RECHT & REISE : RECHT & REISE

Unwetterwarnung

Storniert eine Frau ihre nach Sri Lanka gebuchte Reise kurz vor dem Termin, weil das Auswärtige Amt eine Unwetterwarnung veröffentlicht hatte, so darf ihr der Reiseveranstalter, der die Warnung nicht für erheblich hielt, keine Stornokosten auferlegen (hier geschehen in Höhe von 60 Prozent des 5300 Euro betragenden Reisepreises). Beim Oberlandesgericht München bekam sie recht, weil es sich in dem betreffenden Zielgebiet um dramatische Regenfälle gehandelt hatte, die schließlich zum Tod von mehr als 40 Menschen und 300 000 Obdachlosen geführt hatten. (Oberlandesgericht München, Aktenzeichen: 21 U 519/12)

Behindert Eine Frau, die an einer Studienreise nach Südafrika teilgenommen hat, kann später vom Veranstalter keine Reisepreisminderung durchsetzen, weil sie sich von einem behinderten, beinahe blinden Mitreisenden gestört fühlte. Das gelte auch dann, wenn die Reiseleitung sich an den Programmpunkten zeitaufwendig um die Betreuung des Behinderten kümmerte und deswegen für die anderen Teilnehmer weniger präsent gewesen sei. Das Gericht war nicht der Meinung der Klägerin, dass das Reiseunternehmen die Verantwortung habe, nur solche Gäste mitzunehmen, die die Strapazen entweder selbstständig oder mithilfe einer dauernden persönlichen Betreuungsperson meistern könnten. Behinderte Gäste gehören „zum Risiko einer Gruppenreise“. Der Gesunde möge sich vielmehr daran erfreuen, „nicht behindert zu sein und sich nicht darüber beschweren, dass es auch Behinderte gäbe, die an Reisen teilnehmen wollen“. (Amtsgericht München, AZ: 223 C 17592/11)

Umzug Reiseveranstalter sind verpflichtet, ihre Kunden „über wesentliche Änderungen der Reiseleistungen“ rechtzeitig zu informieren – nämlich vor Antritt der Reise. Dies jedenfalls dann, wenn davon auszugehen ist, dass sich „die Informationspflichtverletzung auf erhebliche Reisemängel bezieht, die zu einer Kündigung des Reisevertrages berechtigen“. Davon wird regelmäßig dann ausgegangen, wenn der Reisemangel mindestens mit 50 Prozent des Reisepreises anzusetzen ist (was hier bei einem erzwungenen Umzug in ein anderes Hotel angenommen wurde, das bei Weitem nicht den Erwartungen aufgrund der Schilderung im Reisekatalog entsprach). Bedingung für eine Reisepreisminderung ist allerdings, dass die Mängel vorher „gerügt“, also nicht erst nach Ablauf der Reise geltend gemacht wurden. (Landgericht Frankfurt am Main, AZ: 2/24 S 35/10)

Schwankend Stürzt eine Kreuzfahrtpassagierin auf dem Weg von der Toilette in ihre Kabine, weil sie auf dem schwankenden Schiff den Halt verlor und über eine Stufe stolperte, kann sie die Reederei nicht für Schadenersatz und Schmerzensgeld in Anspruch nehmen, wenn sie dabei einen Beckenbruch erleidet. Ihr Argument, es habe in der Kabine keine Haltegriffe gegeben, zog nicht. Dazu seien Reedereien nicht verpflichtet. Auch gehöre es nicht zu deren Aufgaben, die Kabine so zu konstruieren, dass zur Nasszelle keine Stufe vorhanden sei. Jedem Passagier müsse klar sein, dass das Schiff schwanken könne – insbesondere, wenn die Reisenden zum Zeitpunkt des Sturzes bereits ausreichend (hier: vier Tage) Zeit hatten, sich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. (Amtsgericht Rostock, AZ: 47 C 406/11) büs

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