Reise : RECHT & REISE

Wolfgang Büser

Überkreuzbuchungen

Geschäftsbedingungen eines Luftfahrtunternehmens, nach denen ein Flugschein ungültig wird, wenn er nicht „in der vorgesehenen Reihenfolge“ abgeflogen wird, verstoßen gegen das Gesetz und sind deshalb unwirksam. Ein Kunde, dem es nicht erlaubt wurde, den „Rückflug“ anzutreten, nachdem er den Hinflug nicht wahrgenommen hatte, kann deshalb von der Airline die Kosten eines danach gebuchten Ersatzfluges ersetzt verlangen. (Amtsgericht Köln, Aktenzeichen: 28 C 633/06)

Höhere Gewalt

Kündigt ein Reiseveranstalter eine geplante Reise, weil der Zweck der Tour nicht mehr zu erreichen ist, so handelt es sich um „höhere Gewalt“. Das hat zur Folge, dass sich Reiseveranstalter und Reisender die dadurch anfallenden Stornokosten je zur Hälfte teilen. Hier ging es um eine Jagdreise nach Sibirien, wo den Teilnehmern die Gelegenheit gegeben sein sollte, „garantiert“ Braunbären zu schießen. Unvorhergesehen wurde aber die Jagdsaison in Russland zum geplanten Zeitpunkt „ohne sachlichen Grund“ nicht eröffnet. Der Veranstalter hatte für die stornierten Flüge 147 Euro aufzuwenden, der Anteil des Kunden betrage 73,50 Euro, so das Landgericht Mönchengladbach. (Aktenzeichen: 4 S 64/06)

Pauschale Mängelrüge ausreichend

Rügt ein Reisender nur die „anderweitige Unterbringung“ am Urlaubsort und fügt er hinzu, dass die Leistungen des von ihm gebuchten mit denen des zur Verfügung gestellten Hotels „nicht übereinstimmten“, so gibt er damit „unmissverständlich zu erkennen“, dass er wegen der Unterschiede „nicht einverstanden“ sei. Der Reiseveranstalter darf eine daraufhin verlangte Minderung des Reisepreises nicht mit der Begründung ablehnen, es fehle an einer „konkreten Rüge“. Das Landgericht Düsseldorf befand: Welche Unterschiede beanstandet wurden, „muss der Veranstalter auch ohne konkrete Benennung kennen, da er wissen kann, was in dem gebuchten Hotel angeboten wurde und was von diesen Leistungen in dem zur Verfügung gestellten Haus fehlt“. (Landgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 22 S 393/06)

Warten auf Flughafen

Erfährt ein Urlauber erst am Flughafen, dass sich sein Flug wegen eines „technischen Problems“ um elf Stunden verzögern wird, so braucht er die Zeit nicht an Ort und Stelle zu verbringen, wenn der Weg nach Hause nicht unverhältnismäßig weit ist. Er darf ein Taxi nehmen und hat das Recht, sich den Betrag von der Fluggesellschaft erstatten zu lassen. Das Angebot, Betreuungsleistungen im Flughafengelände in Anspruch zu nehmen, muss er nicht annehmen. Im verhandelten Fall wohnte der Mann in Köln und wollte vom Flughafen Köln aus verreisen. (Landgericht Frankfurt am Main, 2/24 S 290/06) Wolfgang Büser

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