Reise : RECHT & REISE

Wolfgang Büser

Open-Air-Diskothek

Werden Pauschalreisende durch eine Open- Air-Diskothek, die in der Nähe ihres Hotelzimmers bis vier oder sogar bis fünf Uhr morgens betrieben wird, „in ihrer nächtlichen Ruhe gestört“, so können sie den Reisepreis durchaus um 60 Prozent mindern. Außerdem steht ihnen eine Entschädigung für entgangene Urlaubsfreude zu. Der Richter glaubte den Angaben der Urlauber, dass sie nur mit Stöpseln im Ohr hätten schlafen können. Als zusätzliches „Schmerzensgeld“ hatten sie 150 Euro pro Person gefordert, was elf Euro je Person und Tag entsprach. Der Amtsrichter bestätigte ihnen insofern „Bescheidenheit“… (Amtsgericht Köln, Aktenzeichen: 13 C 533/06)

Bekannte Mängel

Pauschalreisende können eine Preisminderung erst von dem Zeitpunkt an geltend machen, zu dem sie der Reiseleitung ihre Beschwerde vorgetragen haben. Dies gilt auch für den Fall, dass dort der Mangel längst bekannt ist. Das Landgericht Duisburg urteilte: „Da nicht jeder objektive Mangel von jedem Reisenden gleichermaßen als Beeinträchtigung seiner Reise empfunden wird, besteht ein berechtigtes Interesse des Reiseveranstalters, auch hinsichtlich bekannter Mängel eine Mängelanzeige zu erhalten. Ohne Beanstandung seitens des Reisenden hat der Reiseveranstalter keine Veranlassung, Abhilfe anzubieten.“ (Aktenzeichen: 12 S 70/07)

Baulärm

Machen Urlauber eine Reisepreisminderung wegen Baulärms unmittelbar vor ihrem gebuchten Bungalow geltend, so ist bei der Ermittlung der Höhe zu berücksichtigen, ob und inwieweit sie dem Lärm „entrinnen“ können. Dabei ist grundsätzlich „auf die Gewohnheiten eines Durchschnittsreisenden“ abzustellen, „der sich während eines Urlaubs am Meer bei sommerlichen Temperaturen typischerweise tagsüber nur kurzfristig im Zimmer aufhält“. Deshalb sprach das Landgericht Duisburg den genervten Feriengästen eine Preisminderung von 15 Prozent zu. (Aktenzeichen: 12 S 70/07)

Rücklastschrift

Fluggesellschaften sind nicht berechtigt, einen Kunden, dessen Konto keine ausreichende Deckung aufweist, mit einer Rücklastschrift in Höhe von 50 Euro zu belegen. Das Landgericht Dortmund: „Die Mühewaltung bei der Rechtswahrung gehört zum eigenen Aufgabenkreis eines Geschädigten und ist deshalb von ihm allein zu tragen.“ Soweit durch die (vorläufige) Nichtzahlung „ein zusätzlicher Bearbeitungsaufwand durch Personaleinsatz“ entstehe, dürfe dafür nichts verlangt werden. (Aktenzeichen: 8 O 55/06) Wolfgang Büser

§

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben