RECHT & REISE : RECHT & REISE

Überbucht

Eine andere Unterkunft als die gebuchte müssen Urlauber nicht akzeptieren. Ist das gewünschte Hotel überbucht, gilt die Unterbringung in einem Ersatzhotel als ein erheblicher Mangel, der zur Kündigung des Reisevertrags berechtigt. So urteilte das Landgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen: 2-24 S 199/11), berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“. Dabei muss der Urlauber nicht begründen, warum er das Ersatzhotel nicht akzeptiert. In dem Fall hatte der Urlauber seine Reise abgebrochen, nachdem sein Hotel im ägyptischen Hurghada überbucht war. Er und seine Partnerin waren vom Flughafen direkt in ein anderes Hotel gefahren worden. Dagegen hatte er protestiert und verlangt, im gebuchten Hotel zu wohnen. Als das nicht möglich war, kündigte er den Reisevertrag und flog nach Deutschland zurück. Der Veranstalter habe die vereinbarte Reiseleistung nicht erbracht, als er den Kunden in ein anderes Hotel schickte, argumentierte das Gericht. Er habe kein Recht, den Kunden ohne dessen Zustimmung woanders unterzubringen. Weil er das dennoch getan habe, liege ein erheblicher Mangel vor, so dass der Reisevertrag gekündigt werden dürfe. Nach Ansicht des Gerichts hat der Kunde Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises sowie auf eine Entschädigung für die drei Tage, die er und seine Partnerin bis zum Rückflug in dem Ersatzhotel wohnen mussten. Dafür veranschlagten die Richter 181,50 Euro, das entspricht 25 Prozent des anteiligen Reisepreises für diese drei Tage. dpa

Verspäteter Abflug Eine erhebliche Flugverspätung müssen die Fluggäste nicht hinnehmen. Die Fluggesellschaft kann sich auch nicht damit rausreden, die Maschine sei beim Flug zuvor von einem Blitz getroffen worden. Das gelte nicht als außergewöhnlicher Umstand im reiserechtlichen Sinn, urteilte das Amtsgericht Erding (Aktenzeichen: 3 C 719/12). Das Risiko, das die Fluggesellschaft eingeht, wenn sie eine Maschine auf mehreren Strecken mit einem engen Zeitplan einsetzt, dürfe keine Nachteile für Passagiere haben. In dem Fall war der Flieger drei Stunden zu spät gestartet und auch entsprechend später am Ziel angekommen. Die Airline wies alle Ansprüche auf Ausgleichszahlungen zurück und begründete das damit, das Flugzeug sei auf dem Flug zuvor von einem Blitz getroffen worden, was eine Reihe technischer Kontrollen notwendig gemacht habe. Nach ihrer Ansicht sei ein Blitzeinschlag ein „außergewöhnlicher Umstand“, sodass schon deswegen kein Ausgleichsanspruch für die Fluggäste bestehe. Das sah das Gericht anders: Selbst wenn es direkt beim vorherigen Flug einen Blitzeinschlag gab, sei nicht klar, ob die Fluggesellschaft alle zumutbaren Möglichkeiten ausgeschöpft habe, um die Verspätung zu vermeiden. Der bloße Hinweis, eine andere Maschine aus der eigenen Flotte sei nicht zu bekommen gewesen, reiche nicht. Die Airline hätte auch versuchen müssen, eine Maschine zu chartern. dpa

Endreinigung Der Vermieter einer Ferienwohnung, der online seine Unterkunft anbietet, darf nicht neben dem dort angegebenen Mietpreis pro Woche zusätzlich Kosten für die abschließende Endreinigung in einer separaten und ungenauen Klausel angeben. Von der Klausel überraschte Gäste brauchen die Gebühren für die Reinigung nicht zu bezahlen. Im konkreten Fall hatte der Anbieter die Formulierung „Euro 10,00 pro Person, mindestens Euro 50,00“ an versteckter Stelle auf seiner Website angegeben. Ein Mitbewerber sah darin einen Wettbewerbsverstoß und klagte erfolgreich dagegen. Das Landgericht Düsseldorf entschied, dass ein Endpreis tatsächlich alle Preisbestandteile enthalten müsse. Das gelte jedenfalls dann, wenn es sich gerade nicht um eine fakultative Zusatzleistung handelt, sondern um eine Leistung, die „zwingend in Anspruch genommen werden muss“. (Landgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 12 O 301/12) büs

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