Reise : RECHT & REISE

Tauchboot statt Hotelbett

Wird ein Urlauber auf einer Maledivenreise in der ersten Nacht statt im gebuchten Hotel in einem Tauchboot untergebracht, in dem wegen der Motorengeräusche an eine erholsame Nachtruhe nicht gedacht werden konnte, so steht ihm für diesen und den folgenden Tag der Ersatz des vollen anteiligen Reisepreises zu. Das Landgericht Baden-Baden sah den zusätzlichen Tag als „Erholung“ von der zuvor erlittenen Strapaze an. (Aktenzeichen: 2 O 335/07)

Stornogebühr

Zwar kann ein Hotelbetreiber von einem Kunden grundsätzlich keinen Schadenersatz verlangen, wenn dieser mehrere Zimmer für Geschäftspartner gebucht hatte, später jedoch einige davon wieder stornieren muss und der Hotelier die Zimmer zu den gleichen Konditionen wieder belegen kann. Um die Wiederbelegung zu beweisen und so die Stornogebühren zu vermeiden, reicht es jedoch nicht aus, wenn der Kunde darlegt, dass das Hotel trotzdem ausgebucht war. Er muss nachweisen, dass die Zimmer zu den gleichen Konditionen vergeben wurden und dem Hotel somit tatsächlich keine Gewinne entgangen sind. Hier konnte der Kunde das nicht und musste den entgangenen Gewinn ersetzen. (Landgericht Nürnberg-Fürth, Aktenzeichen: 19 S 4497/06)

Später Storno

Wer eine Urlaubsreise bucht und dafür eine Reiserücktrittskostenversicherung abgeschlossen hat, der darf – wird er krank – mit einer Stornierung nur warten, wenn mit seiner Genesung bis zum Reiseantritt sicher gerechnet werden darf. Allein die Hoffnung auf eine rechtzeitige Besserung des Gesundheitszustandes ist in der Versicherung nicht enthalten. Eine Mutter, die für sich und ihren 13-jährigen Sohn eine Auslandsreise gebucht hatte, kostete das 1230 Euro. Der Junge erkrankte und musste stationär im Krankenhaus behandelt werden. Da die Reise erst sechs Wochen später beginnen sollte, wartete die Frau zunächst ab, bis der Arzt vier Wochen später signalisierte, er rate von der Teilnahme an der Reise ab. Zu diesem Zeitpunkt kostete das Storno 1722 Euro, vier Wochen zuvor wären nur 492 Euro fällig gewesen. Nur diesen Betrag ersetzte die Versicherung. Zu Recht, so das Amtsgericht München. (Aktenzeichen: 281 C 8045/07)

Ausweichquartier

Stellt sich erst bei der Ankunft am Urlaubsort heraus, dass im gebuchten Hotel kein Zimmer mehr frei ist, so kann der Reiseveranstalter an einer Preisminderung nur dann vorbeikommen, wenn er ein Ausweichquartier zur Verfügung stellt, das „annähernd gleichwertig“ ist. Das war in dem vom Landgericht Frankfurt am Main zu entscheidenden Fall nicht so. Das Ersatzhotel hatte keinen unmittelbaren Zugang zum Strand, keinen gleichwertigen Swimmingpool, auch das Sport- und Unterhaltungsangebot und der Mitternachtssnack fehlten. Die Richter hielten hierfür eine Preisminderung von 45 Prozent für angemessen. Hinzu kam, dass der Veranstalter seiner Informationspflicht vor Beginn der Reise nicht nachgekommen sei. Da damit eine Gesamtminderungsquote von 60 Prozent erreicht sei, stehe den Urlaubern zusätzlich ein Schadenersatz für nutzlos vertanen Urlaub – „Schmerzensgeld“ – zu, der sich nach dem Preis für die Reise richtete. (Aktenzeichen: 2/24 S 139/07) W. B.

§

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben