Reise : RECHT & REISE

„Vermittler“

Ob ein Reiseveranstalter auch für einen Ausflug haftet, der am Urlaubsort gebucht wird, hängt davon ab, wie das Unternehmen aus der Sicht „eines vernünftig und objektiv urteilenden Reisenden“ auftritt. Im verhandelten Fall wurde ein Veranstalter wegen der Folgen eines Unfalls während eines Busausfluges nach Kairo zur Zahlung eines Schmerzensgeldes von 6000 Euro verurteilt. Er hatte sich im Reiseprospekt zwar nur als „Vermittler“ solcher Fahrten bezeichnet, war an Ort und Stelle aber als Ausrichter aufgetreten, was unter anderem dadurch dokumentiert wurde, dass der Ausflug „nur bei Ihrem Reiseleiter buchbar“ war und in einem Bus mit dem „großen, unübersehbaren Firmenzeichen“ abgewickelt wurde. Dem Landgericht Frankfurt am Main reichte das aus, um den Veranstalter haftbar zu machen. (Aktenzeichen: 2/19 O 24/05)

Dokumente besorgen

Eine Klausel in den Reisevertragsbedingungen, dass der Kunde sämtliche für die Reise erforderlichen Dokumente zu beschaffen und mitzunehmen hat, ist nicht zu beanstanden. Wird dagegen verstoßen und ergibt sich daraus ein Bußgeld für den Reiseveranstalter, so hat der Reisende den Betrag zu ersetzen. Hier ging es darum, dass die Urlauberin vergessen hatte, ihren „maschinenlesbaren Reisepass“ mitzunehmen. Das kostete bei der Einreise in den Hafen von Puerto Rico ein Bußgeld von 2740 Euro, der vom Reiseveranstalter zu zahlen war und den er von seiner Kundin ersetzt haben wollte. (Landgericht Hamburg, Aktenzeichen: 309 S 285/06)

Zu Unrecht verweigert Erkrankt ein HIV-Infizierter auf einem USA-Trip an hohem Fieber und Reizhusten und wird er zunächst in ein örtliches Krankenhaus gebracht, das ihm eine Transportfähigkeitsbescheinigung für seine private Krankenrücktransportversicherung ausstellt, so hat er Anspruch auf Schmerzensgeld gegen seine Versicherung, wenn die ihm keinen Rückflug organisiert, weil er wegen der Grunderkrankung HIV „generell gefährdet“ sei, durch den Lufttransport eine Lungenentzündung zu bekommen. „Quält“ er sich schließlich durch den selbst organisierten Rückflug ohne Betreuung von Nevada nach Berlin (mit zwei Zwischenstopps), so steht ihm – neben der Übernahme der Kosten des Rückflugs und einer notwendigen Hotelübernachtung – ein Schmerzensgeld (hier in Höhe von 2000 Euro) zu. (Landgericht München, Aktenzeichen: I, 6 S 20960/06)

30 Prozent zurück

für Schmutz

Weisen Pauschalreisende durch Fotos nach, dass in ihrem Zimmer „unzureichende hygienische Zustände“ geherrscht haben, dass im Speisesaal, im Poolbereich, in den Toiletten sowie im Fitnessraum Verschmutzungen an der Tagesordnung waren, so rechtfertigt das eine Reisepreisminderung um 20 Prozent. Defekte Geräte im „ohnehin spärlich bestückten“ Fitnessraum brachten weitere fünf Prozent und schließlich „der teilweise vermüllte und unhygienische Zustand“ des Hotelgeländes ebenfalls fünf Prozent. Der Reiseveranstalter glaubte diese Mängel als „nicht genügend nachgewiesen“. (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/24 S 181/06) W. B.

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