RECHT & REISE : RECHT & REISE

Warteschleifen

Hat ein Flugzeug deswegen eine Verspätung, weil die pünktlich gestartete Maschine am Ankunftsflughafen erst verspätet eine Landeerlaubnis erhält, so haben Fluggäste keinen Anspruch auf Ausgleich nach der Fluggastrechteverordnung. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Im konkreten Fall ging es um einen Zubringerflug nach Paris, der zwar pünktlich in Hamburg gestartet war, aber wegen einer zunächst nicht erteilten Landeerlaubnis zu spät landete. Wird dadurch der Weiterflug (hier nach Atlanta) verpasst und kommt der Reisende mit drei Stunden Verspätung an, so besteht zwar grundsätzlich Anspruch. Es lägen aber „außergewöhnliche Umstände“ vor, die „die Verpflichtung eines Luftverkehrsunternehmens zu Ausgleichszahlungen entfallen lassen“. (BGH, Aktenzeichen: X ZR 115/12)

Kein Land in Sicht Weicht ein Kreuzfahrtschiff deutlich von seiner Route ab, kann das einen Reisemangel darstellen. Die im Katalog angegebene Leistungsbeschreibung „Auf See“, bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Passagiere eine bestimmte Sicht auf umliegendes Land haben. In dem Fall hatte ein Ehepaar eine 14-tägige Nordland-Kreuzfahrt gebucht. In der Routenbeschreibung war angegeben, an welchem Tag welcher Hafen angelaufen wird und wann sich das Schiff auf See befindet. Eine Skizze stellte zeichnerisch eine Umrundung von Spitzbergen dar. Das Ehepaar legte bei der Buchung Wert auf eine Kabine auf der Backbordseite, um die Inselgruppe zu sehen. Tatsächlich umrundete das Schiff den Archipel jedoch nicht. Das Ehepaar verlangte daraufhin einen Teil des Reisepreises zurück. Das Amtsgericht wies die Klage ab: Es sei nur eine unwesentliche Modifikation der Route vorgenommen worden. Grundsätzlich könne zwar die Nichteinhaltung einer Route oder eine fehlende Umfahrung einer Insel ein Reisemangel sein. Bei der gebuchten Kreuzfahrt sei jedoch für den maßgeblichen Tag die Beschreibung „Auf See“ angegeben worden. Es sei den Reisenden nicht zugesichert worden, dass es an Seetagen möglich sei, beispielsweise die nächste Inselküste zu sehen. Die Ehegatten verlangten vergeblich eine Teilerstattung des Reisepreises, der sich auf insgesamt fast 7000 Euro belief. (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 222 C 31886/12)

Umdirigiert Bucht ein Mann eine Pauschalreise inklusive eigener Luxusvilla mit Pool, präsentiert ihm jedoch der Veranstalter eine andere Unterkunft ohne Pool und Villa, kann der Urlauber von der Reise zurücktreten und Schadenersatz fordern. Das gelte zumindest dann, wenn der Veranstalter den Wechsel eigenmächtig vorgenommen hat. Im konkreten Fall ging es um eine Luxusreise für fünf Nächte in die Vereinigten Arabischen Emirate, die laut Buchungsbestätigung in ein anderes als das gebuchte Haus in einem anderen Emirat führen sollte. Der Mann widersprach, wurde aber nicht umgebucht. Er trat zurück und forderte Schadenersatz – zu Recht. Durch den Wechsel der Unterkunft sei die Reiseleistung mangelhaft gewesen. Den Reisepreis von rund 3800 Euro bekam er erstattet sowie 1600 Euro Schadenersatz für eingebüßte Urlaubsfreude. (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 224 C 9151/12) büs

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