RECHT & REISE : RECHT & REISE

Abgewiesen

Mit einem sonderbaren Verhalten überraschte – und verärgerte eine Airline einen Fluggast, der 30 Minuten vor dem Ablauf am Check-in erschienen und noch abgefertigt worden war. Dabei wurde aber offenbar nicht darauf geachtet, dass das Boarding an sich schon beendet war und niemand mehr in die Maschine einsteigen konnte. Der Fluggast wurde deshalb abgewiesen und hatte dafür, da er ja noch „angenommen“ worden war, kein Verständnis. Er zog vor das Landgericht Frankfurt am Main, wo er auf Schadenersatz klagte – und gewann. Das Luftfahrtunternehmen habe ihn unrechtmäßig mit der Begründung zurück- gelassen, dass er mindestens 45 Minuten vor dem Ablauf am Schalter hätte sein müssen. Die vorgenommene Abfertigung habe ihm das Recht zum Mitflug gegeben. (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/24 S 151/12)

Gedruckt Ein Urlaubswilliger hatte sich seine Bordkarten für einen Flug am PC ausdrucken lassen. Als seine Frau erkrankte und die Reise nicht antreten konnte, informierte er seinen Reiserücktrittskostenversicherer noch am selben Tag. Das Versicherungsunternehmen verweigerte allerdings die Kostenübernahme, da der Mann durch den Ausdruck der Bordkarten bereits den Reiseantritt vorgenommen habe. Dieser Argumentation wollte das Amtsgericht Bremen allerdings nicht folgen und bezeichnete diesen Passus in den Versicherungsbedingungen als „lebensfremd“. Allein die technische Möglichkeit zum Ausdruck verschiebe nicht den Zeitpunkt des Reiseantritts. Zudem sei der Erhalt der Bordkarte lediglich ein untergeordneter Nebenaspekt für den Antritt einer Flugreise. Nach Auffassung der Richter ist der Zeitpunkt, zu dem sich der Urlauber am Flughafen einfindet, als eigentlicher Reiseantritt zu sehen. Erst hierdurch wird ein Verfahren in Gang gesetzt, das in den Abflug mit dem gebuchten Flugzeug mündet. (Amtsgericht Bremen, Aktenzeichen: 10 C 508/12)

Verspätet Die nach EU-Recht Flugpassagieren zustehende Ausgleichsleistung in Höhe von 250 bis 600 Euro (je nach Entfernung zum Zielort) steht nicht nur erwachsenen Fahrgästen zu. Das Landgericht Stuttgart hat einem Ehepaar, dessen Flug nach Mallorca sich um mehr als drei Stunden verspätete, für sich und seine beiden minderjährigen Kinder (eines davon war erst 16 Monate alt) einen solchen Anspruch in Höhe von vier Mal 250 Euro zugesprochen. Dass das Kleinste nicht einmal einen eigenen Sitzplatz hatte, sei unbedeutend, da auch dafür ein – wenn auch reduzierter – Flugpreis bezahlt worden war. (Landgericht Stuttgart, Aktenzeichen: 13 S 95/12) büs

§

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben