RECHT & REISE : RECHT & REISE

„Ziegenstall“ statt Kreuzfahrt

Bricht eine Frau auf der Gangway eines Kreuzfahrtschiffes in Jemen zusammen, mit dem sie und ihr Ehemann von Singapur nach Monaco unterwegs ist und wird sie mit Verdacht auf einen Herzinfarkt von der Schiffsärztin in ein örtliches Krankenhaus eingewiesen (das von der Patientin später als „Ziegenstall ohne Getränke und Nahrungsmittel“ bezeichnet wird), so kann das Ehepaar weder Schadenersatz noch Schmerzensgeld vom Veranstalter der Reise verlangen, wenn das Schiff seine Fahrt fortsetzt und sich herausstellt, dass die Diagnose der Schiffsärztin falsch war – die Reisende hatte lediglich einen Schwächeanfall. Insgesamt forderte das Paar 11 000 Euro Schadenersatz und 5 000 Euro Schmerzensgeld, da ihm „widerrechtlich die Weiterfahrt auf dem Kreuzfahrtschiff untersagt worden“ sei. Für die vierwöchige Reise hatte es 13 500 Euro bezahlt. Die Schiffsärztin diagnostizierte aufgrund der Vorerkrankung, einer Herzrhythmusstörung, und die Reiseleiterin untersagte die Weiterfahrt. Das Gericht wies die Klage ab. Der Veranstalter müsse nicht für etwaige Fehler des ärztlichen Personals einstehen, da die ärztlichen Leistungen nicht Bestandteil des Reisevertrages waren – auch wenn im Reiseprospekt mit einem „modern eingerichteten Hospital“ an Bord und einem „erfahrenen Schiffsarzt“ geworben wurde. Es sei angesichts der lebensbedrohlichen Diagnose vertretbar gewesen, „die Sicherheit eines Klinikbetriebs mit medizinischem Personal als sichersten Weg dem Bordhospital mit nur einem Arzt vorzuziehen“. (Landgericht Bonn, Aktenzeichen: 3 O 31/09) büs

Gepäck verloren Urlauber haben auch Anspruch auf Schadenersatz für verlorenes Gepäck, wenn sie dafür keinen Gepäckschein haben. Sie bekommen also auch dann Geld, wenn ein Mitreisender Gepäck für sie aufgegeben hat und dieses beim Flug verloren geht. Das geht aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs hervor, auf das die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“ hinweist. In dem Fall hatten die Klägerin und ihr Lebensgefährte einen Flug nach Malaga gebucht. Dabei ging die Golfreisetasche der Frau verloren, in die auch ihr Partner seine Golfausrüstung gepackt hatte. Die Klägerin erhielt 232 Euro, forderte aber außerdem Geld für den Verlust der Golfausrüstung ihres Lebensgefährten. Die Richter gaben ihr recht. Der Gepäckschein sei dafür nicht notwendig. Entscheidend sei, dass der Reisende tatsächlich Gepäck in die Obhut der Fluggesellschaft gegeben hat. Und das sei auch der Fall, wenn Mitreisende das Gepäck aufgeben. Auch wenn diese bereits die höchstmögliche Entschädigung gemäß des Montrealer Übereinkommens erhalten haben, steht dem Geschädigten eine eigene Entschädigung zu. Der Reisende muss aber nachweisen, dass das verlorene Gepäck ihm gehörte – und die Höhe des Schadens belegen. (Bundesgerichtshof, Aktenzeichen: X ZR 99/10) Tsp

„Heil“-Gruß von Animateuren Führen Animateure auf der Bühne eines Hotels (in Ägypten) einen Sketch auf, in dem unterschiedliche Arten des Grüßens durch die verschiedenen Völker imitiert werden, und gehen dabei zwei Animateure im Stechschritt aufeinander zu, wobei sie den linken Arm erheben und „Heil“ brüllen, so kann das für einen deutschen Gast ein Reisemangel sein. Das Amtsgericht München bewertete den „verunglückten Sketch“ als Zeichen dafür, „als Deutscher nicht willkommen zu sein“. 20 Prozent vom Tagespreis der Reise sprach das Gericht dem Ehepaar zu, dass sich seit dem Vorfall im Hotel nicht mehr wohlfühlte. Weil der Sketch allerdings am vorletzten Tag des Aufenthalts aufgeführt wurde, gab es nur eine Rückzahlung für zwei Tage, was hier 35 Euro ausmachte. (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 281 C 28813/09) büs

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