Reise : RECHT & REISE

Wolfgang Büser

Im Urlaub kann immer mal was daneben gehen: fehlende Promenade, Kamelmist, Hupkonzerte – oder das Hotelzimmer ist mit 16 Quadratmetern einfach zu „mickerig“. Die schönste Zeit im Jahr ist dahin. Doch wer gerechtfertigte Ansprüche hat, kann sie einfordern. Wie viel Reisepreisminderung wofür verlangt werden kann, zeigen folgende Entscheidungen:

Strandpromenade Ist im Reiseprospekt ein Hotel als „direkt an der Strandpromenade gelegen“ beschrieben, fehlt sie aber an Ort und Stelle, so kann der Urlauber den Reisepreis um fünf Prozent mindern. Das Landgericht Duisburg: Die Breite und der besondere Ausbau einer Strandpromenade, „die regelmäßig mit einer gewissen Abgrenzung zum Straßenverkehr einhergeht, ermöglichen ein erholsames Spazieren oder Joggen am Strand/Meer entlang“. Wer unter anderem wegen dieser Möglichkeit das Hotel ausgesucht habe, dessen Erholungswert der Reise sei beeinträchtigt, wenn er nicht wie erhofft spazieren gehen könne. (Aktenzeichen: 12 S 71/07)

Mickrig

Ein Urlauber-Ehepaar muss sich nicht damit zufrieden geben, statt im gebuchten Fünf-Sterne-Hotel, in einem 16 Quadratmeter großen Zimmer eines anderen Etablissements untergebracht zu werden, zumal dann, wenn es sich nicht am Ort befindet. Hier kam hinzu, dass das Zimmer auch Schimmel angesetzt hatte. Die Türkei-Reisenden hielten all diese Mängel für nicht vertretbar, klagten auf Preisminderung und bekamen auf Gerichtsbeschluss 60 Prozent des Reisepreises nachträglich erstattet. (Amtsgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 30 C 3774/06-24)

Kamelmist

Ist der Strand in einem Urlaubsgebiet (hier in Tunesien) durch Kamel- und Pferdedung stark verunreinigt, so kann ein Reisender wegen der massiven Beeinträchtigung einen Teil des Reisepreises vom Veranstalter zurückverlangen (hier: zehn Prozent). Der Reiseveranstalter kann nicht argumentieren, dass mit Pferde- oder Kameläpfeln in Tunesien zu rechnen sei; es liegt ein Reisemangel vor. (Amtsgericht Köln, Aktenzeichen: 135 C 287/05)

Hupkonzert

Pauschalurlauber, die in Dubai in einem zentral gelegenen Hotel wohnen, müssen damit rechnen, dass sie sich in einer „turbulenten, verkehrsreichen Umgebung“ befinden. Sie haben deshalb keinen Anspruch auf Reisepreisminderung, wenn sie regelmäßig nachts durch Auto-Hupkonzerte und ähnliche Lärmbelästigungen nicht den erhofften Schlaf finden. In der „hochmodernen boomenden Metropole“ könnten Urlauber nicht mit „beschaulichen autofreien Bereichen“ rechnen. Da dies „allgemein bekannt“ sei, handele es sich nicht um einen entschädigungspflichtigen Reisemangel. (Amtsgericht Köln, Aktenzeichen: 133 C 428/05)

Kenntnisnahme

Nimmt eine Reiseleiterin eine detaillierte Mängelliste eines Pauschaltouristen per Unterschrift „zur Kenntnis“, so hat sie damit „keine abschließende Beurteilung über die Beanstandungen“ abgegeben. Der Reiseveranstalter kann unabhängig davon Einwendungen bezüglich der in der Liste enthaltenen Vorwürfe erheben. Ihm müssen deshalb unabhängig von der Kenntnisnahme durch die Reiseleiterin noch binnen eines Monats nach der Rückkehr die behaupteten Beanstandungen noch einmal vorgetragen werden, soll die Forderung nach einer Reisepreisminderung Erfolg haben. (Amtsgericht Duisburg, Aktenzeichen: 45 C 394/07)

Krankheit

Erkrankt ein Passagier eines Kreuzfahrtschiffes so schwer, dass er an Bord nicht behandelt werden kann, und kehrt das Schiff deshalb nach einstündiger Fahrt in den Hafen zurück, so handelt es sich nicht um einen entschädigungspflichtigen Reisemangel, selbst wenn deswegen eine Besichtigung ausfallen musste. Es handelt sich, so der Richter, um einen Fall von höherer Gewalt. (Amtsgericht Offenbach, Aktenzeichen: 39 C 317/07)Wolfgang Büser

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