RECHT & REISE : RECHT & REISE

Unbequem

Einen defekten Sitz im Flugzeug müssen Passagiere nicht dulden. Schon gar nicht auf einem Langstreckenflug und wenn sie extra die Comfort Class gebucht haben, um es bequemer zu haben. Bei einer Pauschalreise müssen sie in diesem Fall nicht den vollen Reisepreis bezahlen, entschied das Landgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen: 2-24 O 31/12), wie die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift „Reiserecht aktuell“ berichtet. In dem Fall hatte die Klägerin eine Pauschalreise nach Mauritius gebucht, Hin- und Rückflug mit Aufpreis in der Comfort Class. Doch schon beim Hinflug ließ sich ihr Sitz nicht ausfahren. Die Klägerin beschwerte sich bei der Stewardess, die nicht helfen konnte. Sie versprach, den Defekt zu melden. Beim Rückflug zwei Wochen später saß die Urlauberin in derselben Maschine auf demselben Platz: Wieder ließ sich der Sitz nicht ausfahren. Das war nach Ansicht der Richter ein erheblicher Mangel. Die Buchung der Comfort Class solle gerade ermöglichen, auf langen Flügen Entspannung und Schlaf zu finden. Das sei aber nicht möglich, wenn der Fluggast den Sitz nicht ausfahren könne. Weil der Defekt sowohl beim Hin- als auch beim Rückflug auftrat, sprach das Gericht der Klägerin den Anteil für einen Tag vom Gesamtreisepreis zu, in diesem Fall 356 Euro. dpa

Höhere Gewalt Der Bundesgerichtshofs (BGH) hat entschieden, dass ein Reisevertrag über eine Karibikkreuzfahrt nach Fort Lauderdale/USA von einem Ehepaar wegen höherer Gewalt gekündigt werden darf, wenn die Flugverbindungen zum Ausgangspunkt der Kreuzfahrt wegen eines behördlich angeordneten Flugverbots (hier wegen der von dem isländischen Vulkan Eyjafjallajökull ausgestoßenen Aschewolke) ausgefallen sind. Der Reiseveranstalter hatte wegen der Kündigung 90 Prozent des Reisepreises als Stornogebühr verlangt. Der BGH wies die Auffassung der Vorinstanz zurück, dass der Reisevertrag über eine Kreuzfahrt nicht wegen höherer Gewalt gekündigt werden dürfe. Zwar habe das Schiff planmäßig ablegen und die Kreuzfahrt als solche regulär stattfinden können, doch sei es den Urlaubern wegen des verhinderten Fluges nicht möglich gewesen, das Schiff rechtzeitig zu erreichen. Der Kläger habe deshalb Anspruch auf Rückzahlung des kompletten Reisepreises. (BGH, Aktenzeichen: X ZR 2/12) büs

§

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben