Reise : RECHT & REISE

Wolfgang Büser

Rückfall


Erkrankt eine Frau sieben Wochen vor Beginn einer geplanten Reise nach Kapstadt an einer Lungenentzündung und stellt ihre Ärztin ihr in Aussicht, dass sie gemeinsam mit ihrem Ehemann die Reise antreten kann, so muss die Reiserücktrittkostenversicherung dennoch nicht die vollen Stornogebühren (hier in Höhe von 75 Prozent oder 2380 Euro) übernehmen, wenn die Kranke zwei Tage vor dem Abflug einen Rückfall erleidet und das Ehepaar dann erst storniert. Bei einer solch (teilweise sogar lebens-)gefährlichen Krankheit hätte die Frau trotz der positiven Aussage ihrer Ärztin unmittelbar nach der Diagnose stornieren müssen, wenn sie die Reiserücktrittskostenversicherung in Anspruch habe nehmen wollen. Die muss den Rückfall jedenfalls nicht als „neue Krankheit“ anerkennen. (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 232 C 26342/06)

Gestohlene Videokamera
Reiseveranstalter sind nicht dafür verantwortlich, dass einem Pauschalreisenden aus dem Hotelzimmer eine Videokamera sowie ein Handy (hier im Wert von insgesamt 3700 Euro) gestohlen worden sind. Das gilt auch für den Fall, dass im Hotel (hier in Kenia) kein Safe für die Aufbewahrung von Wertgegenständen vorhanden ist. Das Amtsgericht Stuttgart: Der Veranstalter könnte allenfalls dann haftbar gemacht werden, wenn er ein Hotelsafe zugesichert hätte. „Hinsichtlich der Sicherheitsstandards ist insoweit auf die örtlichen Verhältnisse abzustellen“, so das Gericht. (Aktenzeichen: 18 C 1636/07)

Aufgegeben
Fliegt ein Pauschalurlauber bereits vom Heimatflughafen (hier: Düsseldorf) mit zwei Stunden Verspätung ab, was zur Folge hat, dass er den Anschlussflug von Madrid nach Miami nicht erreicht und deshalb dort auch nicht mehr das gebuchte Kreuzfahrtschiff, so darf er die Reise nicht „stornieren“ und eine Erstattung des Reisepreises plus Schmerzensgeld vom Reiseveranstalter verlangen. Er muss versuchen, später zu fliegen, um entsprechend mit Verspätung auf das Kreuzfahrtschiff zu stoßen. Hier hatte der Reisende sich nicht die Mühe gemacht, um aus den Unterlagen die Notfalltelefonnummer herauszusuchen, sondern war schnurstracks nach Düsseldorf zurückgekehrt. Das Landgericht Frankfurt am Main zeigte dafür keinerlei Verständnis. (Aktenzeichen: 2/19 O 201/05)

Schwerbehindert
Bucht ein „erkennbar schwer behinderter“ Rollstuhlfahrer eine Pauschalreise, so sind der Reiseveranstalter ebenso wie das die Buchung vermittelnde Reisebüro verpflichtet, die notwendigen Voraussetzungen für eine behindertengerechte Unterkunft zu schaffen. So haben sie zum Beispiel „durch Nachfrage bei dem Behinderten zu erkunden, welches seine besonderen Bedürfnisse sind, dieselben in der schriftlichen Anmeldung festzuhalten und dafür zu sorgen, dass sie bis zum Reiseantritt verwirklicht werden“. Hier waren für den Gast der Restaurant- und der Zimmerbereich nicht aus eigener Kraft mit dem Rollstuhl zu erreichen und die Rampen nicht zu befahren. Dabei hatte sich aus der Reiseanmeldung deutlich ergeben, dass ein behindertengerechtes Zimmer gewünscht wurde. Mindestens sechsmal war der Mann persönlich – im Rollstuhl – im Reisebüro aufgetaucht.(Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/24 S 213/06)

Ferienwohnung ohne Storno
Vermietet ein Reiseveranstalter lediglich eine Ferienwohnung (also ohne Arrangement von An- und Abreise, was das Pauschalreiserecht ins Spiel brächte), so ist das Mietrecht anzuwenden, sofern im Vertrag nicht ausdrücklich anderes geregelt ist. Bei einer Kündigung des Vertrages ist daher die geleistete Anzahlung voll zurückzuzahlen. Der Mieter braucht, so das Amtsgericht Euskirchen, keinen Kündigungsgrund – wie wenn er eine Wohnung kündigt. (Aktenzeichen: 13 C 484/06) Wolfgang Büser

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