Region Stockholm : Boot oder Baumhaus

Die Zellentüren sind Originale, auch die langen Flure haben noch die Atmosphäre eines Gefängnisses. Hinter den früheren "schwedischen Gardinen" in Stockholm verbergen sich inzwischen ein Hotel und eine Jugendherberge.

Julia Rannicko
Chapman
Schwimmende Herberge. In zentraler Lage in Stockholm liegt die "Chapman" vor Anker. -Foto: Imago

Die schlichten Zimmer allerdings sind längst nicht mehr kostenlos zu haben, und der Aufenthalt ist absolut freiwillig. Der Ex-Knast, aber auch Schiffe und ein Baumhaus gehören zu den ebenso beliebten und ungewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeiten rund um die schwedische Hauptstadt.

1975 zogen die letzten Häftlinge aus dem Gefängnis auf der Stadtteilinsel Langholmen im Westen Stockholms aus. Seit 1989 können Reisende „zu Gast im Knast“ sein. Die früheren Zellen dienen im Sommer als Jugendherberge, zu anderen Jahreszeiten auch als Hotel – neben Touristen sind dann auch Geschäftsleute im Anzug in den ehemaligen Gefängnisfluren zu sehen. Schwedens Jugendherbergen, „Vandrarhems“ genannt, haben einen sehr guten Standard, doch die Einrichtung im Ex-Knast ist karg: ein Etagenbett, ein Stuhl, ein Spiegel – das war’s auch schon. Kein Schrank, kein Schnickschnack; eine eigene Dusche und Toilette haben nur manche Zimmer.

Im dazugehörenden Restaurant dagegen ist von Gefängnisatmosphäre nichts zu spüren: Das Essen im „Wärdshus“, der ehemaligen Wohnung des Aufsehers, ist exzellent – und auch das Frühstück, das es gegen einen Aufpreis gibt, ist üppig. Zu dem Komplex in grüner Umgebung gehören außerdem ein Pub und ein Gefängnismuseum. Dass die Knastvergangenheit längst Geschäft geworden ist, zeigt vor allem der Hotelshop: Als Souvenirs gibt es dort etwa schwarz-weiß gestreifte T-Shirts oder Schlüsselanhänger in Form von schweren Fußketten.

Wer in Stockholm zentraler, aber dennoch ungewöhnlich übernachten will, kann sich auf einem der Jugendherbergs- oder Hotelboote einmieten. Das „Red Boat Mälaren“ etwa liegt direkt zwischen der Altstadt Gamla Stan und dem quirligen Stadtteil Södermalm mit seinen vielen Kneipen und Restaurants – dort, wo die Ostsee und der Mälarsee, ein Binnensee, zusammenkommen.

In den engen Kajüten der Jugendherberge stehen nur ein Stockbett und ein kleiner Tisch, Waschräume und Toiletten sind separat. Der versprochene Meerblick allerdings entpuppt sich als Fensterschlitz, durch den das Geschrei der Möwen und das sachte Schwappen der Wellen zu hören sind. Das sanfte Schaukeln des Bootes merkt man jedoch kaum.

Populär ist auch die schwimmende Jugendherberge „af Chapman“. Das alte Segelschiff, frisch renoviert, liegt ebenfalls zentral vor dem Stadtteil Skeppsholmen. Luxuriöser geht es auf dem Hotelschiff „Mälardrottningen“ zu, einer 1924 gebauten Jacht.

Noch ungewöhnlicher sind zwei Unterkünfte in Västerås, die rund 100 Kilometer westlich von Stockholm zu finden sind. Im „Hotel Woodpecker“ können Besucher in einem etwa 13 Meter hohen Baumhaus übernachten, und im Hotel „Utter Inn“, das im Mälarsee liegt, sollen sie sich wie in einer Art Unterwasseraquarium fühlen. Vom Bett aus können sie durch die Fenster die vorbeischwimmenden Fische beobachten – ein ganz anderes Gefühl als in manchen Hotels in Stockholm, die für ganz besonders sparsame Touristen sogar völlig fensterlose Zimmer anbieten – und vermieten.

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