RECHT & REISE : RECHT & REISE

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Mitfahrer

Macht eine Skifahrerin einen Mann für einen Sturz verantwortlich, den die beiden an einem Doppel-Schlepplift hatten (und bei dem sie sich das Handgelenk gebrochen hat), so muss sie beweisen, dass der aus ihrer Sicht „unerwünschte Mitfahrer“ tatsächlich die Verantwortung für das Dilemma zu tragen hatte. Macht sie jedoch im Laufe der Verhandlung drei verschiedene Aussagen zum Ablauf des Geschehens und behauptet sie unter anderem, dass es an dem Lift nicht möglich sei, „innerhalb von acht Sekunden“ in eine ordnungsgemäße Stellung an dem Schlepper zu gelangen, so geht sie leer aus, wenn zwei Richter des urteilenden Gerichts selbst alpine Skifahrer sind, einer sogar den Skiort und den „Lift des Unfalls“ kennt und weiß, dass es dort „sogar Kindern möglich ist, ordnungsgemäß in die Liftspur innerhalb des von der Verletzten angegebenen Zeitintervalls zu gelangen“. Es habe sich lediglich um eine Verwirklichung des allgemeinen Lebensrisikos gehandelt. (Oberlandesgericht Bamberg, Aktenzeichen: 6 U 38/12)

Spur halten Ob beim Skikurs oder bei rasanter Abfahrt: Ein Zusammenprall kann unangenehme Folgen haben, die sich nicht nur in Schmerzen, sondern auch in Ansprüchen auf Schadenersatz und Schmerzensgeld niederschlagen. Denn nach den vom internationalen Skiverband aufgestellten FIS-Regeln haben Skifahrer ihre Spur so zu wählen, dass sie vor ihnen befindliche Skifahrer nicht gefährden. Der von oben kommende Skifahrer hat „in vorausschauender Weise mit allen Bewegungen des unten Fahrenden zu rechnen …“. Im verhandelten Fall fuhr ein Teilnehmer während eines Skikurses einer Teilnehmerin in die Seite, nachdem diese plötzlich gebremst hatte, um zur wartenden Gruppe zu wechseln. Ihr wurden 4000 Euro Schmerzensgeld für dabei erlittene Verletzungen zugesprochen. (Oberlandesgericht München, Aktenzeichen: 20 U 4661/10)

Pfosten Spricht bereits der „Beweis des ersten Anscheins“ dafür, dass sich ein Skifahrer einen komplizierten dreifachen Beinbruch deswegen zugezogen hat, weil er an einer Talstation eines Skiliftbetreibers gegen einen ungepolsterten Begrenzungspfosten aus Eisen fährt, so bedarf es keiner weiteren Beweiserhebungen mehr, um den Betreiber der Station wegen Verletzung seiner Verkehrssicherungspflicht zu belangen. Es sei eine „allgemeinkundige Tatsache“, dass sich gerade im Bereich von Lift-Talstationen besonders viele Skifahrer zusammenballten und es dort auch besonders häufig zu Kollisionen und Stürzen komme, so das Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Deswegen müsse ein solch harter und „unnachgiebiger“ Pfosten unbedingt gepolstert werden. Das Gericht sprach dem verletzten Skifahrer ein Schmerzensgeld in Höhe von 14 000 Euro sowie eine Entschädigung für Verdienstausfall und Heilbehandlungskosten zu. (Aktenzeichen: 1 U 184/07) Wolfgang Büser

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