RECHT & REISE : RECHT & REISE

Sturz auf der Rolltreppe

Auch wenn ein Pauschalurlauber dem Reiseveranstalter bei Buchung mitgeteilt hat, dass er schwer behindert sei und sich nur auf Krücken, mit einem Rollator oder in einem Rollstuhl fortbewegen könne, hat er – ohne eine entsprechende Zusicherung – keinen Anspruch auf eine besonders fürsorgliche Behandlung durch das Personal des Veranstalters, wenn ihm dies zuvor nicht ausdrücklich zugesichert war. Er kann kein Schmerzensgeld für einen Sturz auf einer Rolltreppe verlangen, die er benutzen musste, weil der Aufzug defekt war (hier im Hafengebäude von Barcelona). Das Gericht stellte unter anderem darauf ab, dass der Veranstalter „erkennbar kein besonderes Angebot an behinderte Personen dargestellt habe, sondern die Reise im Billigsektor für das allgemeine Publikum bestimmt gewesen sei“. (Oberlandesgericht Koblenz, Aktenzeichen: 10 U 146/11) büs

Beinbruch Das Amtsgericht Rostock wies die Klage einer Urlauberin gegen eine Reederei ab, der sie vorwarf, die Verkehrssicherungspflicht auf dem Kreuzfahrtschiff vernachlässigt zu haben. So sollen unterschiedliche Höhen der Treppenstufen Auslöser für ihren Sturz gewesen sein, bei dem sie sich ein Bein gebrochen hatte. Außerdem hätten entsprechende Hinweisschilder gefehlt. Das Gericht hielt ihr „Unaufmerksamkeit“ vor, wozu sicher beigetragen habe, dass sie an einer Schlagerparty am Pool teilgenommen habe, als das Unglück passierte. (Amtsgericht Rostock, Aktenzeichen: 47 C 202/12) büs

Vereist Lässt ein Hotelbesitzer einen naturbelassenen Weg zu einem Schwimmbad in der Anlage im Winter komplett vereisen, was zur Folge hat, dass ein Hotelgast, der als Pauschalurlauber anwesend ist, stürzt und sich schwer verletzt, so kann er Schadenersatzansprüche gegen den Reiseveranstalter geltend machen. Dies deshalb, weil der Veranstalter zumindest stichprobenartig hätte prüfen müssen, ob der Hotelbetreiber seiner Verkehrssicherungspflicht nachkommen würde. Dass der Weg aus Naturschutzgründen nicht gestreut oder gesäubert war, hat keine Bedeutung, da dann auf andere Weise dafür hätte gesorgt werden müssen, dass niemand zu Schaden kommen konnte, etwa durch die Sperrung des Weges. Der verunglückten Fußgängerin wurde allerdings ein sechsprozentiges Mitverschulden angerechnet, da sie die von dem Weg ausgehende Gefahr hätte erkennen können. (Oberlandesgericht Köln, Aktenzeichen: 19 U 4/12) büs

Warteschlange Verpasst ein Flugpassagier wegen einer „besonders langen Warteschlange“ am Counter seine Maschine, so kann er von der Fluggesellschaft keine „Ausgleichsleistung wegen Annullierung des Fluges“ (hier in Höhe von 400 Euro) verlangen. Er hätte sich um seine rechtzeitige Abfertigung kümmern müssen – oder früher am Flughafen erscheinen sollen. (Bundesgerichtshof, Aktenzeichen: X ZR 83/12) büs

Anwaltskosten Klärt eine Fluggesellschaft ihre Passagiere nicht über ihre Rechte bei einer Flugverspätung auf, muss sie ihnen die Kosten für einen Rechtsanwalt bezahlen. In dem Fall verlangten zwei Passagiere neben einer Ausgleichszahlung auch Schadenersatz für vorgerichtliche Anwaltskosten. Ihr Flug von Hannover nach Antalya in der Türkei hatte eine mehrstündige Verspätung. Das Amtsgericht gab den Passagieren Recht. Diese hätten sowohl Anspruch auf die Ausgleichszahlung als auch auf Ersatz der vorgerichtlichen Anwaltskosten. Weil die Airline die Kunden nicht über ihre Rechte nach der EU-Fluggastrechteverordnung informiert hatte, mussten sie zur Klärung ihrer Ansprüche einen Rechtsanwalt einschalten. (Amtsgericht Hannover, Aktenzeichen: 517 C 13641/11) dpa

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