RECHT & REISE : RECHT & REISE

An Bord

Vollkommene Stille dürfen Passagiere auf einem Kreuzfahrtschiff nicht erwarten. Sowohl der Schiffsmotor als auch Arbeiten an Deck machen nun einmal einen gewissen Lärm. Der ist hinzunehmen und kein Reisemangel, für den es Geld zurückgibt, entschied das Amtsgericht Rostock. Das gilt umso mehr, wenn die Reederei in den Bordinfos im Katalog ausdrücklich darauf hinweist, dass Motoren und andere Geräusche an manchen Stellen auf dem Schiff zu hören sind. Die Kläger hatten sich über den Lärm beschwert, der von der Ladeluke und dem Transportband dahinter zu ihnen gedrungen sei. Solche Geräusche seien jedoch schiffstypisch, argumentierte das Gericht und daher von den Urlaubern hinzunehmen. (Aktenzeichen: 47 C 241/10)dpa

Abwärts Wird die Route einer Trekkingreise geändert, die als absoluten Höhepunkt einen fünftägigen Aufenthalt am Fuße des 8000-Meter-Berges „K 2“ in China vorsah, so können die Reisenden einen Preisnachlass von 30 Prozent verlangen. Es sollte laut Reiseprogramm die Möglichkeit eines Tagesausflugs auf den K2-Aussichtspunkt in 4000 Meter Höhe bestehen. Angeblich hatte die chinesische Regierung den Aufenthalt dort überraschend verweigert. Nach dieser Information hätte der Reiseveranstalter zwar eine „Kündigung“ der Reiseverträge aussprechen können – allerdings mit der Folge, dass die Teilnehmer hätten nach Hause befördert werden und etwaige Mehrkosten für die Rückreise je zur Hälfte vom Veranstalter und den Kunden hätten getragen werden müssen. Diese Kündigung wurde jedoch nicht ausgesprochen, da der Veranstalter die geänderte Route bis ins Detail bereits ausgearbeitet hatte, er also seinen Willen bekundet hatte, die Reise fortzusetzen. Die klagenden Kunden blieben dennoch auf 40 Prozent der Gerichts- und Anwaltskosten sitzen, weil sie eine Preisminderung von 50 Prozent gefordert hatten, jedoch nur 30 Prozent zugesprochen bekamen. (Amtsgericht Bergisch-Gladbach, Aktenzeichen: 60 C 42/09) büs

Erkrankt Wollen Urlauber von dem Hotel beziehungsweise als Pauschalreisende von ihrem Reiseveranstalter Schadenersatz für eine während ihres Aufenthaltes erlittene Krankheit wegen unzureichender Hygiene unter anderem in der Küche erhalten, so müssen sie nachweisen, dass ihre Maladie darauf zurückzuführen ist. Es genügt nicht, dass drei Kinder der Familie an Salmonellen erkrankt sind und auch anderen Hotelgästen übel war. Es muss sich schon um eine „erhebliche Zahl“ von gleichartig Erkrankten handeln, wofür „weniger als zehn Prozent“ (hier: 2,24 Prozent) nicht ausreichen. Hier ging es um ein Hotel in der Türkei, in dem drei Kinder einer Familie Fieber, Brechdurchfall und Magenkrämpfe bekamen, was auf das Hotelessen zurückgeführt wurde. Die Klage auf eine komplette Reisepreiserstattung und Schmerzensgeld wurde abgelehnt, weil sich die Kinder ihr Leiden auch anderswo hätten zugezogen haben können. (Landgericht Leipzig, Aktenzeichen: 5 O 1659/10) büs

Verschollen Rügt ein Pauschalreisender einen während der Tour festgestellten Mangel erst mehrere Tage später, so kann er dafür eine Reisepreisminderung erst vom Tag der „Meldung“ an geltend machen. Hier ging es um ein – fotografisch bewiesen – verschmutztes Bad, worauf der Kunde sofort per E-Mail den Reiseveranstalter hingewiesen haben will. Seine Nachricht war aber dort nicht registriert worden. Das Landgericht Duisburg kam dem Wunsch nicht nach, den Vorfall per Sachverständigengutachten prüfen zu lassen. Eine „Durchsuchung der technischen Einrichtungen des Reiseveranstalters oder seines Providers“ komme nicht in Betracht. (Aktenzeichen: 12 S 67/10) büs

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