Reise : RECHT & REISE 

Wolfgang Büser

Beschwerdebrief Beschweren sich Reisende über Mängel im Urlaubshotel, braucht in dem Schreiben noch nicht in Euro und Cent angegeben zu sein, in welcher Höhe Ersatzansprüche geltend gemacht werden oder ob auch ein zusätzliches „Schmerzensgeld“ für vergeudete Urlaubszeit verlangt wird. Das Landgericht Duisburg urteilte: Es genügt, wenn in dem Beschwerdebrief alle Mängel aufgeführt sind, für die Ersatzansprüche geltend gemacht werden – und zwar konkret nach Ort, Zeit, Umfang und Schadensfolgen. Der Rechtsanwalt hatte bereits einen Betrag von 2043 Euro genannt, den er für seine Mandanten gezahlt haben wollte. Die Rechnung des Landgerichts ergab 1804 Euro und weitere 1804 Euro für vertane Urlaubszeit, insgesamt also 3608 Euro. Der Reiseveranstalter wollte nur die geforderten 2043 Euro zahlen – kam damit allerdings nicht durch. (Urteil am Landgericht Duisburg, Aktenzeichen: 12 S 35/08)

Verspätung Hat bei einer Pauschalreise der Rückflug vom Urlaubsort 14 Stunden Verspätung, müssen die Passagiere nur vier Stunden klaglos hinnehmen. Für die restlichen zehn Stunden stehen ihnen neben einer Reisepreisminderung in Höhe von 50 Prozent des Tagesreisepreises weitere 50 Prozent für entgangene Urlaubsfreude („nutzlos aufgewandte Urlaubszeit“) zu. Der Reiseveranstalter kann dem nicht entgegenhalten, dass ein „zusätzlicher Urlaubstag“ angefallen sei. Das Landgericht Frankfurt am Main urteilte: „Ein zwangsweises Verweilen am Urlaubsort stellt keinen geldwerten Vorteil dar, der die Entschädigung ... kompensiert.“ (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2 / 24 S 177/08)

Lärm Werden ein Mann und seine Lebensgefährtin während ihres dreiwöchigen Urlaubsaufenthaltes über einen Zeitraum von sieben Tagen von einem Marktplatz aus durch Lärm erheblich beeinträchtigt, der durch Aufbauarbeiten für eine große Showbühne aus Anlass eines Volksfestes verursacht wird, so können die Urlauber den Reisepreis für diese Zeit nachträglich mindern, hier zugesprochen in Höhe von 50 Prozent. Im vorliegenden Fall war den ganzen Tag von 8 Uhr in der Früh bis ein Uhr nachts die Ruhe durch Metall- und Holzsägearbeiten, Hämmern sowie durch den Betrieb zweier Kompressoren erheblich gestört. Außerdem spielte ein von den Bauarbeitern mitgebrachtes Radio sehr laut, damit sie – trotz des Baulärms – Musik hören konnten. Das Gericht urteilte, der Abstand von 25 Metern zwischen Markt und den zwei „Rückzugsmöglichkeiten“ des Paares (Zimmer und Pool) sei zu gering gewesen. (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2 / 24 S 29/07) Wolfgang Büser

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