RECHT & REISE : RECHT & REISE

Flug gestrichen

Eine Fluggesellschaft muss die Hotelunterbringung von Passagieren organisieren, wenn der Flug gestrichen wird. Macht sie das nicht, und gibt es keine Flugalternativen, kann sie einem Fluggast nichts vorwerfen, wenn der sich selbst ein Zimmer sucht. Sie muss die Kosten dafür übernehmen und kann sich auch nicht einfach damit herausreden, es hätte günstigere Zimmer gegeben, entschied das Gericht. In dem Fall hatte der Kläger einen Flug von Havanna nach Frankfurt am Main gebucht. Der Abflug verschob sich um sieben Tage. Die Fluggesellschaft kümmerte sich zunächst weder um Verpflegung noch um eine Unterkunft für ihren Kunden und hat dadurch nach Einschätzung des Gerichts ihre Pflichten verletzt. Der Kläger suchte sich selbst ein Hotelzimmer und verlangte Schadenersatz in Höhe von gut 1100 Euro für die Kosten. (AG Rüsselsheim, Aktenzeichen: 3 C56/11 ) dpa

Miefig Für denjenigen, der einen übelriechenden Sitznachbarn hat, kann sich der Flug unendlich lang anfühlen. Wegen strengen Körpergeruchs musste ein Passagier am Flughafen Honolulu das Flugzeug vor seinem Rückflug nach Düsseldorf wieder verlassen. Auf die Bitte des Flugbegleiters, das Hemd zu wechseln, konnte er nicht reagieren, da seine Koffer bereits im Frachtraum verstaut waren. Der Passagier argumentierte damit, bei tropischen Temperaturen mit drei Koffern durch den nicht klimatisierten Flughafen gerannt und nicht verschwitzter als andere Reisende gewesen zu sein. Doch das half alles nichts: Da die Airline die Beförderung von Reisenden mit „extremem Körpergeruch“ in ihren Geschäftsbedingungen ausgeschlossen hat, musste der Passagier draußen bleiben. Vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf klagte er anschließend auf 2200 Euro Schadensersatz. Das hielt das Gericht jedoch für überzogen und sprach dem Kläger lediglich die Kosten in Höhe von 260 Euro für die zusätzliche Hotelübernachtung zu, die er wegen des verpassten Fluges in Anspruch nehmen musste. (OLG Düsseldorf, Aktenzeichen: I-18U 110/06) büs

Verschnarcht Schnarchende Sitznachbarn sind auf einem Langstreckenflug besonders ärgerlich. Wer dem Jetlag durch Schlafen vorbeugen will, hat da leider schlechte Karten. Ein Reisender erhob Klage gegen die Fluggesellschaft, weil auf seinem Langstreckenflug nach Südafrika ein schnarchender Nebenmann seine Nachtruhe störte. Der Kläger wollte aufgrund dieses vermeintlichen Reisemangels den Flugpreis mindern; die Klage wurde vom Amtsgericht Frankfurt abgewiesen. Begründung: Schnarcher sind eine Unannehmlichkeit, aber kein Reisemangel. Das Gericht urteilte: Bei einem Langstreckenflug sei es normal, dass Reisende schlafen und einzelne Personen schnarchen. (AG Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 31 C 842/01-83) Tsp

Kein Platz Gestrandete Flugpassagiere haben keinen Vorrang. Den anderen Fluggästen, die ein regulär gebuchtes Ticket haben, könne dieses nicht einfach entzogen werden, urteilte das Landgericht Frankfurt am Main. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“. In dem Fall saß ein Ehepaar wegen des Vulkanausbruchs in Island zunächst auf der Karibikinsel Antigua fest und konnte ihren Rückflug erst neun Tage später von St. Lucia aus antreten. Dafür forderte es von der Fluggesellschaft die Rückerstattung der zusätzlichen Kosten sowie des Verdienstausfalls. Die Kläger argumentierten, der Rücktransport wäre bereits mit zwei früheren Flügen möglich gewesen. Die Fluggesellschaft verwies darauf, dass in beiden Flugzeugen keine Plätze mehr frei gewesen seien. Das Gericht entschied, dass Passagiere mit einer regulären Buchung grundsätzlich Vorrang vor gestrandeten Fluggästen haben. In dem verhandelten Fall habe die Fluggesellschaft allerdings nicht konkret darlegen können, dass auf den beiden Flügen keine Plätze mehr für das Ehepaar frei waren. Deshalb stehe dem Ehepaar Schadensersatz zu. (LG Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2-24 O 99/11) dpa

Aufklärung Ein Reisebüro muss über die Stornobedingungen aufklären, wenn ein Kunde einen Flug bucht. Andererseits muss der Kunde glaubhaft machen, dass das nicht passiert ist, wenn er Ansprüche stellen will. In dem Fall forderte die Klägerin Schadensersatz für ein nicht genutztes Ticket. Sie hatte für 768 Euro einen Flug nach Florida gebucht, stornierte die Buchung dann aber aus persönlichen Gründen. Der Preis setzte sich aus 503 Euro Flugkosten und 265 Euro Steuern und Zuschläge zusammen. Das Reisebüro erstattete nur 74,60 Euro. Die Klägerin behauptete, sie habe nichts davon gewusst, dass dieser Flug nicht zu stornieren gewesen sei, und verlangte zumindest die Rückerstattung der kompletten Nebenkosten. Das Gericht wies das zurück. Ein Mitarbeiter des Reisebüros habe glaubhaft bekundet, er habe der Kundin die Stornobedingungen genannt und auch erläutert, dass nur ein Teil der Steuern und Gebühren erstattet werde. Es blieb bei der Erstattung von 74,60 Euro. (Amtsgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 30 C 346/11 ) dpa

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