RECHT & REISE : RECHT & REISE

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Feuchte Schiffstreppe

Stürzt eine Urlauberin auf einem Kreuzfahrtschiff (hier mit dem Hauptziel Ägypten), weil Schiffspersonal eine Marmortreppe gewischt und nicht vollständig abgetrocknet hatte, so kann sie vom Reiseveranstalter Schadenersatz und Schmerzensgeld verlangen. Es hätte so lange auf die Rutschgefahr aufmerksam gemacht werden müssen, wie die Treppe noch feucht war. Versäumt das sowohl das Management des Schiffes als auch die Putzfrauen, so haftet der Veranstalter. Im konkreten Fall vor dem Oberlandesgericht Koblenz mussten insgesamt 5000 Euro bezahlt werden. (Oberlandesgericht Koblenz, Aktenzeichen: 2 U 904/09)

Attest Storniert ein Mann eine Reise, so muss die Reiserücktrittskostenversicherung auch dann leisten, wenn er erst zwei Tage nach seiner Stornierung, jedoch noch vor Reisebeginn, zum Arzt geht und ein Attest bekommt, das seine Reiseunfähigkeit eindeutig bestätigt. Entscheidend sei, so das Amtsgericht Flensburg, dass der Arztbesuch vor dem geplanten Reiseantritt stattgefunden hat. Dass der Versicherte nicht gleich mit dem ersten Krankheitssymptom zum Arzt gegangen ist, sei ihm nicht vorzuwerfen. (Amtsgericht Flensburg, Aktenzeichen: 69 C 43/10)

Umzug Muss eine Familie am Urlaubsort sowohl am ersten als auch am letzten Tag ihrer (hier acht Tage dauernden) Reise in einem anderen als dem gebuchten Hotel übernachten, so kann sie dafür den Reisepreis anteilig mindern. Das Amtsgericht München sprach eine Minderung in Höhe von 80 Prozent für die beiden Tage zu. Die Forderung der Familie, jeweils 100 Prozent erstattet zu bekommen, wurde ebenso abgelehnt wie der geforderte Schadenersatz. Waren die Ausweichhotels jeweils eine halbe Kategorie höher eingestuft und wurde auch der Transfer organisiert, so müsse es mit den 80 Prozent sein Bewenden haben. Dass zwei Umzüge innerhalb einer relativ kurzen Reise „ärgerlich“ seien, sah das Gericht auch so. Allerdings sei das nicht derartig gravierend, dass die Umzugstage keinen Erholungswert mehr gehabt hätten. Nur bei „null Erholung“ sei Schadenersatz angemessen. (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 171 C 25962/10)

Informationspflicht Ein Reiseveranstalter hat grundsätzlich die Pflicht, seine Kunden über Einfuhrbestimmungen in das gebuchte Land zu informieren, soweit diese Informationen leicht zugänglich sind. Im konkreten Fall ging es darum, dass ein Mann für sich und seine Frau eine Reise nach Dubai gebucht hatte, ohne zu wissen, dass bestimmte – für seine Frau unverzichtbare – Medikamente nicht in das arabische Land eingeführt werden dürfen. Er stornierte die Reise und verlangte die Rückzahlung des Reisepreises. Das Landgericht Berlin sprach ihm das grundsätzlich zu – legte ihm aber auch eine Teilschuld von einem Drittel auf. (LG Berlin, Aktenzeichen: 38 O 43/11)Wolfgang Büser

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