RECHT & REISE : RECHT & REISE

Kein Whiskey an Bord

Ein Passagier darf nicht von einem Kreuzfahrtschiff verwiesen werden, nur weil er eine Anordnung des Bordpersonals nicht befolgt hat. Die Weigerung oder der Verstoß gegen die Hausordnung müsste schon Auswirkungen auf Schiff, Besatzung oder Passagiere haben, urteilte das Amtsgericht Frankfurt (Az.: 385 C 2455/10). Ist das nicht der Fall, erhalte der hinausgeworfene Urlauber den Reisepreis zurück und darüber hinaus Schadenersatz. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“. In dem Fall ging es um eine Kreuzfahrt nach St. Petersburg und Tallinn, die der Kläger für sich und eine Begleiterin gebucht hatte. Als der Mann in Oslo an Bord ging, musste er seine Koffer öffnen. Darin fand das Sicherheitspersonal zwei angebrochene Flaschen Whiskey, die mit Klebeband versiegelt wurden. Der Kläger nahm die Flaschen trotzdem wieder an sich und wurde am folgenden Tag in Kopenhagen zusammen mit seiner Begleiterin des Schiffes verwiesen. Der Kläger buchte darauf für sich und die Frau einen Flug von Kopenhagen zurück nach Zürich. Ihm den Aufenthalt an Bord nicht mehr zu erlauben, sei nicht gerechtfertigt gewesen, urteilte das Gericht. Von dem Whiskey sei keine Gefahr ausgegangen, und der Kläger sei nicht betrunken gewesen. Sein Verhalten habe keine Auswirkungen auf die Abläufe an Bord oder auf andere Passagiere gehabt.

Der Reisepreis der „Verbannten“ müsse um sechs Siebtel gemindert werden, entschied das Gericht. Außerdem habe der Kläger Anspruch auf Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude. Auch der Rückflug, den der Kläger gebucht hatte, muss erstattet werden.dpa

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