotelanlage ein Mittagessen organisieren müssen – mit entsprechendem Zeit- und Kostenaufwand.

Einzelzimmerzuschlag

muss frühzeitig vereinbart sein

Einzelzimmerzuschläge dürfen nicht noch kurzfristig vor Urlaubsbeginn erhoben werden. Das sei als unzulässige Preiserhöhung zu werten, entschied das Amtsgericht Leipzig (Aktenzeichen: 106 C 10556/09). Gestattet sei das nur, wenn zwischen Vertragsabschluss und Reisebeginn mehr als vier Monate liegen. Eine Frist von 14 Tagen reiche nicht.

Das Gericht wies damit die Forderungen des Klägers zurück, der von einer Urlauberin 200 Euro als Einzelzimmerzuschlag nachgefordert hatte. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in Wiesbaden in ihrer Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“.

In diesem Fall sei die Preiserhöhung auch nicht unerheblich, weil sich der Reisepreis dadurch um mehr als fünf Prozent erhöht hätte. In der Reiseanmeldung fand sich die Formulierung: „Bei Buchungsbestätigung wird erst einmal das Doppelzimmer berechnet, sollte sich jedoch bis 14 Tage vor Reiseantritt kein geeigneter Zimmerpartner gefunden sein, müssen wir den Einzelzimmerzuschlag berechnen.“ Diese Regelung ist zwar bei einer Reihe von Veranstaltern üblich, sie verstoße jedoch, so das Leipziger Gericht, gegen das Verbot kurzfristiger Preiserhöhungen.

Es sei zwar anzuerkennen, dass dem Kunden offenbar möglichst lange die Möglichkeit gegeben werden soll, nur für das halbe Doppelzimmer zu bezahlen. Nach Einschätzung des Gerichts ist das aber nicht mit den gesetzlichen Fristen vereinbar. Hinzu kommt, dass nicht eindeutig zu klären war, ob die Kundin sich mit der Bezahlung eines Einzelzimmerzuschlags einverstanden erklärt hatte. dpa

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