Reise : RECHT & REISE

Schiffsarzt

Reiseveranstalter, die Kreuzfahrten anbieten, sind zwar verpflichtet, den Schiffsarzt „nachvollziehbar auszuwählen“. Sie dürfen keine „völlig inkompetente Person“ als Arzt benennen. Sie haften jedoch nicht für die Tätigkeit des Schiffsarztes, weil dieser kein „Erfüllungsgehilfe“ des Reiseunternehmens ist, sondern er selbstständig tätig wird. Das Unternehmen ist auch nicht befugt, dem Arzt medizinische Weisungen zu erteilen, „noch kann es sich einer Anordnung des Arztes widersetzen“. So entschied das Amtsgericht Offenbach zu Ungunsten eines Ehepaares, das behauptete, die Ehefrau sei vom Schiffsarzt falsch behandelt worden, weil er eine unzutreffende Diagnose gestellt habe und dadurch die Reise erheblich beeinträchtigt worden sei – unter anderem, weil die Frau an drei Landausflügen nicht teilnehmen konnte. (Aktenzeichen: 39 C 317/07)

Späte Mängelrüge

Will ein Pauschalreisender beim Reiseveranstalter Mängel zum Anlass einer Preisminderung machen, so hat er seine Beanstandungen vorher vorzubringen, um dem Veranstalter die Möglichkeit zu geben, für Abhilfe zu sorgen. Ansonsten gibt es kein Geld zurück. Das gilt auch für den Fall, dass „zu spät gerügt wird“, etwa kurz vor der Abreise, wenn ein Eingehen auf den Kundenwunsch nicht mehr möglich ist. Ausnahme: Eine Abhilfe wäre zu einem früheren Zeitpunkt gar nicht möglich gewesen. Hier ging es darum, dass ein Paar erst eine Woche nach dem Einzug in das gebuchte Hotel mehrere Mängel reklamierte. Der Veranstalter konnte aber eine gleichwertige Bleibe nicht anbieten. Das Landgericht Frankfurt am Main sprach den beiden eine Preisminderung zu, da nicht nachgewiesen war, dass bei „rechtzeitiger“ Reklamation der mangelhafte Zustand sofort hätte geändert werden können. Das heißt: Die Reiseleitung konnte „kein konkretes Hotel mit der gebuchten Ausstattung“ und Lage benennen. (Aktenzeichen: 2/24 S 263/06) W.B.

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