RECHT & REISE : RECHT & REISE

Mehr Platz, bitte

Bucht eine Familie mit zwei Kindern eine Pauschalreise für ein „Deluxe-Zimmer“, das 48 Quadratmeter groß sein soll, misst es aber tatsächlich (einschließlich Bad und Terrasse) nur 32 Quadratmeter, so liegt ein erheblicher Mangel vor. Kümmert sich der Reiseveranstalter dann nicht um eine adäquate Ersatzunterkunft und überlässt er dies vielmehr seinen Kunden, so hat er ihnen die dadurch entstehenden Mehrkosten (hier in Höhe von 1331 Euro) für ein größeres Zimmer im selben Hotel – alle „Deluxe-Zimmer in diesem Haus waren nur 32 Quadratmeter groß) zu ersetzen. (Das Gericht versagte dem Familienoberhaupt allerdings das verlangte „Schmerzensgeld“ in Höhe von 1608 Euro wegen „entgangener Urlaubsfreude“. Seine Begründung für die Forderung, dass er den Urlaub nicht habe richtig genießen können, weil er sich nicht sicher gewesen sei, dass er die verauslagten 1331 Euro ersetzt bekommen würde, überzeugte das Gericht nicht.) (LG Frankfurt am Main, 2/24 S 66/11) büs

Zwei in einem Raum Ein nerviger Zimmergenosse im Doppelzimmer stellt keinen Reisemangel dar. Das entschied das Amtsgericht Köln (Aktenzeichen: 142 C 334/12), berichtet die „Neue juristische Wochenschrift“. Denn der Reiseveranstalter könne dessen Verhalten nur bedingt beeinflussen. Und wer nur ein halbes Doppelzimmer buche, gehe bewusst das Risiko ein, an einen Mitreisenden als Zimmergenossen zu geraten, dessen Gewohnheiten, Verhaltensweisen und Eigenarten er nicht teilt. In dem verhandelten Fall hatte ein Mann eine 22-tägige Afrika-Safari mit Unterbringung in einem halben Doppelzimmer gebucht. Die freie Hälfte des Doppelzimmers belegte der Reiseveranstalter mit einem Mitreisenden, den der Kläger nicht kannte und auf dessen Auswahl er keinen Einfluss hatte. Dieser hatte allerdings merkwürdige Angewohnheiten: So wandelte er nachts herum, schaltete das Licht ein und führte Selbstgespräche. Hinzu kam noch fehlende Sauberkeit beim Benutzen der Sanitäreinrichtungen. Nach einer Beschwerde bot die Reiseleiterin dem Kläger ein Einzelzimmer an. Allerdings sollte er dafür einen Zuschlag zahlen. Darauf wollte er sich nicht einlassen, sondern den Reisepreis um 20 Prozent mindern – allerdings ohne Erfolg. dpa

Tod der Ehefrau Sagt ein Pauschaltourist eine samt Frau gebuchten Reise sechs Monate vor dem Termin ab, weil die Gattin gestorben ist, so ist der Reiseveranstalter nicht berechtigt, dafür pauschal eine Stornogebühr von 25 Prozent (die hier der Anzahlung entsprach) zu verlangen. In solchen Fällen muss der Veranstalter einen etwa entstandenen Schaden „konkret berechnen und darlegen“. Das war hier nicht geschehen. (AmG Hannover, 450 C 9763/11) büs

Schwanger in die Ferien Bucht eine schwangere Frau für sich, ihren Mann und den Sohn eine Reise nach Griechenland (hier für 2500 Euro ) und schließt sie eine Reiserücktrittsversicherung ab, so muss diese die Stornokosten bezahlen, wenn die Familie die Reise wegen plötzlich auftretender Komplikationen bei der Frau absagt. Die Versicherung kann nicht argumentieren, eine Schwangerschaft sei keine Erkrankung und sie sei bereits bei der Buchung bekannt gewesen. Verlief die Schwangerschaft bis kurz vor der Abreise komplikationslos und treten dann unerwartet Wehen auf, so muss die Versicherung leisten – vorausgesetzt, es liegt ein medizinisches Attest vor, das „von der Reise abrät“ (was hier der Fall war). (AmG München, 224 C 32365/11) büs

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