RECHT & REISE : RECHT & REISE

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Gestrichener Landgang

Fällt während einer 14-tägigen Kreuzfahrt über Norwegen, Island und Schottland ein Landgang in Reykjavik wegen schlechter Wetterlage aus, so rechtfertigt das keinen Anspruch auf eine Reisepreisminderung. Das Gericht befand, dass sich dazu der Charakter der Reise nicht verändert habe, auch wenn dadurch eine Übernachtung an Land ausgefallen sei. (Der Reiseveranstalter hatte freiwillig 450 Euro als Schadenersatz gezahlt – mehr sei nicht erforderlich gewesen.) (Amtsgericht Rostock, Aktenzeichen: 47 C 381/11)

Drei Stunden Ob ein Passagier wegen einer erheblichen Verspätung von mindestens drei Stunden am Zielort eine Ausgleichsleistung von der Airline verlangen kann, hängt nicht davon ab, zu welchem Zeitpunkt die Maschine abgelegt und auf das Rollfeld gefahren ist, sondern vom „Abheben“ des Fluggeräts. Das heißt: Das Warten in der Ausgangsposition und der Weg zur Startbahn zählen nicht mit. Im verhandelten Fall hatte das allerdings keine Auswirkung auf die Höhe des Geldanspruchs, da sich der Abflug um insgesamt 16 Stunden verzögerte und die Urlauber entsprechend später am Zielort ankamen. Je nach Dauer des Ablegens von der Ablagestelle bis zum Rollfeld und dem Abheben kann es aber durchaus zu der Konstellation kommen, dass die „mindestens drei Stunden Verspätung“ noch nicht erreicht waren, nachdem „abgehoben“ wurde, weil die Zeit bis dahin nicht mitzählt. (Amtsgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 37 C 3495/11)

Airline in der Pflicht Auch wenn ein Luftfahrtunternehmen an einer erheblichen Verspätung von Flügen schuldlos ist, hat es die Pflicht, seinen Passagieren sogenannte Betreuungsleistungen zur Verfügung zu stellen. Dazu gehören zum Beispiel Verpflegungs- und sogar Hotelkosten, wenn Übernachtungen erforderlich wurden. Dieses Recht gilt unabhängig vom Preis des Flugtickets. Im verhandelten Fall wurde so vom Europäischen Gerichtshof zulasten der irischen Airline Ryanair entschieden, deren klagender Passagier 98 Euro für sein Ticket bezahlt hatte, aber als Betreuungsleistung 1130 Euro zugesprochen bekam, die er verauslagt hatte. Es ging um das Naturereignis „Aschewolke“ aus dem isländischen Vulkan Eyjafjallajökull. Eine bei schuldhafter Verzögerung zu zahlende Entschädigung in Höhe von 250 bis 600 Euro – fällig je nach Entfernung zum Zielort – konnte jedoch nicht gefordert werden. (Europäischer Gerichtshof, Aktenzeichen: GH, C 12/11)

Zu früh gezahlt Ein Kreuzfahrtunternehmen ist nicht berechtigt, von seinen Passagieren bereits 90 Tage vor Reiseantritt den vollen Reisepreis zu kassieren. Dadurch werden die Kunden unangemessen benachteiligt, da die Zahlungsmodalität „auch unter Berücksichtigung der berechtigten Interessen eines Reiseveranstalters, eine nicht hinnehmbare Abweichung vom gesetzlichen Leitbild einer Vorleistungspflicht“ darstelle, wie die Richter formulierten. (Landgericht Köln, Aktenzeichen: 26 O 351/11)Wolfgang Büser

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